Internet-Verwaltung ICANN will mehr Geld

Ein heftig aufgestockter Haushaltsentwurf der Internet-Verwalter, der teilweise mit neuen Aufgaben begründet wird, sorgt für Unmut unter Registraren und Länderdomain-Verwaltern.

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Von
  • Monika Ermert

Die Internet Corporation for Assigned Names and Numbers (ICANN) will mehr Geld. Im neuen Jahreshaushalt 2004/2005 veranschlagt das Büro in Marina del Rey 15,83 Millionen US-Dollar. Das ist fast doppelt so viel wie im Jahr zuvor, sodass die teilweise empörten Nachfragen der "Beitragszahler" kaum verwundern können. Der vergangene Haushalt belief sich auf 8,2 Millionen US Dollar.

Auf der Mailingliste der Registrare, die den Löwenanteil der Ausgaben übernehmen sollen, tobt eine heftige Debatte darüber, inwieweit der von ICANN vorgeschlagene Mix aus Domain-bezogenem Beitrag von 25 Cent pro Transaktion (Registrierung, Erneuerung), dem festgesetzten Gesamtkostenanteil von 19.000 Dollar plus der Akkreditierungsgebühr gerade kleine Registrare besonders belastet. Dieser Meinung ist jedenfalls Bhavin Turakhia vom indischen Provider Directi, der warnte, dass die kleinen Regstrare dadurch vom Markt verschwinden würden. Bhavin rechnete vor, dass für einen Registrar mit 1000 Domains die Mehrkosten pro Domain bei 19 Dollar liegen würden, ein Registrar mit 10.000 käme auf Mehrkosten von 1,90 Dollar und erst ab 50.000 sind die Mehrkosten mit 38 Cent relativ überschaubar.

Aber auch andere Gruppen wehren sich. DeNIC-Chefin Sabine Dolderer müsste bei strenger Auslegung der Regel, dass die ccTLD-Verwalter 20 Cent pro Domain zahlen sollen, 1,5 Millionen US-Dollar an die privaten Netzverwalter überweisen. So ganz rechnet allerdings ICANN selbst nicht damit, dass sich diese Summe eintreiben lässt. Von den Länderregistries will man erklärtermaßen statt der 35 Prozent des Gesamtbudgets lediglich einen Beitrag von 1,02 Millionen US-Dollar. Relativ glimpflich kommen die IP-Registries (RIR) weg; doch die veranschlagten Gebühren bedeuten für sie mit über 800.000 Dollar ebenfalls ein Plus von stolzen 54 Prozent.

ICANNs Verantwortliche verwiesen in ersten Stellungnahmen darauf, dass kleine Registrare sich von einem Teil der Fixgebühren freistellen lassen könnten. Das Budget sei nach ausführlichen Konsultationen mit Vertretern aller Seiten entstanden. Dazu hat ICANN eine Matrix der Aufgaben samt des jeweiligen Interesses von Registraren, Registries, Ländermanagern und RIRs an der Erfüllung der Aufgaben erstellt. Mit dem vorgelegten Haushaltsansatz reagiere man auf wachsende Anforderungen etwa im Bereich Verbraucherschutz.

Genau davon aber ist Dolderer nicht überzeugt. Ihrer Meinung nach kann ICANN kaum Verbraucherschutz in Asien oder Arabien betreiben. "Das macht man doch viel besser lokal", sagt sie und quittiert das erweiterte Leistungsangebot barsch: "Interessiert mich nicht, will ich nicht, kauf ich nicht." Statt einer fortgesetzten Ausweitung der Aufgaben solle sich ICANN auf die Kernaufgaben konzentrieren. Dort liege nach wie vor noch manches im Argen. Der neue Haushalt soll im Juni bei der Sitzung in Kuala Lumpur beschlossen werden. (Monika Ermert) / (jk)