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Internet-Verwaltung: ICANN einig über IANA-Übergabe – US-Regierung ist am Zug

Die Selbstverwaltungsgremien für Domain Namen, IP-Adressen und Internet Protokolle haben ihr Vorschlagspaket für die IANA-Übergabe komplettiert. Jetzt liegt der Ball für die lange geplante Übergabe im Feld der US-Regierung.

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Internet-Verwaltung: ICANN einig über IANA-Übergabe – US-Regierung ist am Zug

Das Vorschlagspaket liegt nun bei der National Telecommunications Information Administration der USA

(Bild: ICANN)

Nach fast zwei Jahren, mehreren zehntausend E-Mails, hunderten von Telefonkonferenzen war es Donnerstag auf dem 55. ICANN-Treffen in Marrakesch so weit: Die ICANN-Gremien haben das endgültige Modell für die künftig selbst verwaltete Internetaufsicht verabschiedet. Zuletzt hatten insbesondere die über hundert Regierungsvertreter hart über deren Rolle in der privaten Selbstverwaltung diskutiert. Am Ende aber hatte sich der Regierungsbeirat, eigentlich mit ein Treiber der Ablösung der US-Aufsicht, in öffentlicher Sitzung darauf geeinigt, dass er den Vorschlag auf keinen Fall blockieren will.

Seit 1998 ist die ICANN als DNS-Verwalterin auch für den Betrieb der Internet Assigned Numbers Authority (IANA) zuständig, und damit für den Betrieb der Root Zone des Domain Name System sowie der zentralen Datenbanken für IP-Adressen und Protokollnummern. Doch behielt die US-Regierung sich in mehrfach verlängerten Verträgen vor, entweder die IANA anderweitig zu vergeben oder auch die ICANN selbst ganz aufzulösen. Im März 2014 kündigte die zuständige NTIA die Übergabe der IANA an die Selbstverwalter an.

Nun hat Steve Crocker, Vorsitzender des Verwaltungsrates der Internet Corporation for Assigned Names and Numbers (ICANN), am Donnerstagabend das Vorschlagspaket für die künftige Selbstverwaltung der zentralen Rootzone und anderer zentraler Datenbanken des Internets an die US National Telecommunications Information Administration (NTIA) übermittelt. Kurz vorher hatte der Verwaltungsrat bestätigt, dass das Paket komplett und praktikabel ist. Die Zeit drängt, denn bevor die US-Regierung ihr Plazet geben kann, muss die ICANN nun wichtige Satzungsänderungen vornehmen.

Nun liegt der Ball für das historische Ereignis im Feld der US-Regierung. "Wir sind noch nicht ganz am Ziel", bestätigte eco-Anwalt Thomas Rickert, der als einer der Vorsitzenden der Arbeitsgruppe für die notwendige ICANN-Reform viel Lob kassierte. "Der Vorschlag wird jetzt von der NTIA geprüft und geht dann auch noch an den US-Kongress. In der Zwischenzeit arbeitet die ICANN fieberhabt weiter an der Implementierung des Vorschlags." Gleich drei Anwaltteams, zwei bekannte US-Kanzleien und ICANN-Hausjuristen sollen die von der Community beschlossenen Satzungsänderungen vorbereiten, die eine Kontrolle des künftigen IANA-Managers ICANN durch seine Selbstverwaltungsgremien sichern. Diese praktische Umsetzung gehört zu den Vorbedingungen der Übergabe. Im September läuft der aktuelle Vertrag der ICANN mit der scheidenden Obama-Regierung aus. Viel Zeit bleibt daher nicht.

Rickert ist nun zuversichtlich, ebenso wie die Mehrheit der Beteiligten in Marrakesch. Die Voraussetzungen für eine Zustimmung seien bestens, versicherte Alissa Cooper, die für die technische Community an der Entwicklung des Gesamtpakets mitgearbeitet hatte. Denn die Bedingungen der NTIA seien alle erfüllt. Die NTIA hatte die Stabilität von Rootzone und IANA, die Staatsferne, eine breite Unterstützung und die Zustimmung der "anderen IANA-Kunden", also der Protokollentwickler der IETF und der fünf regionalen IP-Adressverwalter gefordert.

IETF und IP-Adressverwalter zeigten sich zufrieden mit dem Paket und bestätigten den Abschluss der Verhandlungen für Service Level Agreements (SLA) mit der ICANN, die ihnen im Streitfall auch einen Wechsel des Betreibers erlauben sollen. Die Unterschrift unter das SLA zwischen den IP-Adressverwaltern und der ICANN steht zwar noch aus, bestätigte Paul Wilson, Chef von APNIC, dem IP-Adressverwalter für Asien und den Pazifik. Doch auch er lobte den gestrigen Meilenstein. (anw)

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