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Intel entlässt und strukturiert um

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Gestern nach Börsenschluss hat Intel-Chef Paul Otellini zahlreiche Details zu seinen bereits angekündigten und teilweise auch schon umgesetzten Plänen zur Umstrukturierung des Halbeiter-Marktführers bekannt gegeben. Demnach will das Unternehmen im kommenden Jahr etwa 2 Milliarden US-Dollar weniger ausgeben, 2008 sollen es sogar 3 Milliarden US-Dollar werden. Einen erheblichen Teil zu den Einsparungen trägt der Abbau von insgesamt rund 10.500 Arbeitsplätzen bei; Spekulationen über den Abbau von bis zu 20.000 Arbeitsplätzen bestätigten sich damit nur teilweise.

Mitte 2007 sollen noch 92.000 Menschen auf Intels Gehaltslisten stehen; am Ende des zweiten Quartals 2006, also zur Jahresmitte, hat Intel demnach weltweit 102.500 Personen beschäftigt – im Geschäftsbericht für 2005 hatte die Firma zum 31. Dezember 2005 einen Stand von 99.900 Mitarbeitern genannt, mehr als 50 Prozent davon in den USA. In Deutschland beschäftigt Intel etwa 450 Personen (Stand März 2005).

In diesem Jahr sollen Entlassungen vor allem in den Bereichen Management, Marketing und interne EDV erfolgen. Zum Stellenabbau trägt auch der Verkauf von Unternehmenssparten bei, mit dem Intel bereits  begonnen hat. Weitere Stellen will Intel nicht wieder neu besetzen, wenn Mitarbeiter kündigen oder in den Ruhestand gehen.

Bereits zur Jahresmitte hatte Intel rund 1000 leitende Angestellte entlassen. Durch bisher getätigten Verkäufe der Handy-Prozessor-Sparte an Marvell und des Bereichs Sprach-Daten-Kommunikation sind zusammen bereits rund 2000 Stellen weggefallen, insgesamt hat Intel also schon fast 30 Prozent des Stellenabbaus realisiert. Auch kleinere Niederlassungen – etwa eine im Zuge der Level-One-Übernahme eingegliederte Entwicklungsabteilung im schottischen Glasgow mit knapp 20 Mitarbeitern – hat Intel bereits geschlossen.

Analysten spekulieren, dass Intel auch den seit Jahren Verluste bringenden Bereich der NOR-Flash-Speicherchips komplett abstoßen könnte, als möglicher Käufer wird Micron gehandelt; Intel baut gerade zusammen mit Micron einen NAND-Flash-Firma auf und hat im Laufe der Jahre schon erhebliche Summen in Micron investiert, etwa um die Produktion von DDR2-Speicherchips strategisch zu fördern.

Otellini will die Effizienz seines Konzerns aber nicht nur durch den Abbau von Personal verbessern, sondern hat bereits die oberste Führungsebene gestrafft und bereits im Vorfeld seines Amtsantritts als CEO die Sparten-Struktur neu geordnet.

Sparen soll Otellinis Mannschaft in Zukunft auch bei den Ausgaben für Werbung und Verkauf, man will Material effizienter nutzen und weniger investieren. Bis einschließlich 2008 will Intel 1 Milliarde US-Dollar weniger investieren als geplant, indem Produktionsanlagen und -räume geschickter ausgenutzt werden. Solche Ankündigungen haben in Israel bereits Bedenken über die Zukunft der dort im Bau befindlichen Fab 28 für 45-Nanometer-Chips geweckt. Insgesamt beschäftigt Intel in Israel etwa 5400 Menschen.

Im kommenden Jahr möchte Intel die Maßnahmen zur Steigerung der Effizienz weiter forcieren, dann soll die Produktivität und Anlagenauslastung in der Produktion verbessert werden, die Entwicklungsprozesse sollen effizienter werden und man will "organisatorische Redundanzen eliminieren".

Die geplanten Einsparungen sollen unter anderem deshalb 2008 höher ausfallen als 2007, weil einige der Maßnahmen dann bereits ein volles Jahr lang wirken konnten. Intel schätzt, dass ein Viertel der für 2007 geplanten Einsparungen auf die Vertriebskosten entfallen, der Rest soll im Bereich der operativen Ausgaben liegen. Man rechnet auch mit etwa 200 Millionen US-Dollar an Abfindungen, die die geplanten Einsparungen schmälern. (ciw)