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Intel verordnet sich umfassendes Restrukturierungsprogramm

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Intel-Chef Paul Otellini, Finanzchef Andy Bryant und Vertriebschef Anand Chandrasekher erläuterten heute anlässlich des Frühjahrs-Analystentreffens, wie sie gegen sinkende Profite und Marktanteile vorgehen wollen.

Getreu der selbst gewählten Devise "Leap ahead" versprach Otellini, die drei angekündigten Prozessormodelle mit neuer Core-Mikroarchitektur früher einzuführen: Den Anfang soll der Woodcrest für kleine Server noch im Juni machen, im Juli ist der Conroe für Desktop-Rechner geplant und schon im August (also nur acht Monate nach Yonah) soll nun der Merom für Notebooks kommen.

Doch nicht nur die neuen, im Vergleich zu ihren seit 2000 mit NetBurst-Kernen bestückten Vorgängern wahrscheinlich deutlich attraktiveren Prozessoren alleine sollen den absackenden Marktanteil des Chip-Weltmarktführers wieder in die Höhe treiben. Auch die im Notebook-Bereich mit Centrino erfolgreiche Plattformen-Strategie – Viiv für Wohnzimmer-Rechner, vPro für Business-PCs, Codename Bensley für Xeon-Server – soll dabei helfen. Otellini will in den zwölf Monaten nach Einführung von Viiv und vPro jeweils mehr als eine Milliarde US-Dollar Umsatz erzielen. Die Marktanteile sollen ab dem dritten Quartal 2006 wieder wachsen, was klar zu Lasten von AMD gehen würde. Dort hat man Spekulationen zufolge bereits Gegenmaßnahmen in Angriff genommen. Auf längere Sicht setzt Otellini auch auf weniger entwickelte Märkte, die ein hohes Stückzahlenpotenzial bergen.

Größere Marktanteile mit hochwertigen Produkten sollen die Einnahmenseite der Firma Intel verbessern; Otellini schaut jedoch auch auf die Kosten und kündigte Restrukturierungsmaßnahmen in allen Unternehmensbereichen an. Innerhalb von 90 Tagen sollen sämtliche Aktivitäten evaluiert werden. Entlassungen erwähnte Otellini nicht, aber es sollen unprofitable Bereiche identifiziert werden und allgemein die Kosten sinken. 2006 will das Unternehmen eine Milliarde US-Dollar einsparen und 300 Millionen weniger investieren.

Otellini und Chandrasekher benannten auch einige Gründe, die den x86-Prozessor-Marktanteil im Desktop-PC- und Server-Bereich gedrückt haben, während sich das Notebook-Segment sehr viel besser entwickelte als ursprünglich geplant. Im Jahr 2005 hatte Intel demnach wiederholt mit Lieferengpässen bei Prozessoren, Chipsätzen und Mainboards zu kämpfen. Im ersten Quartal 2006 hätten sich dann aber wiederum sehr hohe Lagerbestände bei großen Kunden angehäuft, die ihrerseits die Nachfrage nach neuen Produkten dämpften. Für die Schlappe im Server-Bereich – also vor allem bei den Xeons – macht Chandrasekher euphemistisch eine "nicht adäquate Roadmap" verantwortlich, also im Klartext: die Opterons sind für viele Anwendungen das attraktivere Produkt. Das soll sich nun mit dem Woodcrest ändern, allerdings ist die "Bensley"-Plattform, die ursprünglich bereits im ersten Quartal 2006 mit den Dempsey-Xeons im LGA771-Gehäuse und dem Blackford-Chipsatz (und Fully-Buffered-DIMMs) starten sollte, noch gar nicht erschienen. (ciw)