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Internet-Backbone Ebone wird abgeschaltet

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Letztlich führten alle Bemühungen von Mitarbeitern, Investoren und Konkursverwaltern doch nicht zu einem positiven Ergebnis: Der Internet-Backbone Ebone wird abgeschaltet. Nachdem der US-Konzern AT&T -- wie von einigen Beobachtern erwartet -- doch kein Angebot zur Übernahme der Glasfasernetze des insolventen Internet-Carriers KPNQwest abgab, fand sich offensichtlich auch kein Investor, der für den von KPNQwest vor einiger Zeit übernommenen Backbone-Betreiber Ebone genügend Geld ausgeben wollte. Eine Offerte einer niederländischen Investorengruppe wurde von den Gläubigerbanken angeblich wegen einer zu geringen Barkomponente am angebotenen Kaufpreis von 200 Millionen Euro zurückgewiesen. Nach Angaben von Ebone-Mitarbeitern scheiterte ein weiterer Deal zudem, da die Banken höhere Forderungen für die Aufrechterhaltung des Netzwerkbetriebs stellten als von den potenziellen Investoren erwartet. Daher habe man als Konsequenz die Aufforderung von den KPNQwest-Konkursverwaltern erhalten, das Ebone-Netz abzuschalten.

Nach früheren Angaben von Ebone-Beschäftigten betrifft die Abschaltung von Ebone nicht nur KPNQwest, sondern einen Teil der gesamten Internet-Infrastruktur in Europa -- teilweise sollen 50 Prozent des europäischen Internet-Traffics über die Ebone-Backbones gegangen sein. Inzwischen dürften zwar viele Alternativ-Routen stabil arbeiten, andere Carrier halten sich allerdings bedeckt in den Aussagen darüber, wie viel ihres Datenverkehrs und welcher Teil über Ebone geroutet wurde. Bei einzelnen Providern hieß es aber bereits, dass bestimmte Uplinks und Routen, die über Ebone geschaltet waren, deaktiviert sind und der Datenverkehr sich einen anderen Weg suchen muss, was in der nächsten Zeit zu Performance-Engpässen führen könne. Die Konkursverwalter bemühen sich aber offensichtlich weiter, zumindest für Teile von KPNQwest Käufer zu finden -- so sind die Töchter in der Schweiz und in Österreich bereits veräußert. Ein Verkauf des gesamten Netzes von KPNQwest als komplette Einrichtung scheint aber unmöglich geworden zu sein.

Für das Netz von KPNQwest Germany erwartet die Firma keine Auswirkungen der Ebone-Abschaltungen. Firmen allerdings, die direkt an Ebone angebunden sind, dürften im Regen stehen, sollten sie noch keine alternativen Uplinks geschaltet haben. Für die deutsche Tochter von KPNQwest, die ein Interesse daran hat, das Netz hierzulande selbst weiter zu betreiben, ist noch keine endgültige Lösung gefunden. Es gebe aber über zwei Dutzend Interessenten, die nun zur Abgabe eines konkreten Angebotes aufgefordert würden, erklärte Unternehmenssprecher Thilo Huys gegenüber heise online. Man hoffe, dass die Insolvenzverwalter Mitte August bereits über einen Verkauf oder die Gründung einer Auffanggesellschaft entscheiden könnten.

Zur Entwicklung der Situation bei KPNQwest siehe auch:

There’s an English article about KPNQwest’s bankruptcy available with some background information from prior German articles: KPNQwest Files For Bankruptcy. (jk)

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