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Internet-Überwachung: Google, Apple, Microsoft, Facebook, Twitter & Co. gegen die NSA

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Die US-Internetkonzerne haben offensichtlich die Schnauze voll von den Auswirkungen der andauernden Enthüllungen über die Spähprogramme vor allem der britischen und US-amerikanischen Geheimdienste auf ihre Geschäfte. Im Unterschied aber etwa zur britischen Regierung, die den Enthüllern vom Guardian unter anderem Förderung des Terrorismus vorwirft, wollen Firmen wie Apple, Facebook, Microsoft und Google nicht die Überbringer der Botschaft abgestraft sehen. Vielmehr fordern sie eine Beschränkung und strenge Kontrolle der Geheimdienste. Auch Twitter, AOL, Yahoo und LinkedIn beteiligen sich an dem Vorstoß.

Die Firmen haben dafür eine Kampagne gegen die Spionageprogramme internationaler Geheimdienste gestartet. In einem Brief an US-Präsident Barack Obama und Kongress-Mitglieder sowie über Anzeigen in Tageszeitungen forderten Unternehmen wie am Montag Beschränkungen bei der staatlichen Überwachung von Bürgern. Die USA, deren Behörde NSA durch Enthüllungen besonders stark in Verruf geraten ist, sollten dabei mit gutem Beispiel für andere Regierungen der Welt vorangehen.

Auf einer gemeinsamen Website präsentieren die Internet-Riesen ihre fünf "Prinzipien" für eine globale Reform staatlicher Überwachungsprogramme:

  1. Begrenzung der Rechte von Regierungen, Daten über User zu sammeln
  2. Kontrolle und Rechenschaftsplicht für Geheimdienste
  3. Transparenz bei den Reigerungsanfragen nach User-Daten
  4. Respektierung des freien Informationsflusses
  5. Vermeidung von Konflikten zwischen Regierungen und nationalen Gesetzgebungen

Die Geheimdienste sollten aufhören, einfach massenhaft Kommunikationsdaten aus dem Internet abzufischen, sondern ihre Sammlung konkret auf Zielpersonen beschränken. Zudem müssten die verantwortlichen Behörden und Gerichte viel strenger überwacht werden.

Die Firmen wollen auch genaue Angaben veröffentlichen dürfen, wie oft und warum Regierungen nach der Herausgabe von Nutzerinformationen fragen. Ferner forderten sie den "freien Fluss von Informationen" im Internet auch über internationale Grenzen. Serviceanbieter dürften dabei nicht behindert oder übermäßig kontrolliert werden. Die Unterzeichner riefen die Regierungen auf, sich international auf einen rechtlichen Rahmen für Anfragen nach Nutzerdaten zu einigen, um Konflikte zu vermeiden.

Man verstehe, dass Regierungen die Pflicht haben, ihre Bürger zu schützen. Aber: "Es ist Zeit für den Wandel", schreiben die beteiligten Firmen in dem offenen Brief . "Die Berichte über die staatliche Überwachung haben gezeigt, dass es eine echte Notwendigkeit für eine größere Offenlegung und neue Grenzen gibt, wie die Regierungen Informationen sammeln", wird Facebook-Chef Mark Zuckerberg unter der Überschrift "Stimmen für eine Reform" zitiert. "Die Menschen werden keine Technologie nutzen, der sie nicht vertrauen. Regierungen haben das Vertrauen riskiert – und Regierungen müssen helfen, es wiederherzustellen", erklärt Microsofts Chefjustiziar Brad Smith.

Die neueste Offensive folgt einer nicht enden wollenden Welle der Enthüllungen über die Praktiken der NSA und anderer Geheimdienste. Erst kürzlich hieß es, die NSA greife Daten aus internen Verbindungen zwischen Datenzentren von Google und Yahoo ab. Beide Firmen betreiben weltweit riesige Rechenzentren. Die Anlagen tauschen ständig Nutzerdaten untereinander aus, etwa E-Mails, Suchanfragen oder Dokumente. Dass der heimische Geheimdienst hier Informationen abgreifen könnte, empörte die Firmen.

Die Internet-Riesen sorgen sich auch um ihr Geschäft. Hunderte Millionen Menschen weltweit nutzen die E-Mail-Dienste, Smartphones, Netzwerke und Chat-Programme der Vorreiter aus dem Silicon Valley. Ein Vertrauensverlust könnte die Unternehmen empfindlich treffen.

[Update 09.12.2013 11:34):

In Deutschland machte Telekom-Vorstandschef René Obermann seinem Unmut über die schleppende Aufklärung der NSA-Affäre Luft. Es sei immer noch nicht klar, welche Daten Geheimdienste abgreifen. "Die Spitzeleien haben das Vertrauen in zwei Grundpfeiler unserer Gesellschaft, die freie Kommunikation und die Privatsphäre, erschüttert", sie seien "langfristig sogar demokratiegefährdend", sagte der scheidende Telekom-Chef dem Handelsblatt.

Obermann warf der Bundesregierung und der EU-Kommission vor, nicht entschieden genug zu reagieren. Es sei Sache der Politik und nicht der Wirtschaft, gegenüber den USA die Einhaltung von Datenschutzstandards einzufordern. Das Safe-Harbor-Abkommen, das den Datenaustausch von Unternehmen zwischen der EU und den USA regelt, müsse neu verhandelt werden. "Es ist fahrlässig, dass da so wenig geschieht." Obermann forderte, den Datenschutz in der EU schnell zu vereinheitlichen. (mit Material von dpa) / (jk)

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