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Internetfernsehen: Junge Arbeitslose senden aus der Uckermark

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Der Bundespräsident bei der Fahrt auf dem Mähdrescher, der Staatssekretär am Biertisch: Die Macher des Internetfernsehsenders Uckermark Life TV sind zur Stelle, wenn sich die politische Prominenz im Landkreis umschaut und mit den Wählern spricht. Zu sehen waren die Beiträge im vergangenen Jahr. "21 Jugendliche haben insgesamt 110 Filme und Nachrichtensendungen produziert", sagt die Leiterin des Kreativ Labors Uckermark, Olivia Schubert. Der 2003 gegründete Verein aus Prenzlau ist Träger des Projektes, an dem ausschließlich langzeitarbeitslose Jugendliche teilnehmen. Vor allem sollen sie lernen, worauf es neben der fachlichen Qualifikation in der Arbeitswelt auch ankommt: Teamfähigkeit, Selbstbewusstsein, souveräner Umgang mit Konflikten.

In diesem Jahr bringen 15 Jugendliche das Internetfernsehen erneut auf Sendung. Am Dienstagabend wurde Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) in Potsdam interviewt. Es ging unter anderem um die 15 Wachstumskerne im Land, wozu auch die uckermärkische Stadt Schwedt gehört, um Platzecks Meinung zur CDU ("na ja") und einen Ratschlag: "Problematische Dinge lassen sich mit Frohsinn besser erledigen." Am Rande des Treffens räumt der Regierungschef ein, dass die Situation in der Uckermark nicht einfach sei. "Wir dürfen aber nicht den Kopf in den Sand stecken."

Die Teilnehmer ihres Projektes seien Langzeitarbeitslose, die sich "40- oder 50-mal erfolglos beworben" hätten, erklärt Schubert. Für Uckermark Life TV seien die Jugendlichen ein Jahr einem geregelten Arbeitsleben nachgegangen – 40 Stunden pro Woche mit Entlohnung. Knapp 4000 erwerbsfähige Menschen unter 25 Jahren bezogen in der Uckermark im Januar 2006 Arbeitslosengeld II, wie Kreissprecherin Ramona Neumann sagt. Laut Schubert haben sieben Teilnehmer des Internetfernsehprojekts eine Festanstellung bekommen.

Um das Thema Arbeit gehe es in diesem Jahr. "Es werden Beiträge über die Arbeitswelt allgemein gedreht und Firmen vorgestellt." Dabei solle die Neugierde der Jugendlichen für soziale Themen geweckt werden. Die verantwortliche Redakteurin bei Uckermark-Life TV, Severine Kamrath, ist gelernte Bürokauffrau. Die 25-Jährige war beim ersten Projekt dabei und betreut nun ehrenamtlich die Fortsetzung des Internetfernsehens. Einen neuen Arbeitsplatz hat sie nicht. Sie sagt, sie würde sich auch außerhalb der Region bewerben, wenn sie in der Uckermark keinen Arbeitsplatz bekäme.

Auch Kameramann Tomasz Jäschke kann sich vorstellen, seine Heimat zu verlassen. "Mir fehlt hier der Austausch und Leute mit ähnlichen Interessen", sagt der 23-Jährige. Redakteurin Katja Jentsch dagegen würde gerne in der Uckermark bleiben. Sie wünsche sich, dass "mehr für die Wirtschaft" getan werde, damit sich Firmen ansiedeln.

Lob für das den Angaben zufolge erste Internetfernsehen in der Uckermark kommt derweil vom Ministerpräsidenten: "Es scheint eine sehr spannende Sache zu sein." Platzeck hat die Schirmherrschaft über ein weiteres mediales Unternehmen aus der Uckermark mit dem Titel "DedeLowTide" übernommen. Dabei handelt es sich Schubert zufolge um eine Telenovela, die in Abgrenzung von ähnlichen Formaten aus Berlin das Leben junger Menschen in der ländlichen Region zeigen soll. Es gehe um den Ort Dedelow. Die Sendung soll ebenfalls auf Uckermark- Life TV zu sehen sein. (Leticia Witte, dpa) / (jk)

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