Intel renoviert Mobil-Plattform Centrino

Intels Chipsatz Mobile 915 bringt PCI Express, FSB533, DDR2-Speicher, Serial-ATA und eine deutlich aufgemotzte integrierte Grafik in Notebooks.

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  • Jörg Wirtgen

Am heutigen Mittwoch stellt Intel einen neuen Chipsatz für das Notebook-Paket Centrino vor, der mit einiger Verspätung Techniken wie PCI Express, DDR2-Speicher und Serial-ATA in Mobilrechner bringt. Der unter dem Codenamen Alviso bekannte Chipsatz heißt Mobile 915 und ist ein Abkömmling des Pentium-4-Chipsatzes i915. Zum Centrino-Paket gehören die Ausführungen i915PM, i915GM und i915GMS, für preiswertere Notebooks mit Celeron M ist der i915GML vorgesehen. Als Southbridge dient die ICH6-M.

Beim i915PM läuft der Frontside-Bus (FSB) mit 133 statt 100 MHz in einem Quad-Pumped-Verfahren (FSB533 statt FSB400). Das Speicher-Interface unterstützt DDR2-400- und -533-Chips (PC2-3200, PC2-4300). Zum FSB533 passen besonders gut die PC2-4300-Module, weil beide auf die gleiche theoretische Geschwindigkeit von 4,3 GByte/s kommen. Die Versorgungsspannung der DDR2-Chips liegt bei 1,8 Volt, was im Vergleich zu PC2700-Modulen (2,5 V) und -- von Intel nie für den i855 spezifizierten -- PC3200-Modulen (2,6 V) etwas Akkustrom spart. Das Speicherinterface ist zweikanalig ausgeführt und erreicht mit zwei identischen Speichermodulen eine theoretische Transferleistung von 8,5 GByte/s. Aufgrund der FSB-Beschränkung nutzt das dem Prozessor wenig, lässt aber Luft für die Anbindung schneller Peripherie oder die Zugriffe eines Grafikchips ohne eigenen Speicher.

Pro Kanal spricht der i915PM zwei Speichermodule mit je maximal 1 GByte Kapazität an. Außer DDR2- unterstützt er auch DDR-Chips, verliert damit aber seinen Hauptvorteil gegenüber dem Vorgänger i855PM. Die meisten Notebooks werden wohl zwei Steckplätze für DDR2-SO-DIMMs haben, die aber unter Umständen am gleichen Speicherkanal hängen dürften. Passende PC2-4300-Module kosten derzeit etwa 50 Prozent mehr als PC2700-SO-DIMMs.

Die AGP-Schnittstelle entfällt, stattdessen nutzen Grafikchips PEG (PCI Express for Graphics). Das ermöglicht den Einsatz aktueller 3D-Chips: ATIs Radeon Mobility X800 und Nvidias GeForce 6800 Go versprechen mit zwölf DirectX-9-tauglichen Pixelshadern hohe 3D-Leistungen. Der ebenfalls heute vorgestellte ATI Mobility X600 arbeitet allerdings bei gleichem Takt genauso schnell wie der AGP-Chip Radeon Mobility 9700. Zusätzlich existieren Grafikchips ohne eigenen Speicher, die (wie Chipsätze mit integrierter Grafik) auf den Hauptspeicher zugreifen. ATI nennt das beim X300 Hypermemory und Nvidia beim GeForce 6200 Go TurboCache.

i915GM / GMS / GML

Die Chipsatz-Version i915GM mit integrierter Grafik profitiert besonders vom renovierten Speicherinterface, weil für die Speicherzugriffe des Grafikkerns praktisch ein ganzer Speicherkanal zur Verfügung steht. Wie schon bei Zweikanal-Chipsätzen für Desktop-PCs etwa Nvidias nForce2 oder Intels i865G, dürfte somit der Performance-Malus entfallen, den die integrierte Chipsatz-Grafik sonst verursacht -- sofern der i915GM im Zweikanalmodus läuft.

Auch hat Intel die eingebaute Grafik deutlich aufgemotzt: Der GMA900 getaufte Kern läuft mit maximal 320 MHz (bisher 250), hat vier Pixel Pipelines statt einer und unterstützt Pixel Shader 2.0 in Hardware. Die PEG-Schnittstelle für einen separaten Grafikchip fehlt, was für den Anwender aber keinen Nachteil bedeutet.

Der dritte Neuling i915GMS ist speziell auf Subnotebooks zugeschnitten. Er hat eine kleinere Grundfläche (27 statt 37,5 mm<+>2<+>) und weniger Funktionen: Der zweite Speicherkanal fehlt, der Grafikkern arbeitet mit maximal 160 MHz, der Frontside-Bus läuft nur mit FSB400.

