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Internet-Verwaltung, Domain Name System und Regierungsmacht

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Eine bessere geografische Verteilung der Root-Nameserver, die rasche Einführung der Sicherheitserweiterungen für das Domain Name System (DNSSEC) und ein Standardverfahren für rund ein Dutzend neuer Domains pro Jahr -- das sind drei der Empfehlungen im lange erwarteten Bericht der US-amerikanischen National Academy of Science, der nun endlich veröffentlicht wurde. Derzeit gebe es eine Konzentration von Rootservern in Washington und Los Angeles, darin bestehe eine grundsätzliche Schwäche im System. Für die mögliche Übergabe von DNS-Rootservern an neue Betreiber müsse die Internet Corporation for Assigned Names and Numbers ein Verfahren entwerfen, mehr öffentlicher Aufsicht bedürfe es fürs Rootserver-System allerdings nicht.

Lange war die Wartezeit auf den Bericht allerdings wirklich: Er wurde bereits 1998 unter dem Bundesgesetz "Next Generation Internet Research Act" in Auftrag gegeben. In ersten Kommentaren aus den USA stand dann auch die Kritik an der langen Dauer der 1 Million Dollar teuren Studie im Zentrum.

Dabei kommt der Bericht aus Sicht manches Beobachters durchaus zu einem passenden Zeitpunkt. Sehr genau werden ihn etwa die Mitglieder der UN-Arbeitsgruppe Internet Governance lesen, gibt der Bericht doch mit Blick auf mögliche Vorschläge für die künftige Aufsicht über das DNS eine klares Bekenntnis für eine Nichtregierungsorganisation ab. Das US-Handelsministerium und die ICANN werden -- in dieser Reihenfolge -- als zentrale Aufsichtsinstitutionen über das DNS beschrieben. Beide seien aktuell mit einer Infrastellung ihrer Legitimation konfrontiert, heißt es in dem Bericht, der allerdings davor warnt, das DNS zum Spielfeld nationaler Interessen zu machen.

"Internationale Konflikte aus anderen Zusammenhängen wurden bislang vom DNS ferngehalten -- genau, wie es sein sollte." Daher rät das Komitee entschieden davon ab, das DNS direkt unter die Kontrolle von Regierungen oder einer internationalen Regierungsorganisation zu stellen. Das werde von der US-Regierung auch nicht unterstützt. Vor einer Entlassung der ICANN in die Unabhängigkeit sei auf jeden Fall zu gewährleisten, dass die private Netzverwaltung robust genug sei, den wachsenden kommerziellen und politischen Druck abzufedern. Die Aufsicht durch die US-Regierung sei in gewisser Weise derzeit ein Schutz gegen eine derartige Einflussnahme, heißt es in dem Bericht.

Die Organisation zur Internet-Verwaltung müsse etwa Bestrebungen widerstehen, das DNS für andere Zwecke zu nutzen und etwa unter kommerziellem Druck neue Services einzuführen, die die existierenden Spielregeln mit Blick auf den diskriminierungsfreien Datenstrom brechen. Der Seitenhieb auf die Sitefinder-Episode durfte hier wohl nicht fehlen, ebenso wenig wie das Bekenntnis dazu, dass Innovationen von vielen nur geschaffen werden könnten, wenn das Kernsystem auf offenen Standards basiere.

Das 15-köpfige Komitee, das für den Bericht verantwortlich zeichnet, wirft angesichts der Herausforderungen einen etwas skeptischen Blick auf die Möglichkeit, dass der Weltgipfel der Informationsgesellschaft (WSIS) tatsächlich einen Vorschlag für eine neue DNS-Aufsichtsorganisation macht. Eine noch nicht existierende Organisation müsste dann bei der Entscheidung für den ein oder anderen Weg verglichen werden mit einer Organisation, die inzwischen acht Jahre Erfahrung gesammelt hat. An die Adresse ICANNs richtet der Bericht die Aufforderung, das eigene Mandat nicht ohne Not auszuweiten.

Schließlich könnten auch deutsche Politiker sich für einzelne Empfehlungen interessieren, spiegelt der Bericht doch auch die Furcht, dass Navigationssysteme im Netz, wie etwa Suchmaschinen, manipuliert werden könnten. An solchen Stellen ist die öffentliche Aufsicht, das jedenfalls findet der NAS-Report, durchaus gefragt, auch wenn man sonst mit Blick auf gesetzgeberische Aktivitäten eher zur Zurückhaltung rät. (Monika Ermert) / (Monika Ermert) / (jk)

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