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Intel gibt Startschuss für neue Generation von Centrino-Notebooks

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Intel stellt heute die vierte Generation der Mobilplattform Centrino vor, die bislang unter dem Code-Namen Santa Rosa bekannt war. Frühestens Ende Mai sollen damit ausgestattete Notebooks in den Handel kommen.

Im Vergleich zur aktuellen Centrino-Generation Napa hat Santa Rosa ein neues Innenleben. So erlaubt Intel einem der beiden Kerne des Core 2 Duo mit erhöhtem Takt zu laufen, wenn der andere nichts zu tun hat (IDA, Intel Dynamic Acceleration). Zur Santa-Rosa-Plattform gehören sechs FSB800-fähige Core-2-Duo-Prozessoren von 1,4 GHz (L7300 LV) bis 2,4 GHz (T7700). Die Taktrate des schnellsten Core 2 Duo steigt also nur moderat von bisher 2,33 auf 2,4 GHz.

Der Chipsatz Mobile 965 ist der Nachfolger des Mobile 945 und spricht nun 20 Prozent schneller mit dem Prozessor, er ist per FSB800 statt wie bisher mit FSB667 angebunden. Wenn beide Kerne wenig tun, kann jetzt auch der Takt des Frontside-Bus abgesenkt werden. Der Grafikkern GMA X3100 und die Southbridge ICH8M sind weitere Neuerungen, dazu kommt deutlich schnelleres WLAN nach dem vorläufigen Standard IEEE-802.11n.

Ein Novum für Notebooks wie für Desktops ist der unter dem Code-Namen Robson bekannte Cache für Festplattenzugriffe. Robson heißt jetzt Turbo Memory und ist per PCI Express angebunden. Das Modul fasst derzeit 512 oder 1024 MByte NAND-Flash-Speicher und muss nicht unbedingt von Intel stammen. Turbo Memory bringt keine eigenen Pufferstrategien mit, sondern wird komplett von Windows Vista verwaltet. Vista nutzt den Speicher wahlweise für ReadyBoost oder ReadyDrive – oder beides, was der Anwender in einem Intel-Tool einstellen kann. Unter XP oder Linux hat Turbo Memory keinen Nutzen.

Im Idealfall führt Turbo Memory zu einem deutlich schnelleren Laden und Ausführen von Anwendungen (bis zu Faktor 2,6 nach Intels vorläufigen Zahlen), weil die Verzögerung der Kopfpositionierung oder gar des Anlaufens wegfällt und die Datenrate von Flash-Modulen höher ist als von der Festplatte. Robson führt zudem zu einem genügsameren System, weil die Festplatte länger schlafen kann. Anwendungen, die häufig viele Dateien zur Festplatte schieben und wieder holen, dürften besonders von Turbo Memory profitieren.

Für erste Tests standen uns Prototypen von Dell, Fujitsu Siemens, Lenovo und Toshiba zur Verfügung. Messungen daran zeigen, dass Power-User von Santa Rosa profitieren, zumal der Singlethread-Turbo IDA älteren Anwendungen zu einigen Prozent mehr Geschwindigkeit verhilft. Einen derzeit noch schwer zu beziffernden Vorteil verspricht auch der Festplatten-Cache Turbo Memory. Die Chipsatzgrafik GMA X3100 bringt hingegen kaum mehr Rechenleistung.

Im Vergleich zu Vorgängergeräten nennt Intel eine vorläufige Gesamtersparnis für Santa-Rosa-Notebooks von rund zwei Watt, wenn alle Chipsatz- und Display-Stromspartechniken samt Robson zum Einsatz kommen. Das entspricht etwa acht bis fünfzehn Prozent der Leistungsaufnahme normaler Notebooks – angenehm, aber kein zwingender Anreiz für einen Neukauf.

Als echte Vorteile der Santa-Rosa-Plattform bleiben das schnellere WLAN 802.11n, sofern der Router mitspielt: Die in einem Meter gemessene Datenrate von von 60 bis 70 MBit/s (je nach Access Point) liegen um ein Vielfaches höher als bislang mit 802.11g (etwa 21 MBit/s).

Damit auf dem Notebook das Centrino-Logo kleben darf, müssen Prozessor, Chipsatz und WLAN-Modul von Intel stammen. Die Namensgebung verwirrt allerdings: Die jetzt vorgestellte Santa-Rosa-Plattform heißt wie der Vorgänger Centrino Duo. Von außen erkennt man Santa-Rosa-Notebooks immerhin am farbigen Schriftzug in (Santa-)Rosa. Dann steckt FSB800-Hardware drin, aber schon beim WLAN-Chip kann der Notebook-Hersteller das ältere ABG-Modul einbauen – der rosa Schriftzug ist also kein Garant für Draft-n-Funk, zumal Intel das neue Modul auch in einer Version ohne Draft n anbietet. Zudem überlässt es Intel den Notebook-Herstellern, sich für oder gegen Turbo Memory zu entscheiden.

Zusätzlich zu Santa Rosa führt Intel die Plattform Centrino Pro ein, um Business-Notebooks von Consumer-Geräten mit Centrino Duo zu unterscheiden. Das Centrino-Pro-Logo gibts, wenn zusätzlich zu den Centrino-Duo-Vorgaben für Santa Rosa der GBit-LAN-Chip 82566MM/C eingebaut ist, Wireless 4965AG oder AGN funkt und eine spezielle Management-Firmware (AMT 2.5) samt VT-fähigen BIOS läuft. Hinter den Vorgaben steckt Intels Strategie, mit Active Management Technology (AMT) den Unternehmen Fernwartungs- und Systemfunktionen zu ermöglichen. Intel sieht AMT plattformübergreifend für Mobil- und Desktop-Hardware vor: Diese Techniken sind bei Desktop-Systemen als vPro bekannt, in der Mobilwelt fasst Intel sie unter Centrino Pro zusammen.

Intel will sich mit Santa Rosa zusätzlich auch in der Notebook-Welt als Mainboard-Hersteller betätigen und komplette Santa-Rosa-Boards an kleinere Notebook-Hersteller liefern. Santa Rosa soll zukünftig auch in stationären Rechnern stecken, unter anderem in ViiV-Geräten. Mobil-Hardware zieht also weiter in die Desktop-Welt ein und das nicht nur wie bisher als Core-Mikroarchitektur, sondern als Plattform.

Weitere Details und Benchmarks zu Santa Rosa bringt c't in Ausgabe 11/2007 (ab Montag, den 14. Mai, im Handel). (jr)