Menü

Brandenburger Internetwache: Immer mehr Anzeigen gehen online ein

Eine Straftat zur Anzeige zu bringen, ist nicht immer einfach. Manchmal erfordert es auch Mut. Die Polizei in Brandenburg bietet darum eine besonderen Service. Eine Internetwache bieten viele Bundesländer an.

vorlesen Drucken Kommentare lesen 37 Beiträge
Internetwache: Immer mehr Anzeigen gehen online ein

Internetwache des LKA NRW (Internetportal)

(Bild: LKA NRW )

Bei der Brandenburger Polizei gehen immer mehr Strafanzeigen online ein. 2017 wurden bei der "Internetwache", dem Service-Portal der Polizei, mehr als 35 000 Anzeigen erstattet, wie die Behörde auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur mitteilte. Zum Vergleich: 2012 waren es noch rund 26 500 Anzeigen. Seitdem stiegen die Zahlen kontinuierlich an. Vor allem Kfz- und Fahrraddiebstähle meldeten Bürger online.

Ungefähr ein Fünftel aller gemeldeten Anzeigen gingen nach Schätzungen der Polizei über das Service-Portal ein. Allerdings könne die Zahl nicht mit der der begangenen Straftaten gleichgesetzt werden, betonte der Leiter der Landeswebredaktion, Norbert Remus. "Es muss natürlich immer erst geprüft werden, ob es sich bei dem Sachverhalt wirklich um eine Straftat handelt", sagte Remus. Daher sei ein Abgleich mit der Kriminalitätsstatistik schwierig.

Die steigenden Zahlen bestätigten jedoch, dass die Hürde, eine Straftat bei der Polizei zur Anzeige zu bringen, durch das Online-Portal sinke, sagte Remus. "Vielen fällt es leichter, wenn sie erst einmal anonym bleiben können, anstatt auf die Wache zu gehen."

Besonders bei Straftaten zur Wirtschaftskriminalität und Korruption sei Anzeigenerstattern die Anonymität wichtig. 210 Anzeigen gingen im vergangenen Jahr aus diesem Bereich ein. "Wenn ein Mitarbeiter einen Korruptionsfall in seinem Unternehmen meldet, will er erst einmal unerkannt bleiben", meinte Remus. Bei bestimmten Straftaten wird die IP-Adresse des Nutzers daher nicht gespeichert. "Wenn es zum Ermittlungsverfahren kommt, müssen die Personalien natürlich offen gelegt werden, um Polizei und Staatsanwaltschaft Befragungen zu ermöglichen", erklärte Remus.

2003 gründete die Brandenburger Polizei die "Internetwache". Damit war sie nach eigenen Angaben die erste Polizeibehörde Deutschlands, die mit einem solchen Web-Portal online ging. Mittlerweile verfügen viele Bundesländer über den gleichen Service und leiten falsch platzierte Anzeigen an die entsprechenden Stellen und Bundesländer weiter. Neben Strafanzeigen können Bürger auch Hinweise, Lob oder Beschwerden auf diesem Weg loswerden. "Alles, was einem auf dem Herzen liegt", sagte Remus. Auch können Ordnungswidrigkeitsverfahren eingesehen oder Bußgelder bezahlt werden. Selbst der Kampfmittelräumdienst lässt sich über das Web-Portal für ein Grundstück beauftragen.

"Die Seite wird immer bekannter", sagte Remus mit Blick auf die steigenden Anzeigenzahlen - sogar über Brandenburg hinaus. "Bei uns gehen Meldungen aus ganz Deutschland ein. Wir hatten sogar schon eine Anzeige aus Brasilien." Allerdings müsse man diese Fälle an die örtlich zuständigen Behörden weiterleiten - das Portal ist nur für Brandenburger beziehungsweise Fälle mit Bezug zum Land gedacht.

Auch ersetze die Internetwache keinen Notruf, warnte Remus. Für Fälle wie häusliche Gewalt oder eine Schlägerei vor der Haustür, die Soforthandlungen erfordern, sei das Web-Portal keine Lösung. (bme)