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Intelligente Stromzähler: Pflicht zum Smart-Meter-Einbau soll Anfang 2020 greifen

Das BSI hat das dritte Smart-Meter-Gateway zertifiziert. Es muss nun noch in einer Marktanalyse feststellen, dass die breite Einführung der Technik möglich ist.

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(Bild: Krisana Antharith/Shutterstock.com)

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Nach einem jahrelangen Vorlauf wird es bald endgültig ernst mit den gesetzlichen Pflichten zum Einbau intelligenter Stromzähler. Eine der wichtigsten Voraussetzungen für deren Greifen ist, dass das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) zunächst Smart-Meter-Gateways von drei unterschiedlichen Herstellern überprüft und für gut befunden hat. Diese Auflage ist seit Donnerstag erfüllt, nachdem die Behörde das dritte einschlägige Zertifikat an die Firma EMH Metering übergeben hat.

Zuvor hatten die Unternehmen Power Plus Communications und OpenLimit SignCubes gemeinsam Ende 2018 sowie Sagemcom Dr. Neuhaus im September erfolgreich das aufwändige Zertifizierungsverfahren durchlaufen. Dabei evaluierte das BSI neben den Sicherheitsvorgaben in den Geräten selbst auch die Herstellungs- und Entwicklungsprozesse der Produzenten sowie die Auslieferungswege der Systeme. Sieben weitere Gateways befinden sich aktuell noch in der Zertifizierung.

Im Herbst hatte das BSI zudem auch drei dazugehörige Sicherheitsmodule der Unternehmen NXP/T-Systems, STMicroelectronics und Gemalto offiziell gebilligt. Ferner hatte die Behörde bis dahin bei 38 Unternehmen festgestellt, dass sie die Vorgaben für den sicheren Betrieb von Gateways umgesetzt haben, sowie 10 Zertifizierungsdienstleister für die einschlägige Public-Key-Infrastruktur (PKI) registriert.

BSI-Präsident Arne Schönbohm sprach angesichts der nun erfolgten Vergabe von einem erreichten "Meilenstein der Energiewende" sowie einem "wichtigen Schritt hin zu einer erfolgreichen Digitalisierung der Energieversorgung in Deutschland". Gleichzeitig hätten die Prüfer gezeigt, "dass innovative Technik und Informationssicherheit dabei Hand in Hand gehen" und die Privatsphäre der Verbraucher geschützt sei.

Für die breite Einführung der Technik gemäß der Vorgaben aus dem Messstellenbetriebsgesetz fehlt nun nur noch eine erneute Marktanalyse des BSI, in der diese die technische Möglichkeit eines flächendeckenden Betriebs intelligenter Stromzähler erklären muss. Dieser abschließende Schritt soll laut der Behörde etwas verzögert "Anfang nächsten Jahres" erfolgen. In der sogenannten Markterklärung sollen "die besonderen Anforderungen unterschiedlicher Einsatzbereiche" mit den technischen Gegebenheiten abgeglichen werden.

Ende Januar hatte das BSI bereits in der Vorjahresanalyse konstatiert, dass die für den verschlüsselten Einsatz intelligenter Messsysteme nötige Infrastruktur ausnahmslos verfügbar sei. Seitdem war der freiwillige Einbau von zertifizierten Geräten prinzipiell möglich. Die kommende Pflicht besteht für Haushalte mit einem Jahresstromverbrauch von über 6000 kWh, was durchschnittlich mit fünf oder mehr Personen erreicht sein dürfte.

Smart Meter werden auch vorgeschrieben, wenn Solaranlagen mit einer Leistung von sieben bis 100 Kilowatt installierter Leistung Strom erzeugen oder Verbraucher ein verringertes Netzentgelt für eine Wärmepumpe oder eine Nachtspeicherheizung zahlen beziehungsweise über eigene Ladepunkte für Elektromobile verfügen. Für Haushalte mit einem Jahresverbrauch unter der festgelegten Grenze kann der Einbau trotzdem obligatorisch werden, wenn der Messstellenbetreiber oder der Vermieter Nägel mit Köpfen machen.

Der Bundesverband der Verbraucherzentralen (vzbv) befürchtet, "dass Verbraucher auf Zusatzkosten sitzen bleiben". Theoretisch seien Smart Meter zwar eine gute Sache, da sie "die Energiewende voranbringen sollen", heißt es dort. Die Netz- und Messstellenbetreiber müssten aber auch variable Tarife anbieten und eingesparte Kosten vollständig weitergeben. Smart Meter der ersten Generation seien zudem technisch nicht in der Lage, Photovoltaikanlagen und Ladestationen für E-Fahrzeuge je nach Netzauslastung selbstständig zu steuern. Dafür seien weitere Geräte erforderlich.

Laut einer im Auftrag des vzbv vom Hopp-Marktforschungsinstitut durchgeführten repräsentativen Umfrage sind 69 Prozent der Verbraucher der Meinung, dass intelligente Stromzähler nur eingebaut werden sollten, wenn die Kosteneinsparung durch weniger Energieverbrauch etwa die Einbau- und Betriebsgebühren übersteigt.

Die Grünen im Bundestag wollen derweil Konsumenten mehr Souveränität bei Strombezug und -verbrauch einräumen. In einem neu eingebrachten Antrag fordert die Fraktion eine Garantie, dass Haushaltskunden von der Smart-Meter-Einführung "in der Regel finanziell profitieren". Die Chancen der Digitalisierung für die Energiewende müssten endlich besser genutzt, Anwendungsmöglichkeiten der Gateways erweitert werden. Die Piraten rufen dagegen schon seit Längerem zum Widerstand gegen die Zwangsbeglückung der privaten Verbraucher mit "Spionagezählern" auf.

(jk)