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Intel zeigt Tablet mit 64-Bit-Android und Bay-Trail-Prozessor

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Intels Mobile-Cher Hermann Eul in einem Interview mit TechStage auf der Computex im Juni

(Bild: TechStage )

Viel verriet Intels Mobile-Chef Hermann Eul nicht, als er am gestrigen Donnerstag auf einem Investor-Treffen das Bay-Trail-Tablet mit einem 64-Bit-Android zeigte: Es sei das erste Mal, dass ein 64-Bit-Android auf Bay Trail gezeigt wurde, berichtete der Newsdienst CNet. Und es war auch das erste Mal, dass überhaupt ein Android mit 64 Bit zu sehen war – bisher gab es nur Gerüchte, dass Samsung bald einen 64-Bit-fähigen Exynos bringen werde. Das einzige 64-Bit-Mobilsystem stammt derzeit von Apple: Das iPhone 5s, das iPad Air und das iPad mini Retina laufen mit dem Apple A7 unter 64-Bit-iOS.

Eine wichtige Eigenschaft fehlt aber sowohl den Intel-Prozessoren wie auch den Apple-Geräten: Sie sprechen nicht mehr als 4 GByte Speicher an - dies wäre aber einer der Hauptvorteile von 64-Bit-Architekturen. Die im September vorgestellten Varianten von Intels Bay Trail steuern bestenfalls 4 GByte an, und zwar der Z3770 und Z3740. Die Speichercontroller der anderen Varianten sind sogar nur auf 2 GByte ausgelegt. Der Kern selbst kann dabei durchaus mehr, beispielsweise gibt es Desktop-Bay-Trails für 8 GByte, sodass Intel wohl bei Bedarf eine 8-GByte-Version für Tablets nachliefern könnte. Aktuelle Highend-Tablets kommen übrigens mit 3 GByte Hauptspeicher. Die Apple-Mobilgeräte haben derzeit maximal 1 GByte Hauptspeicher; ob der A7-Prozessor auf 2 oder 4 GByte beschränkt ist, ist unbekannt.

Durch den Umstieg von 32 auf 64 Bit werden Prozessoren nicht prinzipiell schneller. Ein kleiner Vorteil ergibt sich, wenn Speicherblöcke von mehr als 4 GByte linear adressiert werden müssen – was bei aktuellen Smartphones und Tablets jedoch nicht passiert. Oftmals wirkt sich der verdoppelte Speicherbedarf für Pointer sogar negativ aus, Programme werden also langsamer und brauchen mehr Heap- und Stackspeicher.

IBMs WebSphere-Server läuft unter 64-Bit-Java etwas langsamer als unter 32 Bit.

(Bild: IBM )

Für Android selbst gibt es noch keine Untersuchungen, aber für andere Java-Umgebungen. Demnach brauchen 64-Bit-Programme unter Java 50 Prozent mehr Heap und laufen um 10 Prozent langsamer als mit 32 Bit. Performance-Vorteile haben sich nur bei Datenbanken ergeben, die dann in den auf über 2 oder 4 GByte (je nach Architektur) gewachsenen Hauptspeicher passten.

Es gibt allerdings einen weiteren Vorteil der 64-Bit-Prozessoren, nämlich ihre verbesserte Architektur. Sie haben oftmals mehr Register, optimierte Pipelines und ähnliche Verbesserungen. Tatsächlich haben wir bei unserem Coremark-Benchmark auf den iOS-Geräten alleine durch die Rekompilierung mit 64 Bit einen Geschwindigkeitszuwachs von 15 Prozent messen können. Ähnliche Effekte gab es auch bei Einführung der ersten 64-Bit-Prozessoren mit x86-Architektur von AMD.

Und könnte Android möglicherweise sogar stärker als iOS profitieren: Während unter iOS (und auch Windows, Mac und Linux) alle Programme für 64 Bit neu kompiliert werden müssen, ist das unter Android nicht der Fall. Android-Anwendungen landen im Dalvik-Maschinencode auf den Geräten. Das ist ein abstrakter Code, der sich möglicherweise durch Googles mit Android 4.4 eingeführtem ART-Compiler besser an die Eigenschaften des Prozessors anpassen lässt.

Ob das wiederum gerade mit den Registern klappt, ist allerdings fraglich: Der Dalvik-Opcode sieht für die meisten Befehle kurze Varianten mit 4 Bit zur Registeradressierung vor, mithin sind nur 16 Register nutzbar; laut Google typisch für die meisten Apps. Dann wären also beispielsweise die 31 Register der 64-Bit-ARM-Architektur AArch64, die in den Cortex-A57 und -A53 Kernen mit ARMv8 kommen, nicht ohne Neukompilierung nutzbar. Immerhin kennt Dalvik Varianten der Befehle zur Adressierung von 256 Registern. (jow)