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Internet-Standardisierung: ITU-Generalsekretär Houlin Zhao reicht der IETF die Hand

Internationale Fernmeldeunion und die Internet Engineering Task Force (IETF) sollten sich nicht bekämpfen, sagte ITU-Generalsekretär Houlin Zhao auf der IETF 93 in Prag.

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ITU-Generalsekretär Houlin Zhao

Ganz Diplomat, zog Zhao das offizielle IETF-Tshirt vom 46. Treffen über seine Krawatte. Er wisse, dass man die bei der IETF nicht trage.

(Bild: heise online / Monika Ermert)

Die Standardisierungsorganisationen ITU, IETF, W3C und das European Telecommunication Standards Institute sollten stärker zusammenarbeiten, sagte ITU-Generalsekretär Houlin Zhao auf dem 93. IETF-Meeting in Prag. Ausgerechnet das technische Plenary hatte sich Zhao für den Besuch ausgesucht. Besonders in den Bereichen Car-to-Car, Internet of Things und in der Sicherheit sehe er gemeinsame Aufgaben, sagte Zhao gegenüber heise online.

Über den bisherigen Streit, etwa über die Arbeiten am Multiprotocol Label Switching (MPLS) zur Datenübertragung, sah Zhao großzügig hinweg. Die Auseinanderentwicklung der beiden MPLS-Varianten drohte 2011 zu inkompatiblen Produkten zu führen. Streit gab es auch, als die IETF einen freien Audiocodec standardisieren wollte. Beim Videocodec, der aktuell entwickelt wird, ist es dagegen ruhig geblieben.

Zhao, der im vergangenen Jahr zum Generalsekretär gewählt wurde, erkannte die Unterschiede beider Organisationen an. "Einige hier sehen die ITU als top-down-Prozess, während hier buttom-up gearbeitet wird", räumte er ein. "Aber gleich ob top-down oder bottom-up, wir arbeiten doch alle für den Markt." Möglicherweise müssten die Organisationen ja eine neue Seite aufschlagen, so wie schon einmal vor 16 Jahren, sagte Zhao. Damals hatten die Standardisierungsorganisationen sich als Vertreter in der Protokoll Supporting Organisation (PSO) der Internet Corporation for Assigned Names and Numbers (ICANN) zusammenraufen müssen. Sie stellen abwechselnd einen Vertreter im ICANN-Vorstand.

Zhao trug der IETF auch das Thema an, die Möglichkeiten zu verbessern, Länder wie Madagaskar oder die Komoren ins Netz zu bringen. Die Internetpenetration dort liege noch unter 5 Prozent. In den vergangenen Jahren hat die ITU in diesem Bereich verstärkt mit der Internet Society zusammengearbeitet. Aber auch die IETF hat angefangen, sich mit Themen wie Global Access to the Internet for All (GAIA) zu beschäftigen. GAIA ist eine neue Arbeitsgruppe der Internet Research Task Force, der IRTF. (anw)

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