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International Linear Collider: Japan aussichtsreichster Standort

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Der seit 2004 geplante International Linear Collider (ILC) soll aus einer 31 Kilometer langen supraleitenden Strecke bestehen, auf der Teilchen auf eine Schwerpunktsenergie von 500 Gigaelektronenvolt (GeV) beschleunigt werden, um sie kollidieren zu lassen. Die Messdaten aus diesen Kollisionen dürften deutlich präziser sein als die des Genfer Large Hadron Collider (LHC), weil statt Protonen (die aus zwei Up-Quarks und einem Down-Quark bestehen) Leptonen verwendet werden, die (ebenso wie Quarks) Elementarteilchen sind. Dadurch hoffen Physiker auf der ganzen Welt, nicht nur mehr über die Eigenschaften bekannter Teilchen herauszufinden, sondern auch bislang noch unbekannte zu entdecken.

Nun gab Barry Barrish, der Leiter des Projekts, bekannt, dass er Japan für den eindeutig aussichtsreichsten ILC-Standort hält. Dort hat die Liberaldemokratische Partei, die am Sonntag die Parlamentswahlen gewann, das Forschungsvorhaben sogar in ihr Parteimanifest aufgenommen. Aber auch Tatsuo Kawabata, der Wissenschaftsminister der abgewählten Demokratischen Partei, hatte sich einen Namen als entschiedener ILC-Befürworter gemacht. Derzeit untersucht man auf der ostasiatischen Inselrepublik zwei mögliche Standorte: Einen in der Region Tohoku im Norden von Honshu und einen weiteren in Kyushu, der südlichsten der vier Hauptinseln. An beiden Standorten soll die Einrichtung in Berge gebohrt werden.

Gleichzeitig äußerte Barrish Besorgnis über die Finanzierung des Projekts, das ca. sieben bis acht Milliarden Dollar kosten soll. Der Grund für die Sorgen liegt unter anderem darin, dass in den USA und Europa derzeit andere Forschungsprojekte im Vordergrund stehen, die massiv Mittel binden: In den USA unter anderem die laufende Neutrinoforschung am Fermilab in Batavia, Illinois; in Europa neben dem LHC der 13 Milliarden Euro teure Fusionsreaktoren-Prototyp ITER, der seit 2009 in Frankreich gebaut wird. (pem)