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Internationale Domains: Wer will schon gern müller.com?

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Der Standard für Nicht-ASCII-Domainnamen steht fest, verschiedene Anbieter wollen die neuen Domains noch in diesem Jahr auf den Markt bringen. Allerdings gibt es nicht nur technische Tücken wie verschiedene Tabellen für die zusätzlichen Zeichen in verschiedenen Ländern Europas. Auch wettbewerbsrechtlich ist das letzte Wort möglicherweise noch nicht gesprochen. Vor allem bei .com- und .net-Adressen gibt es ein Zweiklassensystem für Nutzer.

Ende vergangener Woche hat Webhoster Schlund/1&1 seinen Kunden mitgeteilt, dass sie sich ihre Umlaut-Domains nun vorbestellen können, erst einmal kostenfrei und ohne Garantie auf Erfolg. Ende September sollen die Domains dann in der zentralen Datenbank beim Exmonopolisten VeriSign/NSI eingetragen werden. Doch während Schlund wie die Mehrzahl der Registrare in Deutschland und Europa den endgültigen technischen Standard der Internet Engineering Task Force abgewartet hat, registrieren VeriSigns Hausregistrar NSI und 48 weitere Unternehmen schon seit zwei Jahren in einem anderen Standard: Die Nicht-ASCII-Domains werden mit RACE (Row-based ASCII Compatible Encoding) statt mit dem jetzt offiziellen Punycode in ASCII umgewandelt.

Kunden, die also brav auf den neuen Standard warten, können leicht den Kürzeren ziehen. Ein Blick in die Datenbank von VeriSign zeigt, dass gängige Namen wie Müller.com oder auch München.com bereits registriert sind. Chris Parente, VeriSign-Sprecher für den Bereich Naming Directory Services sagte gegenüber heise online: "Wenn Registrare bis zur Migration warten, dann könnten ihre Kunden in der Tat damit konfrontiert sein, dass die von ihnen gewünschten Adressen vergeben sind." Wer heute eine Nicht-ASCII-Domain registriere, sei in der Datenbank, bei der Migration werde lediglich umkodiert -- von RACE nach Punycode, sichtbar durch das geänderte Domain Präfix von bq- auf xn-. Selbstverständlich rate er zur sofortigen Registrierung, betonte Parente.

Da VeriSign den offiziellen Start des neuen Standards vom 23. August auf den 28. September verschoben hat, bleibt noch viel Zeit, sich eine Domain zu sichern. Auch wenn das unter Umständen teurer wird. Man sei sich bewusst, so 1&1-Sprecher Michael Frenzel, dass es schwer sei, VeriSign noch aufzuhalten. "Ob jemand dagegen klagt, kann man schwer sagen."

VeriSign unterläuft mit den RACE-Domains auch ein andere Regelung. Laut Aussage von ICANN-Sprecherin Mary Hewitt kann das Unternehmen keine Registrierung von Internationalisierten Domains (IDNs) vornehmen, solange es nicht die von ICANN im Juni veröffentlichten IDN-Richtlinien unterzeichnet. "VeriSign und ICANN stehen nach wie vor in Verhandlungen über die Bedingungen." Eine Reihe anderer Registries, wie Afilias für .info oder Public Internet Registry (PIR) für .org haben ICANNs Richtlinien bereits akzeptiert, nicht zuletzt, weil ihre Verträge mit ICANN sie dazu verpflichten.

PIR steckt dabei in einem nicht unbeträchtlichen Dilemma: Von VeriSign hat man rund 150.000 RACE-Domains übernommen, doch da VeriSign-Rechte an der Technik im Spiel waren, hat man das Projekt erst einmal gestoppt und die Domains auf Eis gelegt. Zwar will man versuchen, die Domains ins neue System zu retten, aber ganz sicher können die PIR-Kunden noch nicht sein, dass sie von ihrem Frühstart profitieren. Laut PIRs Vice President of Operations, Bruce Beckwith, sind auch noch eine Vielzahl technischer Fragen offen, vor allem kämpfe man sich als globale Registry durch Hunderte von Variationen für einzelne Zeichen, die es in verschiedenen Sprachen gibt.

Genau damit beschäftigen sich derzeit auch viele nationale Registries, auch die .de-Registry DeNIC, die den Zeichensatz mit den Kollegen in Österreich und der Schweiz absprechen will. Vorstandsmitglied Sabine Dolderer ließ auf Anfrage wissen, dass man derzeit dabei sei, "das Registrierungssystem soweit fit zu machen, dass es mit IDNs arbeiten kann". Einen konkreten Termin für die Einführung von müller.de gibt es aber noch nicht. Den Hickhack bei den Registries für generische Top Level Domains beobachtet man nicht ohne Sorge: Auf der einen Seite sei VeriSigns Strategie samt des speziellen Plug-ins schon verständlich. "Ich sehe es aber auch mit einem weinenden Auge, da es natürlich nicht der 'reinen Lehre' entspricht, nach der eine Registry sich auf den Kern der Registrierungen beschränken soll."

Zu den internationalisierten Domain-Namen siehe auch:

(Monika Ermert) / (jk)