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Cebit

Internationale 3D-Druck-Spezialitäten

Eigentlich ist die CeBIT keine Messe für Produktionstechnik. Und eigentlich passen die Privatanwender auch nicht mehr in ihr Beuteschema. Für 3D-Drucker gilt das anscheinend beides nicht: Die sind da – und auch (gemäßigt) günstig.

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Zwar liefert die CeBIT-Produktsuche nach "3D-Drucker" nur sechs Treffer und die üblichen Verdächtigen – etwa den Oldenburger Druckladen iGo3D, Pearl mit seinem EX1, das Startup Fabmaker oder den MakerBot-Distributor Hafner's Büro auf dem Stand des hannoverschen Coworking-Spaces Edelstall. Wer aber mit offenen Augen durch die Hallen streift, stößt dazwischen noch auf etliche weitere Anbieter und Maschinen, von denen man noch nie etwas gehört hat oder die man bisher in Deutschland noch nicht kaufen konnte.

Neu entdeckt: 3D-Drucker auf der CeBIT (7 Bilder)

Hofi X1

Der chinesische 3D-Drucker Hofi X1 hat oben am Rahmen aus Aluminiumprofilen einen zierlichen Tragegriff und schützt die Elektronik durch ein Plexiglasgehäuse.

Noch nicht mal eine eigene Webseite scheint die chinesische Firma Jiangsu Sainty Runlong Trade zu haben, dafür aber einen eigenen CeBIT-Stand (Halle 9, B31) und gleich zwei 3D-Drucker: Der Hofi X2 sieht aus wie eine Kreuzung zwischen dem guten alten UP! von PPDP (ebenfalls aus China) und dem ersten Cube von 3D Systems. Die maximale Modellgröße liegt bei 15 cm im Quadrat, als Schichtdicken stehen 0,2–0,4 mm zur Wahl. Der Hofi X1 hingegen erinnert an eine Spielzeugversion des Felix aus den Niederlande (sogar ein winziger Tragegriff am oberen Holm fehlt nicht). Der Bauraum ist hier 19 cm × 15 cm × 13 cm groß, die Schichtdicken sind identisch mit jenen des X2. Die proprietäre Software läuft nur unter Windows. Beide Maschinen drucken wahlweise PLA oder ABS. Die Preise für beide Maschinen liegen laut mündlicher Auskunft am Stand zwischen 1000 und 2000 US-Dollar – der X1 hat kein Display an Bord und ist etwas günstiger als der vollverschalte X2. Wer eine Bestellung wagt, muss das offenbar per E-Mail erledigen – oder direkt am Messestand verhandeln.

Ebenfalls in Halle 9 (Stand D43/1) kann man gleich mehrere Exemplare des polnischen 3D-Druckers ZMorph 2.0 in Aktion sehen. Wobei 3D-Drucker als Bezeichnung eigentlich zu kurz greift: Den Kopf der Maschine kann man austauschen, zur Wahl stehen derzeit klassische Extruder mit einer oder zwei Düsen für Kunststoff, ein Halterung für einen Dremel für Fräsarbeiten sowie eine Presse für weiche Materialien wie Schokolade, Kuchenteig oder Keramik. Ein Lasercutter soll in Vorbereitung sein. Im klassischen 3D-Druck arbeitet die Maschine etwa mit gängiger PLA- oder ABS-Spulenware (3 mm oder 1,75 mm), aber auch mit Plastik-Sticks, von denen man verschiedenfarbige ineinander stecken kann, sodass bunt geringelte Drucke entstehen. Das maximale Druckvolumen beträgt 25 cm × 23,5 cm × 16,5 cm, als minimale Schichtdicke gibt der Hersteller 0,1 Millimeter für ABS und 0,025 mm für PLA an. Die Maschine kostet 1800 Euro (nicht 800, wie im Video weiter unten versehentlich behauptet).

ZMorph hat mit Voxelizer zudem eine spezielle Software im Angebot, die 3D-Dateien in den Formaten STL oder OBJ in massive Datenmodelle aus Voxeln verwandelt. Diese lassen sich anschließend verschiedenen Operationen unterziehen, die zum Beispiel gezielt zu dünne Teile eines Objekts verstärken. Die Software erzeugt außerdem Stützstrukturen für Überhänge und bereitet die Vorlage für den Druck vor, indem sie Maschinenbefehle (gcode) für 3D-Drucker mit ein oder zwei Köpfen erzeugt. Voxelizer soll sich für alle RepRap-kompatiblen Maschinen eignen und lässt sich als Beta-Version kostenlos ausprobieren.

In Halle 16 (Stand F18/1) kann man außerdem die Prager Firma Do-it alias be3D besuchen, deren 3D-Drucker DeeRed und DeeOrange wir bereits auf der EuroMold entdeckt haben.

Zinter Pro 3D heißt ein schickes Gerät aus Großbritannien (Halle 9, C44 /A10). Die komplett geschlossene Maschine druckt aus ABS, PLA, Nylon, PVA und PC mit zwei Extrudern Objekte bis zu einer Größe von 20 cm in alle drei Dimensionen. Der beheizte Drucktisch besteht aus Glas, die beiden Extruder komplett aus Metall – ein eigens vor den Kühlrippen der Düse angebrachter Lüfter soll für volle Kontrolle über die Temperaturausbreitung im Extruder sorgen. Die Düse soll es auf eine Maximaltemperatur von 600 Grad bringen, genug, um damit in Zukunft auch leitfähige Legierungen und somit funktionsfähige Platinen in Kunststoffobjekte hineinzudrucken, wie uns der Hersteller auf der Messe erklärte. Der Zinter Pro 3D kostet 2350 britische Pfund.

Runde 10.000 Pfund wird voraussichtlich der erste 3D-Drucker-Coffeetable kosten, die der Hersteller IonCoreLtd ebenfalls in der Entwicklung hat: Die Studie namens Zintable kombiniert einen Tisch mit einem Touchdisplay als Platte und einem darunter montierten 3D-Drucker zu einem Produktionsmöbel, auf dem Produktdesigner ihre Produkte designen und gleich produzieren können.

Wer den Stand der Firma SET Scientific and Efficient Technologies Limited besucht (Halle 3, H01/1), die trotz ihres angelsächsisch klingenden Namens in Seelze sitzt, sieht dort einen 3D-Drucker amerikanischer Provenienz von Airwolf. Beim Airwolf HD misst der Bauraum satte 30 cm × 20 cm × 30 cm, die minimale Schichtdicke soll 0,06 mm betragen. Die Maschine verarbeitet verschiedenste Materialien, unter anderem einen speziellen flexiblen Werkstoff namens TPE, aus dem sich zum Beispiel knautschbare Bälle drucken lassen.

3D-Druck soll auch ein Thema in der heutigen heise show sein, die ab 18 Uhr live von der Messe übertragen wird.

(pek)