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Internet of Everything: Relevantes Shoppen statt bloß personalisiert

Der Einzelhandel könnte besonders vom Internet of Everything profitieren, glaubt Cisco. Dazu braucht es Kameras, Sensoren, neue Software und, wenn Sie bitte so nett wären, Ihre Browser-History.

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Internet of Everything: Relevantes Shoppen statt bloß personalisiert

Personalisiertes Marketing war gestern, meint Cisco. Die Zukunft liege in der "Hyper-Relevanz". Bisher versuchen Einzelhändler die Gewohnheiten ihrer Kunden zu erfassen, um anschließend maßgeschneiderte Werbebotschaften zu erzeugen. In Zukunft soll der Kunde in seiner jeweils aktuellen Situation verstanden werden, weil unsere Bedürfnisse nicht immer gleich sind. Ermöglicht wird das durch eine Flut an Sensoren plus tiefer Analyse der von ihnen übermittelten Daten.

Für Cisco fällt das unter Internet of Everything. Mit diesem Begriff umreißt der IT-Konzern seine Herangehensweise an das Internet of Things: Neben den Dingen sollen auch die Menschen Teil davon werden, und zwar über ihre Rolle als Datenquelle. Der Supermarkt der Zukunft beobachtet einen Kunden von seinem Eintreffen am Parkplatz bis zum Verlassen des Areals – und darüber hinaus.

WLANs und Bluetooth-Beacons verfolgen die Kundenhandys, auf denen womöglich noch eine App des Händlers installiert ist. Kameras und Infrarotsensoren scannen den Kunden und registrieren vielleicht auch den mitgebrachten Hund. Gestik und Mimik des Besuchers werden ausgewertet. Sensoren unter jedem Parkplatz, in jeder Tür, auf jedem Regal und natürlich im Einkaufswagen erfassen Ereignisse, Geschwindigkeiten, Gewicht, Regalfüllstand und so weiter. Vielleicht weiß der Supermarkt bald besser, ob Sie zugenommen haben, als Ihr Lebenspartner, Arzt oder Apotheker.

Im IoE-Supermarkt verfolgen Kameras und Sensoren die Kundin auf Schritt und Tritt. Mit aktuell aus den gewonnenen Daten zielgerichtet generierter Werbung soll sie zum spontanen Griff ins Regal gebracht werden.

(Bild: Cisco)

Auch die Mitarbeiter des Geschäfts sind Menschen mit mobilen Geräten. Zudem können sie direkt verwanzt werden, etwa durch ein WLAN-Tag im Namensschild. Daraus gewonnene Erkenntnisse sollen die Effizienz des Personaleinsatzes steigern.

Die erfassten Daten sollen Erkenntnisse unterschiedlicher Art ermöglichen. Schafft es eine Einzelhandelskette, darauf richtig zu reagieren, könne sie ihren Gewinn im zweistelligen Prozentbereich wachsen lassen, schätzt Cisco. Allerdings müssen dafür die Daten sofort verarbeitet werden und nicht etwa in einem Batchverfahren nach Geschäftsschluss.

Wenn sich der Parkplatz füllt, könnte es sich auszahlen, die Zahl der besetzten Kassen gleich zu erhöhen. Denn Warteschlangen verscheuchen manche Einkäufer gleich wieder. Bei sich leerenden Regalen rechtzeitig zu nachzulegen stützt ebenfalls den Umsatz.

Außerdem soll interaktive Reklame im Geschäft einzelne Kunden persönlich ansprechen, um sie up- und crosszusellen. Dafür sei es wichtig, die aktuelle Situation des Kunden zu begreifen. "Wenn ich am Flughafen einen geräuschreduzierenden Kopfhörer suche, weil ich meinen zu Hause vergessen habe, bin ich ein anderer Kunde, als wenn ich am Samstag in einen Elektronikmarkt schlendere und mich für die gleichen Kopfhörer interessiere", brachte Joseph M. Bradley, Vice President von Cisco Consulting Services, vergangene Woche auf der Cisco Live US in San Diego ein Beispiel.

Predictive Analysis, also die Analyse großer Datenmengen zur Errechnung von Vorhersagen, soll die Erkenntnisse ermöglichen. Besonders hilfreich wäre dafür, zu wissen, was ein Verbraucher anderswo gekauft und mit welchen Webseiten und Apps er interagiert hat.

Allerdings weist Cisco darauf hin, dass die Menschen bestimmte Daten nicht gerne preisgeben. Ein Teil davon könnte aber zugänglich werden, wenn der Händler es schafft, das Vertrauen seiner Abnehmer zu gewinnen. (ea)