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Interactive Advertising Bureau sagt Adblockern den Kampf an

Mit markigen Worten kritisiert das Interactive Advertising Bureau (IAB) Adblocker und bietet Mitgliedern Handreichungen zur Blockade der Blocker. Adblock Plus-Hersteller Eyeo verspricht unterdessen mehr unabhängige Kontrolle.

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Stop Schild

(Bild: c't / heise online)

"Adblocking ist wie Straßenraub – so einfach ist es" heißt es in einem Positionspapier des Interactive Advertising Bureau (IAB), der Branchenorganisation der Werbeindustrie. Firmen wie Eyeo gäben nur vor, sich für die Nutzer einzusetzen, nutzten stattdessen ihre User-Basis, um Firmen zu erpressen. Um der Entwicklung zu begegnen, arbeitet der Verband nun an einer Technik, Werbeblocker zuverlässiger zu erkennen und zu umgehen.

Damit schlägt der internationale Verband ähnlich aggressive Töne an wie deutsche Branchenvertreter, die jedoch mit dieser Argumentation derzeit juristischen Schiffbruch erleiden. IAB-Präsident Randall Rothenberg spricht sich dennoch dafür aus, die Hersteller von Adblockern aus dem Geschäft zu klagen.

Gleichzeitig gibt Rothenberg der eigenen Branche eine Mitschuld am Aufstieg der Werbeblocker: "Wir behandeln unser wertvollstes Kapital falsch: den Kunden." So bemühe sich jeder darum, möglich viele Daten aus Internetangeboten herauszuschlagen. Doch die endlose Folge von Werbepixeln und Scripten verlangsame das Laden von Webseiten mittlerweile signifikant.

"Die Industrie muss darin besser werden mit Daten umzugehen – und weniger Daten zu verwenden", schreibt der IAB-Präsident. Auch die Werbeformen seien Schuld: Blinkende und aufdringliche Werbung entspreche mehr der Kreativität von Grundschulkindern. "So etwas ist einer Branche nicht würdig, die nach kultureller Signifikanz strebt", fügt Rothenberg hinzu.

Das IAB schlägt in seinen Anti-Adblock-Ratgeber deshalb auch vor, neue Richtlinien für bessere und weniger sperrige Werbung zu entwickeln. In die Kritik stimmt auch Google ein: Auf der Advertising Week in New York beklagte der für Googles Werbegeschäft zuständige Manager Sridhar Ramaswamy, dass zu viele Seiten den Nutzer mit Werbung überfrachteten: "Wir müssen als Industrie zu einer Einigung kommen, welche Werbung akzeptabel ist". Gleichzeitig sieht er in Adblockern keine Lösung: "Sie schütten das Kind mit dem Bade aus und machen die Monetarisierung unmöglich", erklärte Ramaswamy.

Damit schlägt die Werbeindustrie ähnliche Töne an wie Adblock-Plus-Hersteller Eyeo, der mit seiner Acceptable Ads-Initiative erklärtermaßen "nicht-nervende Werbung" fördern will und daran gut verdient. So gehört auch Google zu den Kunden der Firma und lässt seine textbasierten Anzeigen von Eyeo freischalten. Die Kölner Firma reagierte nun auf die Kritik an der Zusammenstellung der Whitelist und versprach ein neues externes Gremium zu schaffen, das die Kriterien für die Werbung festlegen soll, die Adblock Plus passieren darf.

Weitere Details verrät Eyeo allerdings nicht. Dass sich Verbände der Werbeindustrie beteiligen wollen, scheint angesichts des rhetorischen Sperrfeuers derzeit unwahrscheinlich. Schon in der Vergangenheit scheiterte Eyeo daran, eine Community aufzubauen, die festlegen sollte, welche Werbeformen akzeptabel sind. In dem dazugehörigen Forum finden sich fast nur Postings von Eyeo-Mitarbeitern.

Unterdessen hat sich die Kölner Firma einen eigenen Adblocker für den iOS-Browser Safari veröffentlicht. Bereits in den vergangenen Wochen waren mehrere andere iOS-Adblocker an die Spitze der iTunes-Charts vorgedrungen und hatten in der Werbeindustrie für panische Reaktionen gesorgt. Eyeo arbeitet derzeit daran, so viele Werbeblocker wie möglich für eine Übernahme seiner Whitelist zu gewinnen.

Siehe dazu in c't 22/15:

(anw)

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