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Internet der Dinge: Schwarmintelligenz und Cloud-Funktionen fürs vernetzte Auto

Die Autoindustrie will bis 2030 Milliarden vernetzte Fahrzeuge auf die Straße bringen. Um diese mit smarten Funktionen zu versorgen, müssten ganz neue Rechnerarchitekturen entwickelt werden, hieß es auf der Konferenz "Industry of Things".

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Internet der Dinge: Schwarmintelligenz und Cloud-Funktionen fürs vernetzte Auto

(Bild: Stefan Krempl)

Wirklich nützliche und intelligente Dienste für das vernetzte Auto gibt es bislang nicht, räumte Swen Postels, Cheftechniker für den Fahrzeugsektor bei Hewlett Packard Enterprise, auf der Konferenz "Industry of Things" in Berlin ein. "Wir haben die vergangenen 15 Jahren damit verbracht, das Internet und das Auto zusammenzubringen", erklärte der Stratege.

Die fahrbaren Untersätze hätten inzwischen einen gewissen Vernetzungsgrad über das Backend erreicht und erste einschlägige Online-Funktionen stünden zur Verfügung. Wirklich aufregend sei es aber nicht, wenn etwa die versprochenen "Echtzeit-Verkehrsinformationen" mit 30 Minuten Verspätung ankämen.

Swen Postels meint, für Millionen vernetzter Autos mit Milliarden Kommunikationsknoten brauche es ein neues Rechnerkonzept mit eigenem Hard- und Software-Stack.

(Bild: Stefan Krempl)

Eine Erklärung für das Manko hatte Postels parat: Die bisherigen einschlägigen Digitalisierungsbemühungen setzten auf Bus-Datenübertragungssysteme, die für ganz andere Zwecke entwickelt wurden. IT-Dienstleister arbeiteten daher inzwischen an echten vernetzten Plattformen für die Fahrzeugwelt. Hauptziel sei es, mithilfe von Sensoren die Sicherheit, die Effizienz und den Komfort im Auto zu erhöhen.

Als neue Anwendungen machte der Entwickler Services aus, die Daten zu Wetterbedingungen, Straßenkonditionen, Infrastruktur und Standort verbinden. Wichtig sei es, schon beim Anfallen der Informationen "mehr aufs Maschinenlernen zu setzen" und den Computer selbst Entscheidungen treffen zu lassen. Wieso solle sich etwa nicht quasi von selbst das Cabriodach schließen, wenn 50 Autos auf der vorausliegenden Strecke starken Regen melden, erläuterte Postels.

Auch fragte der Techniker, warum in Mietfahrzeugen und beim Carsharing nicht direkt auf Basis der eigenen Körpermaße und persönlicher Präferenzen etwa der Sitz oder der bevorzugte Radiosender eingestellt werde. Eine Grundvoraussetzung für derlei Dienste sei freilich, Regeln für die Datensicherheit und zum Schutz der Privatsphäre der Nutzer festzulegen und vorab in die Systeme zu integrieren. Entsprechende Regeln inklusive Verschlüsselung seien elementar, auch um Hacks auszumachen und verlorengegangene Informationen wiederherzustellen.

Wenn Daten über horizontale Anwendungen im Internet der Dinge, der Industrie 4.0, dem vernetzten Heim und Auto oder der übergeordneten Smart City aus verschiedenen technischen Ökosystemen zusammenkämen, sei deren Handhabe und Analyse aber eine enorme Herausforderung, gab Postels zu bedenken.

HP Enterprise habe neben GM, VW, Nissan und Toyota etwa auch China Mobile als Kunden. Die dort über 850 Millionen Endgeräte anfallenden Verbindungs- und Standortdaten oder persönlichen Profile auf "Penta- oder bald Brontobyte-Ebene" in Echtzeit zu bewerkstelligen, sei "nicht so einfach".

Allein VW wolle bis 2020 rund 90 Millionen vernetzte Autos auf die Straße bringen, die gesamte Industrie bis 2030 Milliarden. Klar sei, dass die IT-Wirtschaft bis dahin "Milliarden Knoten" im Netz verwalten können müsse. "Dafür brauchen wir ein neues Rechnerkonzept mit eigenem Hard- und Software-Stack", meinte Postels. "Wir werden sonst schlicht nicht die nötigen Serverressourcen und die dafür erforderliche Energie zur Verfügung haben." Selbst leistungsfähige aktuelle Big-Data-Analyseprogramme wie Hadoop hätten ihre Grenzen. (Stefan Krempl) / (kbe)

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