Menü

Intel streicht massiv Arbeitsplätze: bis zu 12.000 Jobs betroffen

Intel will sich vom klassischen Computer-Ausrüster zum Mobil- und Cloud-Dienstleister wandeln. Das geht zu Lasten der Mitarbeiter – trotz Milliardengewinnen und hoher Profitmargen verlieren zahlreiche Angestellte ihre Jobs.

vorlesen Drucken Kommentare lesen 121 Beiträge

(Bild: dpa, Peter Kneffel)

Die Gerüchte haben sich bestätigt: Der weltgrößte Chiphersteller Intel hat einen massiven Jobabbau angekündigt. Bis Mitte 2017 will das Unternehmen weltweit 12.000 Stellen streichen, wie Intel am Dienstag nach US-Börsenschluss mitteilte. Das entspreche etwa elf Prozent der gesamten Mitarbeiterzahl.

Der Konzern begründet den Personal-Kahlschlag mit dem Wandel vom klassischen PC-Ausrüster zum modernen Dienstleister im mobilen und Cloud-Geschäft, bei dem Daten ins Internet ausgelagert werden. Zuletzt machten PC-Prozessoren noch über die Hälfte des Intel-Geschäfts aus, während die Verkäufe der Notebooks und Desktops seit Jahren sinken und allein im vergangenen Quartal laut Marktforschern erneut um etwa ein Zehntel einbrachen.

Intel hat vor allem das sogenannte Internet der Dinge im Visier – die Online-Vernetzung von Geräten oder Maschinen. Für diese vom Konzern als Wachstumsmotoren bezeichneten Geschäftsfelder werden offenbar viel weniger Mitarbeiter gebraucht. Die Mitarbeiterzahl von Intel war seit 2009 um rund ein Drittel gewachsen, auch durch Zukäufe wie McAfee oder Altera.

Wie CEO Brian Krzanich in einem Brief an die Mitarbeiter erklärte, zeigen die letzten Geschäftsergebnisse, dass die Transformation des Konzerns in die richtige Richtung gehe. Allerdings brächten die Veränderungen "schwierige Entscheidungen" mit sich. Es werde deshalb eine Restrukturierungs-Initiative gestartet, die auf freiwillige und unfreiwillige Kündigungen setze.

Die meisten vom Stellenabbau betroffenen Angestellten sollen innerhalb der nächsten 60 Tage informiert werden, kündigte Intel an. Zunächst werden die Kündigungen und Abfindungen ins Geld gehen – im zweiten Quartal rechnet der Konzern mit einem Sonderaufwand von etwa 1,2 Milliarden US-Dollar. Bis Mitte 2017 sollen die jährlichen Kosten durch das Sparprogramm aber um auf das Jahr hochgerechnete 1,4 Milliarden Dollar (1,2 Mrd Euro) sinken.

Dabei machte Intel zuletzt dicken Gewinn: Im ersten Quartal stieg der Überschuss verglichen mit dem Vorjahr von 1,99 auf 2,05 Milliarden Dollar (1,80 Mrd Euro). Der Umsatz kletterte um sieben Prozent auf 13,7 Milliarden Dollar. Die Profitmarge lag bei fast 60 Prozent. Die Erlöse lagen damit allerdings unter den Markterwartungen. Zudem enttäuschte Intel die Anleger mit einer Umsatzprognose von 13,5 Milliarden Dollar (plus oder minus 500 Millionen) für das zweite Quartal.

In der Sparte mit PC-Chips konnte Intel den Umsatz um 1,7 Prozent auf 7,5 Milliarden Dollar steigern, weil die Hersteller neue teurere Prozessoren einbauten. Der operative Gewinn der Sparte rückte von 1,4 auf knapp 1,9 Milliarden Dollar vor. Doch es ist bereits klar, dass der PC-Markt seinen Höhepunkt längst überschritten hat. Und Intel war es trotz jahrelanger Versuche nicht gelungen, größer ins boomende Geschäft mit Chips für Smartphones zu kommen. Dieser Markt wird von der Technik des britischen Chipentwicklers ARM beherrscht. Intel hörte irgendwann auf, Zahlen zum Mobil-Geschäft zu veröffentlichen, und ließ es in der PC-Sparte aufgehen.

Mit dem wachsenden Datenverkehr haben sich dagegen Prozessoren für Rechenzentren als Stütze für das Intel-Geschäft erwiesen. Im vergangenen Quartal fuhr die Sparte bei einem Umsatz von knapp vier Milliarden Dollar einen Gewinn von fast 1,8 Milliarden Dollar ein. Das Internet der Dinge leistet noch einen deutlich geringeren Beitrag zum Intel-Geschäft mit 651 Millionen Dollar Umsatz und einem operativen Ergebnis von 123 Millionen Dollar.

Die nach der Mitteilung zu den Jobkürzungen kurzzeitig vom Handel ausgesetzte Aktie fiel nachbörslich zunächst um drei Prozent. Intel gab darüber hinaus bekannt, dass der seit 28 Jahren für den Konzern tätige Finanzvorstand Stacy Smith innerhalb des Unternehmens auf einen neuen Posten wechseln werde. Er solle sich um die Bereiche Verkauf, Fertigung und Betrieb kümmern, sobald ein Nachfolger feststehe. (mit Material der dpa) / (kbe)