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Internet-Verwaltung: Kampagne für anonyme Domain-Registrierung

Über 6000 Nutzer fordern die Internet Corporation for Assigned Names and Numbers (ICANN) auf, anonyme Domain-Registrierungen zu erhalten. Strittig ist zudem, ob Strafverfolger außerhalb der eigenen Jurisdiktion auf die Whois-Daten zugreifen dürfen.

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(Bild: http://whois.icann.org )

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Datenschutz war über Jahre ein Stiefkind bei der privaten Netzverwaltung ICANN - nicht zuletzt dank der amerikanisch geprägten Verträge mit Domainregistries und Registraren. Mit einer Unterschriftenkampagne wehren sich derzeit Tausende Nutzer gegen die Aushöhlung der anonymen Registrierung von Domains. Gleichzeitig steht der Start eines neuen Whois-Systems an, das wesentlich mehr Informationen über Nutzer speichert.

Über 6000 Nutzer haben sich mit der Forderung an die Internet Corporation for Assigned Names and Numbers (ICANN), die Möglichkeit anonymer Domain-Registrierungen zu erhalten. Eine ICANN-Arbeitsgruppe erarbeitet derzeit strengere Regeln für Privacy-Provider und sammelt noch bis zum 7. Juli Kommentare zu ihrem ersten Entwurf dazu. Nutzer können auf Privacy-Provider zurückgreifen, wenn sie private Daten nicht in den Whois-Datenbanken veröffentlichen wollen - sei es aus politischen Gründen oder um sich schlicht Spammer vom Hals zu halten. Gestritten wird nun darum, ob Strafverfolger außerhalb der eigenen Jurisdiktion Anspruch auf den verdeckten Zugriff auf die Klardaten bekommen können.

Würden die Vertragsbestimmungen der ICANN in Bezug auf die Veröffentlichungspflichten für Domaininhaberdaten nicht so ungeniert europäischem Datenschutzrecht widersprechen, gäbe es manches Datenschutzproblem nicht, sagte Michele Neylon, Chef des irischen Registrarunternehmens BlackKnight bei einer hitzigen Diskussion mit der Arbeitsgruppe beim ICANN-Treffen in Buenos Aires. Aus EU-Sicht sind unter anderem die Verpflichtungen problematisch, Privatadressen und Rufnummern in den Whois-Datenbanken zu veröffentlichen. Wer Domains unter dem Deckmantel der Anonymität betreiben oder sich einfach nur gegen das Ausschlachten ihrer Privatadressen durch Adresshändler und Spammer wehren will, kann seit mehreren Jahren die sogenannten Privacy- und Proxydienste nutzen. Teils bieten Domain-Registrare solche Dienste an - gegen Aufpreis.

Dieser Preis könnte sich jetzt dramatisch verteuern, fürchten Datenschutzexperten wie Stephanie Perrin, eine der Organisatoren der Kampagne "SaveDomainPrivacy": Eine Akkreditierung der Privacy-Provider bei der ICANN, die Übernahme von Kosten für die Zustellung von Beschwerden per Post und generell die Begutachtung und Entscheidung darüber, welche Klagen sie weiterleiten müssen und welche wiederum nur Spam sind, könnte diese Dienste so verteuern, dass sie kaum noch marktfähig sind. Auch die Einschränkung der Privacy-Dienste auf private Kunden ist aus Sicht von Perrin problematisch.

Die strengeren Regeln treiben die Vertreter von Strafverfolgungsbehörden aus den USA und dem Vereinigten Königreich sowie das ICANN-Gremium voran, das große Rechteinhaber innerhalb der ICANN vertritt. Außerhalb der eigenen Jurisdiktion können die rund 22.000 einzelnen US-Strafverfolgungsbehörden aber eben keine Sonderrechte geltend machen, mahnt der Jurist Volker Greimann. Für Ermittlungen müssten sie sich da schon an die jeweils zuständigen Kollegen wenden.

Greimann rät der ICANN-Arbeitsgruppe auch die Akkreditierung der Privacyprovider zu überdenken. Nicht zuletzt stünden damit auch die Privacy-Provider vor dem selben Problem wie die Registrare: die ICANN-Verträge halten sich zuerst an US-Recht, wenn es um den Datenschutz geht. Verschärft werden könnte das Datenschutzproblem schließlich mit dem geplanten Ersetzen des alten Whois-Systems durch das Nachfolgesystem, das auf dem wesentlich mächtigeren Registration Data Access Protocol (RDAP) beruht. (rek)