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Internet Watch Foundation zählt weniger Kinderporno-Seiten

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Die britische Internet Watch Foundation bietet eine Meldestelle für illegale Inhalte, verwaltet aber auch die Sperrliste für die britischen Provider

Nach dem heute vorgestellten Jahresbericht der britischen Internet Watch Foundation (IWF) hat die Anzahl der Websites mit kinderpornografischen Inhalten im vergangenen Jahr um 10 Prozent abgenommen. Auch der Anteil gewalttätiger und kommerzieller Kinderpornografie ging leicht zurück. Frühere Daten der IWF sind Teil der Argumentationsgrundlage der Bundesregierung, die derzeit ein Gesetz für die Errichtung von Internet-Sperren gegen Kinderpornografie durchsetzen möchte.

Die Organisation, die auch die Sperrliste der britischen Provider verwaltet, fand im Jahr 2008 insgesamt 1536 Websites mit kinderpornografischen Inhalten. Gegenüber dem Vorjahr nahm die Zahl um fast 10 Prozent, im Vergleich zu 2006 sogar um 21 Prozent ab. 74 Prozent der von der IWF identifizierten Domains dienten dem kommerziellen Handel mit dem Material – im Vorjahr waren es dem Bericht zufolge noch 80 Prozent.

"Auch wenn die Zahl abnimmt – diese Websites sind ein sehr ernstes Problem", betonte IWF-Chef Peter Robbins bei der Vorstellung des Berichts. So stellte die IWF wieder einen hohen Anteil harter Kinderpornografie fest: 58 Prozent der Domains enthielten demnach Abbildungen von Vergewaltigungen von Kindern oder gar Folterungen. 69 Prozent der abgebildeten Kinder sind nach Schätzung der IWF 10 Jahre oder jünger, vier Prozent der Opfer sollen sogar 2 Jahre oder jünger sein.

Die Angebote erweisen sich meist als kurzlebig: 956 Webseiten verschwanden innerhalb von 50 Tagen wieder aus dem Internet, 311 waren länger als 100 Tage online. Die IWF führt den Rückgang auf eine verbesserte Zusammenarbeit mit Domainregistraren und anderen internationalen Organisationen zurück. Diese Bemühungen will die Organisation nun ausbauen. So werden nach Erkenntnissen der IWF 75 Prozent der Domains kommerzieller Kinderporno-Sites von lediglich 10 Registraren verwaltet. Die IWF will sich um ein schnelles Delisting der betroffenen Domainnamen bemühen.

Allgemeine Aussagen zur Verbreitung von Kinderpornografie findet man im Bericht nicht, da er alleine die auf Webseiten verbreitete Kinderpornografie untersucht. Längst werden solche Abbildungen auch auf anderen Wegen vertrieben – von internen Chats bis hin zu Fast-Flux-Netzwerken. Ein Indiz für eine Abnahme der Kinderporno-Angebote ist jedoch die Anzahl der Beschwerden, die bei der IWF im vergangenen Jahr um 3 Prozent auf 34.000 Meldungen zurückging.

Die IWF hat in dem Bericht auch einen für sie unangenehmen Vorfall thematisiert: Ein Artikel der Online-Enzyklopädie Wikipedia war wegen der Abbildung eines alten Scorpions-Covers im vergangenen Jahr auf der Filterliste gelandet, was zu größeren technischen Komplikationen führte. Die IWF rechtfertigt sich in dem Bericht damit, dass sie die Entscheidung von Polizisten überprüfen ließ: "Diese bestätigten unsere Einstufung des Inhalts. Diese Information wurde an Wikipedia übermittelt", heißt es in dem Bericht. Gegenüber heise online hatte ein Sprecher der Wikimedia Foundation aber den Erhalt dieser Information bestritten.

Die Entsperrung der Wikipedia sei aus Gründen des öffentlichen Interesses geschehen, heißt es in dem Bericht: "Hauptziel der IWF ist es, die Verfügbarkeit von unsittlichen Bildern von Kindern im Internet zu minimieren – unter Umständen haben unsere Bemühungen aber manchmal den gegenteiligen Effekt". Auf eine Sperrung von Inhalten des Internet-Archivs Way Back Machine im Januar geht der Bericht nicht ein.

Siehe dazu auch:

(Torsten Kleinz) / (hob)

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