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Intel muss Federn lassen

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Die so genannte Weihnachtskrise auf dem PC-Markt hat Intels Ergebnisse für das vierte Quartal 2000 nicht ungeschoren gelassen. Sowohl 8,7 Milliarden US-Dollar Umsatz als auch 2,6 Milliarden US-Dollar Gewinn (38 Cent per Aktie, ohne die Kosten für Akquisitionen) können sich aber immer noch gut sehen lassen; unter Einbeziehung der Firmenübernahmen lagen die Gewinne bei 32 Cents pro Aktie.

Der Gewinn aus dem operativen Geschäft sank gegenüber dem dritten Quartal um neun Prozent. Gegenüber dem Vorjahresquartal kann Intel immerhin noch einen Gewinnzuwachs von vier Prozent (unter Berücksichtigung der Akquisitionskosten) beziehungsweise von 10 Prozent (ohne Kosten für Firmenübernahmen) verzeichnen.

Die Erwartungen der Börsianer konnte Intel leicht übertreffen: Sie hatten 37 Cents pro Aktie (ohne Akquisitionskosten) prognostiziert. Dies allerdings, nachdem Intel Anfang Dezember angesichts der Flaute im PC-Geschäft bereits eine Umsatzwarnung ausgegeben hatte. Der weltgrößte Hersteller für Chips und Prozessoren schraubte seine Umsatzerwartungen damals zurück und erklärte, man rechne "angesichts der weltweiten Konjunkturabkühlung" und der davon betroffenen Nachfrage nach Personalcomputern für das vierte Quartal des laufenden Geschäftsjahrs mit einem niedrigeren Umsatz als bislang erwartet. Das verdüsterte natürlich die Prognosen der Analysten für Intels Geschäftsquartal.

Das Gesamtjahr 2000 verabschiedete sich für Intel mit einem Umsatz von 33,8 Milliarden US-Dollar (einem Plus von 15 Prozent) und einem doch recht erklecklichen Gewinn von 12,1 Milliarden US-Dollar, immerhin eine Steigerung um 48 Prozent. Insgesamt scheinen die Investoren dann doch recht zufrieden mit Intel zu sein: Im nachbörslichen Handel stieg die Intel-Aktie bei hohem Handelsvolumen um über 3 Prozent auf 32,38 US-Dollar.

"Verlangsamte ökonomische Bedingungen haben das vierte Quartal beeinflusst und kurzfristige Unsicherheit hervorgerufen", kommentierte Intel-Chef Craig Barrett. "Wenn wir nach vorne schauen, sind wir überzeugt von unserer Geschäftsstrategie und unserer Position im Wettbewerb." Barrett kündigte ferner an, die Investitionen noch zu verstärken und auch mehr für Forschung und Entwicklung auszugeben, insgesamt 4,3 Milliarden US-Dollar.

Das erscheint auch notwendig, denn die Aussichten für das erste Quartal des neuen Geschäftsjahrs sind laut Intel nicht besonders rosig: Im Vergleich zum vierten Quartal erwartet der Prozessor-Hersteller einen Umsatzrückgang von 15 Prozent; die Gewinnmarge soll von 63 auf 58 Prozent sinken. Dafür hat Intel genügend Prozessoren auf Halde und kann erstmals seit Jahren alle gewünschten Prozessoren ohne Engpässe ausliefern.

Der erwartete Umsatzrückgang im ersten Quartal sei zwar auch auf saisonale Effekte zurückzuführen – im ersten Quartal sei das PC-Geschäft immer eher schwach –, dazu kämen aber auch die Auswirkungen einer weltweit schwächelnden Ökonomie. Die Prognosen für das Gesamtjahr bezeichnete Intel noch als sehr unsicher.

Interessanterweise ging der Absatz von Chipsätzen und Motherboards im vierten gegenüber dem dritten Quartal zurück, während Prozessor- und Flash-Speicher-Absatz laut Intel neue Rekordmarken erreichten. Im Netzwerkbereich, den Intel in letzter Zeit sehr verstärkt, nicht zuletzt durch die eben erst angekündigte Übernahme von Xircom, sank der Absatz sowohl von Fast-Ethernet- und Gigabit-Ethernet-Komponenten als auch von Micro-Controllern und Computer-Telefonie-Produkten. Bei den Netzwerk-Switches konnte Intel das Volumen dagegen halten, bei Netzwerk- und I/O-Prozessoren sowie Embedded Pentium-CPUs steigern.

Vor allem den Pentium 4 wird Intel nach Meinung der Analysten im Jahr 2001 aggressiv vermarkten, zur Not auch mit Dumping-Preisen. Es soll der schnellste "Ramp" in Intels Prozessorgeschichte werden. Ursprünglich gingen die Strategen von Merryl Lynch von etwa angepeilten 15 Millionen Pentium-4-Verkäufen aus, nun schraubten sie die Erwartung auf 20 Millionen hoch. Allerdings verlangsamt sich ein wenig die Performance-Spirale. Mit dem Pentium 4, der mit 1,7 Gigahertz arbeitet, rechnet man jetzt frühestens im zweiten Quartal 2001 – und ob der 2-GHz-Prozessor noch in diesem Jahr erscheint, bleibt ziemlich fraglich.

Die im "Volume Market" wirkende Bremse durch den teuren Rambus-Speicher hofft Intel in der zweiten Jahreshälfte durch den Brookdale-Chipsatz zu lösen, der SDRAM (später auch DDR-SDRAM) unterstützt. Außerdem – so betonte General Manager Paul Otellini in der Bilanzkonferenz – seien die Rambus-Preise in letzter Zeit starkt gefallen. Er vergaß nur hinzuzufügen, dass auch die SDRAM-Preise stark zurückgegangen sind. (as/c't) / (jk)