Der i915GML unterstützt nur den FSB400 des Celeron M. Der Grafikkern läuft mit maximal 166 MHz, ein PEG-Port für separate Grafikchips fehlt. Die zwei DDR2/DDR-Speicherkanäle sind allerdings vorhanden.

Southbridge ICH-6M

Die Southbridge ICH-6M enthält eine Serial-ATA-Schnittstelle (SATA). Das bringt eine Erhöhung der theoretischen Transferrate sowie Detailverbesserungen wie NCQ, AHCI und Hot-Plugging. SATA-Festplatten für Notebooks lassen sich übrigens anders als bisherige 2,5-Zoll-Platten ohne Adapter an Desktop-PCs (mit SATA) betreiben.

PCI Express hält auch in die ICH6-M Einzug, zur Verfügung stehen vier Kanäle mit je 250 MByte/s Transfergeschwindigkeit für Onboard-Komponenten oder den neuen PCMCIA-Standard ExpressCard, der pro Karte einen Kanal (und einen USB-2.0-Anschluss) vorsieht.

Die Soundausgabe soll beim ICH6-M per High Definition Audio (HDA) geschehen. Die alten AC97- und MC97-Schnittstellen bleiben allerdings erhalten, sodass zumindest anfangs in den meisten Notebooks herkömmliche Codecs ohne neue Funktionen stecken dürften. Geblieben sind ebenfalls die maximal acht USB-2.0-Anschlüsse, die zwei IDE-Kanäle, der 10/100-MBit-fähige LAN-Port und der PCI-Bus, der weiterhin dem Anschluss von FireWire-Chips oder CardBus-Controllern für PC-Cards dient.

Pentium M mit FSB533

Die neuen Pentium-M-Versionen mit FSB533-Unterstützung nutzen den gleichen Dothan-Kern (90 nm, 2 MByte L2-Cache) wie die bisherigen Prozessoren. Sie sind mit 1,6 bis 2,13 GHz erhältlich und haben einen erhöhten Minimaltakt von 800 MHz. Die Leistungsaufnahme dürfte im Vergleich zu den FSB400-Versionen gleich bleiben. Dennoch gibt Intel die TDP (Thermal Design Power) der neuen Modelle mit 27 Watt an, was genügend Luft für schnellere Prozessoren lässt. Andererseits müssen die Notebooks nun 30 Prozent mehr Abwärme wegkühlen können, was kräftigere Kühlsysteme erfordert und zu potenziell lauteren Notebooks führt. Als weitere Neuerung baut Intel den NX-Speicherschutz ein.

Zusätzlich stellt Intel zwei Stromsparversionen des Pentium M vor, den Low-Voltage mit 1,5 GHz und einer TDP von 10 Watt sowie den Ultra-Low-Voltage mit 1,2 GHz und 5 Watt; passend zum i915GMS unterstützen sie nur FSB400. Im SpeedStep-Modus beträgt ihr Takt 600 MHz, der NX-Speicherschutz ist vorhanden.

Zum vollständigen neuen Centrino-Paket -- Codename Sonoma -- gehören außer FSB533-Dothan und Alviso auch ein WLAN-Modul. Doch hier fährt Intel nichts Neues auf, sondern bleibt beim schon länger erhältlichen Calexico (PRO/Wireless 2200BG, IEEE 802.11b/g mit 11 MBit/s beziehungsweise 54 MBit/s Bruttodatenrate bei 2,4 GHz) und Calexico 2 (2915ABG, 802.11b/g/a, 11 MBit/s beziehungsweise 54 MBit/s Bruttodatenrate bei 2,4 GHz, 54 MBit/s Bruttodatenrate im 5-GHz-Band). Zukünftige Entwicklungen wie WiMax haben noch keine Praxisbedeutung erlangt.

Erste Tests

Nach ersten Erfahrungen mit Prototypen erweist sich die Kombination aus DDR2-Speicher und FSB533 als sehr schnell. Besonders beim SPEC-Benchmark CINT2000 beeindruckt die 2,13-GHz-Version des Pentium M mit über 1600 Punkten und liegt damit auf dem Niveau der Desktop-Spitzenreiter Pentium 4 3,8 GHz und Athlon 64 4000+. Bei anderen Benchmarks ordnet sie sich allerdings etwas niedriger ein. Der Grafikkern im i915GM arbeitete rund doppelt so schnell wie der im i855GM und lag bei einigen Tests sogar auf dem Niveau eines Mobility Radeon 9000. Er profitierte deutlich vom zweiten Speicherkanal, während die i915PM-Geräte mit einem und zwei Modulen gleich schnell liefen.

Benchmark-Ergebnisse und Details zur neuen Centrino-Generation bringt c't in Ausgabe 3/05 (ab Montag, den 24. Januar, im Handel). (jow)