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Internet-Zockerei: Eine halbe Billion US-Dollar Umsatz im Jahr 2015

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Online-Glücksspiel zählt schon seit geraumer Zeit zu den Branchen mit den stärksten Wachstumsraten. Nach Zahlen von Gamingpublic.com steigt der Umsatz mit Internet-Zockerei jährlich um 22 Prozent. In diesem Jahr sollen rund 15 Milliarden US-Dollar in die Kassen von Online-Glücksspielanbietern fließen. Für das Jahr 2015 erwarten die Analysten von Merill Lynch einen Jahresumsatz von bis zu 528 Milliarden US-Dollar. Selbst Einschnitte wie der jüngst in den USA zur Eindämmung der Internet-Zockerei verabschiedete Unlawful Internet Gambling Enforcement Act verursachen offenbar nur kleine Dellen in den steilen Wachstumskurven.

Zwar haben zahlreiche Anbieter wegen des zunehmenden Drucks inzwischen ihr USA-Geschäft auf Eis gelegt, konzentrieren sich nun aber mit einer aggressiven Strategie vor allem auf den europäischen Markt. Dort kündigte beispielsweise die britische Regierung an, künftig offizielle Lizenzen für den Betrieb von Online-Casinos und -Wettannahmestellen herausgeben zu wollen. In Deutschland zeichnet sich unterdessen eine Verlängerung des Streits über das staatliche Glücksspielmonopol ab. Eine Entscheidung über den geplanten Glücksspiels-Staatsvertrag wird bei der Konferenz der Ministerpräsidenten an morgigen Mittwoch in Berlin möglicherweise vertagt.

"Wir werden uns auch mit der Frage befassen, ob vor einer Unterzeichnung des Vertragsentwurfs noch eine Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs abgewartet werden kann, die sich mit dem Glücksspielrecht in Italien befasst", sagte Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) der Nachrichtenagentur dpa in Hannover. Wulff hält trotz breiter Kritik am Erhalt des staatlichen Lotterie-Monopols fest, das den Bundesländern jedes Jahr einen Geldsegen von mehreren hundert Millionen Euro beschert.

Im Oktober hatten sich die Ministerpräsidenten auf eine Neufassung des Staatsvertrags für die kommenden vier Jahre verständigt. Diese war nötig geworden, nachdem das Bundesverfassungsgerichts im März entschieden hatte, dass die Länder bis Ende 2007 den Bereich der Sportwetten neu regeln und die Spielsucht bekämpfen müssten. Das staatliche Sportwettenmonopol dürfe nur dann bestehen bleiben, wenn die Lotterieverwaltungen "umgehend" vor Suchtgefahren des Wettens warnen und jede Werbung einstellen, die "gezielt zum Wetten auffordert", befanden die Karlsruher Richter.

Die Medienindustrie appellierte unterdessen an die Bundesländer, sich vom staatlichen Monopol bei Sportwetten zu verabschieden und private Anbieter zuzulassen. Der "Arbeitskreis Wetten", dem das Internet-Portal Bild.T-Online, der Sportsender DSF, die TV-Konzerne ProSiebenSat.1 Media AG und EM.TV, der Bezahlsender Premiere und RTL angehören, setzt sich für ein Nebeneinander von staatlichen und privaten Wettangeboten ein, das von einer Aufsichtsbehörde reguliert werden soll. Zu dem Konzept gehören auch Maßnahmen zur Vorbeugung vor Spielsucht und zum Jugendschutz.

Niedersachsen könnte eine Unterzeichnung des Glücksspiel-Staatsvertrages unterdessen teuer zu stehen kommen, denn dem neuen Besitzer der niedersächsischen Spielbanken muss möglicherweise einen Teil des Kaufpreises zurückgezahlt werden, wenn Glücksspiel im Internet verboten wird. Eine Sprecherin des Finanzministeriums in Hannover erläuterte, die Casinos Austria hätten 7,6 von 90,6 Millionen Euro dafür gezahlt, dass die rechtlichen Voraussetzungen für die Einrichtung eines Internet-Casinos geschaffen würden. Der neue Staatsvertrag der Länder sieht bislang aber ein Verbot von Glücksspiel im Internet vor. (pmz)

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