Intels langer Weg zurück in den Mobilmarkt

Das Geschäft mit Mobilfunk-Chips bricht Intel weg. Für den Weg zurück zum Erfolg ist langer Atem gefragt, mindestens bis 2016.

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Von
  • Daniel AJ Sokolov

Drei Dinge fallen an Intels Finanzzahlen des ersten Quartals 2014 auf: Am PC-Markt gibt es Aussicht auf ein Ende der Talfahrt, beim selbst definierten "Internet der Dinge" läuft es gut für Intel – aber bei Mobilfunk-Chips sieht es dafür düster aus. Der Spartenumsatz ist im Jahresabstand um 61 Prozent eingebrochen. Das Management hat eine Strategie entwickelt, bei der Geduld gefragt ist.

Intel will in mehr Handys "inside" sein. Gegenwärtig ist das selten der Fall.

(Bild: Intel)

Intels Geschäft mit Baseband-Prozessoren und Mobilfunk-Modems geht auf die Übernahme der Handysparte Infineons zurück. Die Abteilung hat viel Erfahrung mit "Featurephones", der aussterbenden Produktklasse unterhalb richtiger Smartphones. Featurephones werden immer weniger nachgefragt. Bei Smartphones mit LTE hinkt Intel indes hinterdrein. Intels LTE-Modem XMM7160 und dessen bald verfügbarer Nachfolger XMM7260 reißen niemanden vom Hocker, wenn Qualcomm mit der riesigen Snapdragon-Produktpalette Systems-on-Chip (SoCs) mit integrierten LTE-(4G-)Funktionen auffährt.

Hinzu kommt, dass Intel XMM7160 und XMM7260 nicht selbst fertigt, sondern TSMC damit beauftragt. Die Taiwaner verdienen daran mit. Intels Mobilsparte hat im ersten Quartal rund elf Millionen US-Dollar in den Sand gesetzt – pro Tag.

Zwar hat Intel mit "SoFIA" auch einen Atom mit eingebautem Modem in der Pipeline, aber auch das wird von TSMC gebaut werden und zunächst bloß per UMTS (3G) funken. "Das bedeutet, dass Sie mögliche Vorteile der eigenen Herstellungsverfahren verlieren", meinte Stacy Rasgon von der Finanzanalysefirma Sanford C. Bernstein in einer Telefonkonferenz mit Intel-CEO Brian Krzanich Dienstagabend, "Und wie es aussieht liegen Sie weit hinter dem, was die Marktführer [an LTE-Chips] ausliefern."

Ende des Jahres soll es SoFIA mit 3G geben, was dann bloß noch für Einsteiger-Smartphones taugen wird. Entsprechend billig wird Intel die Chips verkaufen müssen – das dürfte die Margen nicht verbessern. Intel hat SoFIA überhaupt erst Ende 2013 auf die Roadmap gesetzt. Krzanich konnte dem trotzdem noch einen positiven Spin geben: "Das zeigt, dass wir schnell agieren, integrieren und diese Produkte in die Produktion bringen."

Auch bei Tablets versucht Intel erst einmal einen Fuß in die Tür zu bekommen. "Was wir machen, ist Bay Trail zu nehmen, was ein eigentlich für den PC-Markt entwickeltes Produkt ist", erklärte Intels Finanzchef Stacy Smith, "Und wir haben entschieden, dass wir es dieses Jahr breit in unterschiedliche Segmente des Tabletmarktes bringen."

Das Problem mit diesem Atom-SoC: Es verursacht bei den Tablet-Herstellern hohe Materialkosten, eben weil es für PCs gedacht war. "Es ist das Power-Management-Subsystem, das Mainboard auf das es draufkommt, die Speicherlösung, solche Dinge", erläutert Smith, "Also stellen wir 2014 Gegenumsatz (Contra Revenue) bereit, um den Unterschied in den Materialkosten wettzumachen." Mit anderen Worten: Intel zahlt Geld, damit jemand den bleifüßigen Bay Trail in seinen Tablets einsetzt.

Derweil arbeiten die Ingenieure, deren Zahl Intel übrigens zu reduzieren plant, daran, die Materialkosten zu senken. Dann könnten auch die Subventionen gekürzt werden. "In Dollar pro Stück werden sie im Laufe des Jahres ziemlich deutlich sinken. Und sie sollten 2015, wenn überhaupt, vergleichsweise gering ausfallen", hofft Smith.

Intel hat aber schon noch andere Verkaufsargumente. "Bedenken Sie, dass Intel zwei Assets hat: Wir haben unsere Chip-Technologie, wir haben aber auch unsere Architektur. [Ein OEM kann mit Intel] in jedes Betriebssystem gehen und eine einzelne Plattform bauen und das dann mit ChromeOS, Android oder Windows einsetzen", warb Krzanich, "Und das ist eine sehr einzigartige Fähigkeit zur Flexibilität, die wir den OEM geben können."

Damit soll auch SoFIA punkten. Krzanich glaubt, damit nächstes Jahr Geld verdienen zu können, obwohl TSMC es herstellt. "Es wird vielleicht nicht so viel Umsatz oder Marge werden wie im PC-Geschäft, aber wir glauben, dass es trotzdem wichtig ist", so der Intel-Chef. "Ein Teil davon sind einfach Vorteile durch Menge. Man will diese Stückzahlen. Man will eine Präsenz in allen Bereichen des Computing. Und der zweite Grund ist die Aufmerksamkeit der Entwickler."

Intel-CEO Krzanich hat eine Stratgie erarbeitet, die den Weg zum Geschäft mit Handy-Herstellern weisen soll.

(Bild: Intel)

Seine Ratio: Wenn die Endgeräte-Entwickler einmal auf Intel-Kurs eingeschwenkt sind und Vertrauen fassen, werden sie bei der Stange bleiben. Denn der Umstieg zu anderen Anbietern wäre riskant und aufwändig.

Aus diesem Sichtwinkel haben die Kick-Back-Zahlungen an Tablet-Hersteller und die (absehbare) Durststrecke mit den gegenwärtigen LTE-Chips sowie SoFIA einen Sinn. Zumal Intel gerade damit begonnen hat, Chips in 14-Nanometer-Strukturbreite zu bauen. Damit lassen sich kleinere, effizientere Chips bauen. Zum Vergleich: TSMC fertigt gegenwärtig in 28 nm und bereitet sich auf 20 beziehungsweise 16 nm vor.

Intels nächstes Ziel ist Broxton, ein 14-nm-SoC mit integriertem LTE-Modem, das Intel selbst baut. In Broxton finden sich die Tablet- und die Handy-Welt zusammen.

Der Weg dorthin ist länger, als Intel zunächst angenommen hat. Aus dem ursprünglich angekündigten Liefertermin 2015 für Broxton wurde Dienstagabend ein "Ende 2015, vielleicht Anfang 2016." Sollte Intels Strategie aufgehen, wird es dann schon ausreichend Tablet- und Handy-Hersteller geben, die mit der Intel-Welt vertraut sind und passende Designs griffbereit haben.

Dann soll der 14-nm-Broxton, Made by Intel, die Qualcomm-Chips aus TSMCs 16-nm-Fabs herausfordern. Und wenn alles so läuft, wie es die Intel-Manager geplant haben, könnten dann, 2016, die Profite sprudeln. Da heißt es jetzt tief Luft zu holen. (ds)