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Internet-Verwaltung Vier neue Top Level Domains sind in der DNS-Rootzone

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Nach zehn Jahren der Vorbereitung haben sich die für die Zulassung neuer Top Level Domains (TLD) verantwortlichen Stellen am Ende beeilt: Innerhalb eines Tages hat das US-Handelsministerium die ersten vier neuen Top Level Domains durchgewinkt. Das arabische Wort für Netz (شبكة), die kyrillischen Worte für online (онлайн) und site (сайт) sowie das chinesische Wort für game (游戏) sind in der Rootzone. Die rasche Bearbeitung der TLD-Anträge im US-Handelsministerium dürfte auch die Antwort der US-Bürokratie auf die laufende Debatte um mögliche Veränderungen der Aufsicht der IANA und der Rootzone sein.

Erst Mitte 2011 hatte sich die ICANN endgültig dazu durchgerungen, den Internet-Namensraum zu öffnen und neue Adresszonen einzuführen. Damit möchte die ICANN ein reguläres Verfahren für die fortgesetzte Beantragung neuer Adresszonen im Stil von .com oder .biz etablieren, mit dem sich nahezu beliebige Begriffe für Top Level Domains auswählen lassen. Die ICANN hatte das komplizierte und teure Bewerbungsverfahren für neue Internet-Adresszonen wie ".berlin", ".music" oder ".sport" Anfang 2012 gestartet; nach einigen Pannen, die zur vorübergehenden Aussetzung des Verfahrens führten, konnten Bewerber endlich im Mai 2012 ihr Begehr für neue Top Level Domains vorbringen - was dann nach einigen Querelen, vielen technischen Problemen sowie langwierigen (und teuren) Antrags- und Genehmigungsverfahren jetzt zu ersten Ergebnissen führte.

Dass die Eintragung der ersten von möglicherweise bis zu 1400 neuen TLDs in die Rootzone fast über Nacht erfolgte, überraschte dann aber selbst die "alten Hasen": "IANA, DoC und VeriSign haben nur einen Tag gebraucht, so etwas habe ich noch nie gesehen", sagte Werner Staub, Koordinator des Ständigen Sekretariats des Internet Council of Registrars (CORE). Zwar habe man nach Abschluss der technischen Tests der Registries fast zwei Monate gewartet. Das sei jedoch noch dem Anlaufen des Prozesses geschuldet, räumte Staub ein. Core ist die Backend-Registry der beiden kyrillischen TLDs und seit Beginn in das Zulassungsverfahren involviert.

Das Registrarkonsortium hat sich seit 1996 für die Einführung neuer TLDs eingesetzt und ist damit älter als die ICANN. Die private Netzverwaltung wurde 1998 als Antwort auf Reformbestrebungen des legendären IANA-Managers Jon Postel ins Leben gerufen und war von Anfang an beauftragt, für "Wettbewerb" im DNS zu sorgen. Die Entscheidung für einen regulären Zulassungsprozess für neue TLDs geht auf eine Entscheidung des ICANN-Vorstands im Jahr 2003 zurück. Zuvor hatte sie im Jahr 2000 sieben neue TLDs zugelassen, mit sehr viel weniger bürokratischem Aufwand.

An die Entscheidung schloss sich die langwierige Entwicklung eines Regelwerks durch die verschiedenen ICANN-Gremien an. In den vergangenen Jahren schossen die immer mehr involvierten Regierungen, häufig angespornt von großen Markeninhabern, mehrfach quer und forderten immer neue Nachbesserungen. Große Markeninhaber befürchten eine neue Welle von Cybersquatting beziehungsweise scheuen den Aufwand, ihre Namen in tausenden neuen Adressbereichen zu schützen.

Bevor die jetzt in die Root eingetragenen neuen Zonen neue Namen für Nutzer anbieten können, müssen sie eine mindestens 30-Tage währende Markenschonfrist einhalten, erinnerte die ICANN in ihrer Pressemitteilung zum Start der TLD-Delegationen. Vizepräsidentin Christine Willet nannte die Arbeiten der ICANN für den Zulassungsprozess "ohne Beispiel". Das Zulassungsverfahren sei das Ergebnis von acht Jahren intensiver Vorbereitungen, in deren Verlauf 47 verschiedene Konsultationsprozesse statt fanden, während der über 2400 Stellungnahmen bei der ICANN eingingen.

Nach wie vor wird über den Zulassungsprozess gerungen, etwa um die Zulassung der TLDs zu .vine/.wine oder geschlossene generische TLDs. Wann aus dem Zulassungsprozess ein reguläres, also beständig offenes Verfahren wird, ist ebenfalls offen. (anw)

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