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Internet-Verwaltung ICANN: schärfere Kontrollen für Domainregistrierung in Frage gestellt

Strafverfolger haben mehr und mehr Pflichten für Domaininhaber durchgesetzt, angeblich um die Kriminalität besser bekämpfen zu können. Ob das geholfen hat, wurde aber nie erläutert. Das müsse nun nachgeholt werden, meint der ICANN-Chef.

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ICANN-Vorstandschef Steve Crocker

(Bild: Joi Ito, CC BY 2.0 )

Steve Crocker, Chef des Vorstands der Internet-Verwaltung ICANN, hat in London eine Rechtfertigung für die Verschärfungen der Validierungs- und Speicherpflichten der Domainanbieter gefordert. Regierungen und Strafverfolger sollten dazu Fallzahlen liefern. Crocker sagte bei einem Treffen mit den Regierungsvertretern der ICANN (Internet Corporation for Assigned Names and Numbers), die Strafverfolger seien bislang belastbare Informationen schuldig geblieben.

Es sei unklar, ob die zusätzlichen Verpflichtungen für Unternehmen und Domaininhaber für mehr Sicherheit sorgten. Bevor sie weitere Forderungen stellen, so Crocker, müssten die Strafverfolger liefern. "Sie sind jetzt am Zug", meinte Crocker.

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Die ICANN habe seit seinem Amtsantritt 2011 "praktisch alle Kontrollmaßnahmen, die von uns gefordert wurden, umgesetzt", versicherte Crocker. Die Selbstverwaltungsorganisation habe Änderungen in ihren Verträgen mit den Registraren und Registries vorgenommen und die Arbeiten an einem neuen Whois seien vorangetrieben worden. Das sei zum Unmut der Registrare und neuen Registries in datenschutzfreundlicheren Ländern geschehen. Zum Selbstzweck dürften die Verschärfungen aber nicht werden.

Crockers Äußerungen resultierten wohl nicht zuletzt aus Klagen der Domain-Registrare, die berichteten, dass nach Einführung der neuen vertraglichen Verifikationspflichten für Domaininhaber zwischen Januar und April 2014 rund 800.000 Domains in generischen Top Level Domains geblockt wurden. Sie hatten schlicht versäumt, die zugehörigen E-Mails ihrer Registrare zur Verifikation ihrer Kontaktdaten zu beantworten, sagte Elliot Noss, CEO von Tucows.

ICANN, IANA & Co.: Die Verwaltung des Internets

Diverse Organisationen sind für die Verwaltung des Internets zuständig - die ICANN und die ihr zugeordnete IANA etwa verwalten die weltweiten IP-Adressen und die DNS-Rootzone, die IETF ist für die Protokollstandards verantwortlich. Bis vor kurzem noch bedingte sich die USA die letzte Entscheidungsgewalt aus.

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Die Zahlen stammen laut Noss von dem Teil der ICANN-Registrare, der rund 75 Prozent der Registrierungen hält. Unter den blockierten Domains seien private Domaininhaber, aber auch Unternehmen und Organisationen. Die Zahlen zeigt, so Noss, dass die Verschärfungen echten Schaden anrichteten. Deswegen verlange man von den Strafverfolgern, dass sie ihrerseits darlegten, welche positiven Entwicklungen im Kampf gegen Phishing oder Betrug sie schon sähen oder erwarteten. Mit der Veröffentlichung der betroffenen unverdächtigen Seiten stehe es jetzt erst einmal 800.000 zu 0, sagte Noss.

Noss sagte, es gebe längst neue Forderungen der Strafverfolger. Unter anderem steht die zentralisierte US-Datenbank auf dem Programm der ICANN. Er persönlich glaube nicht, dass das neue, einheitliche Whois den von den Strafverfolgern versprochenen Beitrag zur Bekämpfung der Kriminalität im Netz leisten werde, sagte auch Michele Neylon, irischer Registrar und Mitglied der Arbeitsgruppe für das neue Whois. "Ich hoffe einfach, die Strafverfolger kommen wirklich mal und sagen, was sich verbessert hat durch die bisherigen Maßnahmen."

Crocker sagte, er wolle zwar nicht sagen, dass er die laufenden Arbeiten stoppe, aber "auf der anderen Seiten werden wir nicht einfach blindlings weiter gehen, bevor wir eine Vorstellung haben, wie das alles aussehen soll." (mho)