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Internet-Verwaltung: Warten auf Godot ... und neue Domains

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Die Einführung neuer Top Level Domains steht wieder einmal ganz oben auf der Agenda der Internet Corporation for Assigned Names and Numbers (ICANN). Die private Netzverwaltung versammelt sich diese Woche zu ihrem turnusmäßigen Treffen in San Juan, Puerto Rico. Für Unmut sorgte bei der Diskussion der Regeln für die Einführung der neuen Adresszonen neben .com. .name, .museum oder .info allerdings die Aussage von ICANNs Senior Vice President Kurt Pritz, dass man mit einem Abschluss der Vorbereitungen erst in einem Jahr rechne. Verschiedene Bewerber warten bereits seit Jahren darauf, dass die private Netzverwaltung neue Adresszonen einführt.

Bei der ersten Runde zur Einführung neuer Domains war man noch erheblich schneller. Innerhalb von wenigen Monaten schlossen die damaligen Direktoren das Verfahren ab, in dem unter anderem .info, .biz, .name und .pro zugelassen wurden. Bei Runde zwei tat man sich, insbesondere mit dem Hickhack um die Rotlichtdomain .xxx, schon deutlich schwerer. Dieses Mal wolle man offenbar alle möglichen Einsprüche vorhersagen und das System wasserdicht machen, sagte Werner Staub, Sekretär des Registrarkonsortiums CORE, das als Backend-Provider mehrerer potenzieller neuer geographischer TLDs im Gespräch ist.

"Wenn man alles vorhersagen könnte, sollte man wohl besser an der Börse spekulieren gehen", warnte Staub. Der katalanische Jurist Amadeu Abril i Abril, der unter anderem die Betreiber der .cat-TLD für Katalonien berät, die als Vorbild für eine Reihe von geographischen Adresszonen gilt, warnte davor, dass der Prozess zu einem "Warten auf Godot" werde. Den Vorschlag, bereits im Januar Bewerbungen entgegenzunehmen und nicht kontroverse Bewerber gemäß dem einfachen Bewerbungsverfahren, das jetzt verabschiedet werden soll, durchzuwinken, erteilten Pritz und die Vorsitzende der Generic Name Supporting Organisation (GNSO) der ICANN eine Absage. Man wolle, dass den Bewerbern alle Regeln bekannt seien, bevor man ein Verfahren starte.

Das einfache Verfahren sieht vor, nach einer Prüfung der geschäftlichen und technischen Solidität eines Vorschlags eine TLD-Bewerbung durchzuwinken – unter den Voraussetzungen, dass sie nicht mit einer bestehenden TLD verwechselbar ist, dass Moral und öffentliche Ordnung nicht beschädigt werden, dass die Rechte Dritter nicht verletzt wurden und dass es nicht zu massiven Protesten von Seiten einer Gruppe kommt, die als Zielgruppe für den infrage stehenden Adressbereich verstanden werden kann. Einsprüche im Sinne dieser Regeln zwingen den Bewerber in ein erweitertes Verfahren zur Abklärung. Für Fragen, wessen Einspruch dabei berücksichtigt wird und wessen nicht, hat man bei ICANN eine Menge Papier voll geschrieben. Auch konkurrierende Bewerbungen müssen irgendwie abgearbeitet werden, ebenso die Beurteilung von nicht-englischen Adressbereichsnamen. Bei der Finanzierung hat man sich entschieden, für Bewerber im erweiterten Verfahren eine Zusatzgebühr zu verlangen, um die unproblematischen Bewerbungen kostengünstiger anbieten zu können.

Kritiker, zu denen sich auch der neuseeländische ICANN-Direktor Peter Dengate-Thrush gesellte, warnen, dass die Berücksichtigung der zahlreichen "Vorrechte" die Einführung neuer Adresszonen teuer und schwierig machen könne. Er freue sich als Markenrechtsanwalt natürlich, dass ICANN mit dem Verfahren Arbeit für Generationen künftiger Anwälte schaffe, sagte Dengate Thrush ironisch. Allerdings müsse man doch einmal fragen, warum es für irgendjemanden ein Recht geben sollte, eine TLD überhaupt als Namens- oder Markenverletzung anzugreifen. Er sei alarmiert, dass man "Communities" ein Einspruchsrecht geben wolle. Weitere Themen, mit denen sich ICANN in San Juan beschäftigt, sind die knapper werdenden IPv4-Adressen und mögliche Konsequenzen in der Vertragsgestaltung zwischen der privaten Nutzerverwaltung und den Registraren nach dem Debakel um den Pleite gegangenen Registrar RegisterFly. (Monika Ermert) / (jk)