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Internet-Statistik: Die digitale Spaltung erreicht die Berliner Republik

Digitale Spaltung einmal anders: In Schleswig-Holstein sind 46,3 Prozent der Bevölkerung online, mehr als in den südlichen Hightech-Ländern Baden-Württemberg (45,0 Prozent) und Bayern (43,7 Prozent). Doch nur wenige Kilometer weiter östlich bringt es Mecklenburg-Vorpommern nur auf 33 Prozent. Und politisch ist das Internet offenbar ein grün-gelbes Medium: Unter den Anhängern von Bündnis 90 / Die Grünen befinden sich 62 Prozent User, bei der FDP sind es 53,2 Prozent, gefolgt von SPD (43,6 Prozent) und PDS (42,5 Prozent). Die CDU/CSU erreicht mit einem 39,1-Prozent-Anteil von Surfern unter ihren Anhängern noch nicht einmal den bundesdeutschen Durchschnitt von 41,7 Prozent der Bürger mit Internetanschluss. Das sind einige Ergebnisse des heute auf der Internet World von der Initative D21 vorgestellten '(N)ONLINER Atlas 2002'. Für die regionale und soziale Kartierung der Internetverbreitung in der Bundesrepublik hatte eMind@emnid, die Internetabteilung des Meinungsforschungsinstituts TNS Emnid, zwischen März und Mai über 30.000 Personen im Alter ab 14 Jahren nach ihrem Nutzungsverhalten und ihren Einstellungen zum Netz der Netze befragt.

Im Städte-Ranking hat Berlin seine Rolle als Hochburg der Online-Welt abgegeben: Nur noch 46 Prozent der Berliner nutzen das Internet, und gegenüber dem Vorjahr ist der Anteil der 'Offliner' um nahezu sechs Prozentpunkte gestiegen. Den Spitzenplatz nimmt jetzt die Finanzmetropole Frankfurt am Main ein, in der 53 Prozent der Bevölkerung online sind, gefolgt von Dresden und Stuttgart mit jeweils 51 sowie München mit 50 Prozent. Am anderen Ende des Spektrums führt Dortmund mit 58 Prozent 'Internet-Verweigerern' unter seinen Bürgern die Liste der Offliner-Städte an, gefolgt von Leipzig mit einem Anteil von 56 und Essen von 53 Prozent an der Bevölkerung, die bisher ohne Internetzugang auskommen und sich auch keinen zulegen wollen.

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Nach der repräsentativen Umfrage gibt es derzeit 26,7 Millionen Internetuser. Das sind zwar rund drei Millionen mehr als im vergangenen Jahr, doch bleibt dieser Zuwachs weit hinter den Erwartungen zurück. Von den 10,4 Prozent derjenigen, die vor einem Jahr noch die Anschaffung eines Internetzugangs beabsichtigten, setzte tatsächlich weniger als die Hälfte das Vorhaben in die Tat um. Jetzt haben sogar nur noch 8,2 Prozent die Absicht, sich innerhalb der nächsten zwölf Monate einen Internet-Anschluss zuzulegen.

Mehr als die Hälfte der deutschen Bevölkerung – genau 50,1 Prozent – nutzt das Medium nach wie vor nicht und hat auch nicht vor, das zu ändern. Besonders den sozial Schwächeren, Personen mit niedrigem Bildungsstand und älteren Menschen bleibe das Internet verschlossen. In der Gruppe der Studenten sind 93,1 Prozent online, bei den Ruheständlern gerade mal 9,5 Prozent. "Eher weiblich, eher älter als 70 Jahre, Rentner, lebt in einem Dorf, mit bescheidenem Einkommen und wählt rechts von der Mitte", zeichnet Frank Wagner von Emnid das statistische Kunstprofil des Offliners. "Wenn es ein Wachstum geben soll", weist Wagner auf das Dilemma der Internet-Wirtschaft hin, "so muss dieses Wachstum aus dem Bereich der Pensionäre oder Rentner und von Personen mit niedrigerem Einkommen kommen." "Wir müssen ein besseres Kosten/Nutzen-Verhältnis auch für die Älteren schaffen", fordert IBM-Chef Erwin Staudt und Vorsitzender der Initiative D21; "viele scheuen vor der unbekannten Technik zurück". Gelänge es der Wirtschaft, gemeinsam mit der Politik für mehr Medienakzeptanz sorgen, so sei es durchaus realistisch, "aus den 50 Prozent der Erwachsenen im Internet 70 Prozent zu machen." (Richard Sietmann) / (Richard Sietmann) / (jk)

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