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Intel kontert ARM-Server-SoCs mit neuen Atoms

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Centerton befeuert zwei x64-Cores mit 6 Watt TDP.

(Bild: Intel)

Ein sparsamer Atom mit zwei x64-Cores, Virtualisierung und ECC-tauglichem Speicher-Controller: Unter dem Codenamen Centerton will Intel ein solches System-on-Chip (SoC) mit 6 Watt TDP im zweiten Halbjahr 2012 vorstellen. Das kündigte Diane Bryant, Chefin der Intel-Serversparte, in ihrer Keynote auf der Entwicklerkonferenz IDF Beijing 2012 an. Centerton soll Server-SoCs mit sparsamen ARM-Cores paroli bieten, wie sie etwa Marvell oder Calxeda entwickeln und deren Einsatz ARM-Chef East ab 2014 erwartet.

Schon jetzt setzen manche Firmen – etwa SeaMicro – Atoms in Servern ein, müssen dabei aber mit den Beschränkungen der von Intel bislang eben nicht auf der Server-Roadmap geführten Netbook-Chips leben: Hier hat Intel nämlich viele Funktionen absichtlich beschnitten, um den Verkauf teurerer Prozessoren nicht zu gefährden (Kannibalisierung). So unterstützen manche sparsame Embedded-Atoms zwar die Virtualisierungstechnik VT-x, kennen aber nur den 32-Bit-Modus. Den 64-bittigen Netbook-Atoms fehlt wiederum VT-x, außerdem steuert ihr Speicher-Controller höchstens 4 GByte DDR3-SDRAM an und unterstützt Error-Correcting Code (ECC) nicht. Centerton soll x86-64, VT-x und ECC kombinieren.

Zu weiteren Details machte Bryant keine Angaben, etwa zur Menge des adressierbaren Hauptspeichers, zur Taktfrequenz oder zur PCI-Express-Anbindung. Aktuelle Netbook-Atoms wie der N2800 aus der 32-nm-Fertigung (Cedarview mit Saltwell-Kernen) erreichen 1,86 GHz bei 6,5 Watt TDP. Dazu kommt noch der Chipsatz NM10 mit 1,5 Watt TDP, wenn er im Mobilbetrieb nur über zwei der PCIe-1-verwandten DMI-Lanes angebunden ist. Die D2000-Atoms schlucken mehr Strom und kommunizieren über vier DMI-Lanes mit dem NM10. Intel könnte den Centerton-Atoms eine funktionsreichere Southbridge oder wenigstens eine schnellere PCIe-(2.0-)Anbindung verpassen – in den dicht gepackten Cloud-Servern kommen oft 10-GBit/s-Ethernet-Interconnects zum Einsatz. Solche verwendet etwa auch die chinesische Firma Taobao, die laut Diane Bryant bereits Hunderte von Atom-"Microservern" in ihrem Content-Deilvery Network (CDN) einsetzt, etwa als Cache-Server.

Nach Informationen von Computerbase besitzt ein Centerton-SoC zwei 1,6-GHz-Atomkerne und kommt ohne Southbridge beziehungsweise Platform Controller Hub (PCH) aus. Das SoC bindet einen Kanal mit bis zu 8 GByte DDR3-1333-RAM an, auch in der DDR3L-Version, und stellt acht PCIe-2.0-Lanes bereit. Darüber müssen SATA-, LAN- oder USB-Controller bei der Bordenville-Plattform extern angebunden werden. Nach diesen Informationen offeriert Intel eine Entwicklungsplattform (Customer Reference Board, CRB) namens Dual Cove mit zwei Centerton-SoCs, also vier Cores und bis zu 16 GByte RAM.

Als großen Vorteil der Atoms gegenüber "alternativen Mikroarchitekturen" – der Name ARM kam Bryant nicht über die Lippen, obwohl Intel wohl selbst zu den größeren ARM-Lizenznehmern gehört, möglicherweise wegen der Netzwerkchips – führt Intel die Kompatibilität mit vorhandenem x86- beziehungsweise x64-Code an. Außerdem profitierten Intel-Kunden stärker von der "Economy of Scale" als wenn sie speziell entwickelte Sonderlösungen einsetzen würden. Das hatte Intel aber auch schon vor einem Jahr bei der Ankündigung der Microserver-Strategie erklärt.

Nach inoffiziellen Roadmap-Informationen plant Intel 2013 in der 22-nm-Atom-Generation Silvermont auch Quad-Core-Varianten sowie weitere Single-Chip-SoCs, die Southbridge-Funktionen integrieren. Mit dem Kauf der Firma SeaMicro und Plänen für künftig Sparprozessoren hat auch AMD die Microserver ins Visier genommen. (ciw)