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Intel schließt Standorte in Nürnberg und Duisburg

Laut Angaben aus Unternehmenskreisen verlieren rund 450 deutsche Entwickler von Intel ihren Job, weil der Chip-Konzern zwei Standorte schließt.

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(Bild: Alexander Tolstykh/Shutterstock.com)

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Intel schließt seine Standorte in Nürnberg und Duisburg laut übereinstimmenden Angaben aus Unternehmenskreisen zum Jahresende. In Nürnberg seien rund 250 Angestellte betroffen, in Duisburg rund 200, hieß es am Donnerstag. Die Mitarbeiter seien bereits Ende November freigestellt worden. Ein Intel-Sprecher wollte sich zu dem Thema nicht äußern.

In Nürnberg und Duisburg entwickelte Intel Modem-Chips und Software für Smartphones. Im April gab der Konzern jedoch bekannt, sich aus diesem Geschäft zurückzuziehen. In der Folge verkaufte er die Abteilung samt Patenten und einem Teil der Mitarbeiter an Apple. Der iPhone-Hersteller übernahm dann unter anderem einen Münchner Intel-Standort, jedoch nicht die Niederlassungen in Duisburg und Nürnberg – und besiegelte damit deren Ende.

Die hochspezialisierten Entwickler der beiden Standorte hätten maßgeblich an Intels Patenten mitgearbeitet, hieß es in Unternehmenskreisen. Der Großteil von ihnen müsse sich nun als Quereinsteiger bei anderen Firmen bewerben. Apple habe zwar einer Reihe von ihnen angeboten, nach München zu wechseln, doch aufgrund der Entfernung hätten nur "Einzelne" das Angebot angenommen.

Ein Branchenkenner sagte, Apple habe die Standorte "verdichten" wollen. In Nürnberg habe der iPhone-Hersteller dann "Cherry-Picking" betrieben, also nur den wichtigsten Intel-Entwicklern einen Job angeboten. Das Aus für die Standorte sei bitter, da es sich letztlich um eine Folge des Patentstreits zwischen Apple und Qualcomm handele.

Intel wollte sich zu dem Vorgehen nicht äußern. Ein Sprecher hatte im Oktober jedoch erklärt, nur für rund 70 Prozent der Mitarbeiter der Mobilfunksparte gebe es eine klare Perspektive. Für den Rest suche man "Vermittlungsmöglichkeiten", sowohl intern als auch extern. Weitere deutsche Standorte seiner Mobilfunksparte machte Intel bereits 2015 dicht. Zuvor hatte der Bereich zu Infineon gehört. Apple ließ eine Anfrage von heise online bis zur Veröffentlichung unbeantwortet.

Das Intel-Aus bedeutet auch eine Zäsur in der langen Mobilfunkgeschichte der Stadt Nürnberg. Hier entstand zum Beispiel die Technik für das deutsche A-Netz. Später entwickelten hier auch Ericsson, Alcatel Lucent und Teleca Mobilfunktechnik, doch auch diese Standorte wurden inzwischen geschlossen oder beschäftigen sich mittlerweile mit anderen Produkten.

[Update 20.12., 08:55 Uhr] Intel bestätigte die Standortschließungen am Donnerstagabend. Ein Sprecher sagte gegenüber heise online:

"Intel hat seinen Mitarbeitern in Nürnberg und Duisburg nach Beratungen mit den Betriebsräten mitgeteilt, dass diese Standorte zum Jahresende geschlossen werden. Wir wissen, dass solche Situationen schwierig sein können, und wir bemühen uns, alle betroffenen Mitarbeiter mit Würde und Respekt zu behandeln. Wir haben betroffenen Mitarbeitern interne und externe Unterstützung bei der Stellenvermittlung und Abfindungen geboten."
(cwo)