Intel verrät mehr Thunderbolt-Details

Von Apple gibt es nun schon gut ein Jahr Notebooks und All-in-One-PCs mit Thunderbolt-Schnittstelle. Anlässlich der Frühjahrsausgabe der hauseigenen Entwicklerkonferenz hat Intel mehr technische Daten der Thunderbolt-Chips verraten.

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Von
  • Christof Windeck

Daten der neuen TBT-Controller

(Bild: Intel)

Mittlerweile liefert Apple zwar schon seit gut einem Jahr Notebooks und All-in-One-PCs mit Thunderbolt-Buchsen aus, doch noch immer stellen die Thunderbolt-Kooperationspartner Apple und Intel keine öffentliche Dokumentation oder Spezifikation der Schnittstelle bereit. Weil Intel aber Thunderbolt trotzdem zu mehr Verbreitung verhelfen will, wurden nun auf dem IDF Beijing 2012 ein paar weitere technische Details veröffentlicht.

Insbesondere verrät Intel nun erstmals offiziell einige Eigenschaften der neuen Thunderbolt-Controller DSL3510 (Cactus Ridge 4C), DSL3310 (Cactus Ridge 2C) und DSL2210 (Port Ridge), die vor allem sparsamer, aber auch kompakter sind als die Vorgänger DSL2310 (Eagle Ridge SFF) und CV825424EF (Light Ridge). Der DSL2210 ist für einfache Thunderbolt-Endgeräte gedacht, misst bloß 6 mm mal 5 mm Kantenlänge und kommt mit 0,7 Watt Thermal Design Power (TDP) aus.

Blockschaltbild: Anbindung einer Thunderbolt-Buchse

(Bild: Intel)

Der DSL3510 hingegen frisst bei voller Auslastung bis zu 2,8 beziehungsweise 3,4 Watt, bindet aber auch insgesamt vier Thunderbolt-(TBT-)Lanes an und kann sowohl zwei DisplayPort-Signale entgegennehmen oder eines ausgeben. Mit diesen Eigenschaften taugt er als TBT-Controller für Mainboards mit zwei TBT-Buchsen oder auch als Controller eines Daisy-Chain-tauglichen TBT-Gerätes, an das man also weitere TBT-Geräte anschließen kann.

Unterschiedliche Thunderbolt-Anbindungen

(Bild: Intel)

Intel zeigt auch die Pinbelegung einer TBT-Buchse am Beispiel des DSL3310, wobei ein externer Schaltbaustein, bezeichnet als "DP switch", den Ausgang des Grafikprozessors direkt auf die DP-Kontakte der TBT-Buchse schalten kann. Interessant ist auch der Vergleich der PC- oder Notebook-seitigen Thunderbolt-Anbindung mit DSL3510 oder DSL3310. Pro TBT-Buchse empfiehlt Intel zwei PCIe-2.0-Lanes, obwohl die zusammen mit 10 GBit/s brutto, also wegen der 8-Bit-10-Bit-Codierung nur 8 GBit/s netto weniger Datentransferrate liefern als eine TBT-Lane, die es bei optimaler Datenblockgröße auf 10 GBit/s bringt: TBT läuft mit 10,3125 GBit/s brutto und einer 66/64-Bit-Codierung.

Intels Referenzdesign mit DSL3510 zeigt auch, dass sich die jeweiligen DisplayPorts einer integrierten GPU und einer gesteckten Grafikkarte mit einem einzigen TBT-Controller verbinden lassen. In den Präsentationsfolien stellt Intel auch klar, dass Host-seitig an einer mit dem Thunderbolt-Logo versehenen Buchse zwingend auch DisplayPort-Signale anliegen müssen, man also TBT nicht als reine PCI-Express-Verbindung implementieren darf – jedenfalls darf es dann nicht Thunderbolt heißen.

Abermals verspricht Intel, dass "später" auch optische Kabel erscheinen sollen. Diese sind nun seit mehr als einem Jahr versprochen und der Chiphersteller Ensphere hat nach eigenen Angaben schon 2011 mehr als eine halbe Million Bauelemente für solche Kabel ausgeliefert. Wer die optischen Thunderbolt-Kabel hortet, ist aber weiterhin unbekannt.

Erlaubt Intel Thunderbolt nur auf den teuersten LGA1155-Boards?

(Bild: Intel)

Im "Product Brief" zu den nagelneuen Chipsätzen Z75 und Z77 deutet Intel auch an, dass nur Mainboards mit einem dieser beiden Chipsätze Thunderbolt-Controller besitzen dürfen, die zudem direkt am Prozessor angebunden sein sollen – dann bleiben allerdings nur acht PCIe-3.0-Lanes für eine Grafikkarte übrig. Das ist zwar für die aktuelle GPU-Generation kein Nachteil, weil eine schnellere Anbindung nun in seltenen Ausnahmefällen Vorteile bringt, erscheint aber unnötig, weil man den TBT-Controller ja auch über vier PCIe-2.0-Lanes am Chipsatz-Baustein anbinden könnte.

Was Intel damit bezweckt, ist bislang rätselhaft – eine möglichst rasche Verbreitung von Thunderbolt scheint das eher zu verhindern. Dafür wären vor allem Steckkarten zum Nachrüsten vorteilhaft, über die sich TBT-Peripherie etwa auch an Desktop-Rechner mit AMD-Prozessoren anschließen ließe. Solange nur vergleichsweise wenige und eher teure Computer über Thunderbolt-Buchsen verfügen, bleibt das Marktpotenzial für Thunderbolt-Peripheriegeräte beschränkt. Dadurch sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass starke Konkurrenz unter vielen Anbietern für raschen Preisverfall sorgt. Weil die Strategie, die Intel in Bezug auf Thunderbolt verfolgt, zurzeit nicht eindeutig erscheint, dürfte der Kreis der Thunderbolt-Gerätehersteller aber in nächster Zukunft nicht nennenswert wachsen. (ciw)