Interpol wirbt beim ICANN-Treffen für DNS-Sperren

In San Francisco haben sich Strafverfolger dafür eingesetzt, mit Sperren gegen Kinderpornografie vorzugehen. Auch beklagten sie die mangelnde Zuverlässigkeit der Whois-Daten.

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Beim 40. Treffen der Internet Corporation for Assigned Names and Numbers (ICANN) haben Vertreter von Strafverfolgungsbehörden, insbesondere Interpol, für DNS-Sperren gegen Kinderpornographie geworben. Björn-Erik Ludvigsen, der von der norwegischen Polizei zu Interpol abgeordnet ist, sagte während einer Diskussion zu DNS-Missbrauch, "jedes Land sollte seine eigene Blocking-Liste haben", um jeweils nationalen Gesetzen zu entsprechen. Die Interpol-Liste umfasst laut Angaben der Beamten rund 400 Domains.

Bei den gelisteten Domains handele es sich um die "schlimmsten" denkbaren Inhalte, die praktisch überall strafbar seien, sagte der Beamte. Neben den Sperren, die von Polizeibehörden weltweit als sinnvoll angesehen werden, drängten die in San Francisco anwesenden Vertreter des FBI, der US Drug Enforcement Agency und der US Food and Drug Administration auch auf eine engere "Zusammenarbeit" zwischen Domainregistries und -registraren und den Ermittlern.

Viel Kritik daran wurde nicht laut. Marc Rotenberg vom Electronic Privacy Center (EPIC) erinnerte auf dem ICAN-Treffen daran, dass rechtsstaatliche Verfahren notwendig seien. Ram Mohan, CTO von Afilias warnte vor zu vielen unerwünschten technischen "Nebenwirkungen" bei DNS-Sperren. Auch wurde darauf hingewiesen, dass die Sperren mit DNSSEC kollidieren könnten, das eigens für mehr Sicherheit der Nutzer eingeführt werden soll.

Christine Jones, Managerin des Domainregistrars GoDaddy, sagte, ihr Unternehmen arbeite zweigleisig. Es unterstütze aktiv die Kriminalisierung von DNS-Missbrauch in US-Gesetzen, strebe aber auch die freiwillige Mitwirkung der Industrie an. Die Strafverfolger hätten nicht die Ressourcen, "jeden Spammer mit einer 9,99-Dollar-Domain zu verfolgen". GoDaddy beschäftigt laut Jones 100 Mitarbeiter, die rund um die Uhr Anfragen bearbeiten.

Interpol und US-Strafverfolger beklagten in San Francisco auch die mangelnde Zuverlässigkeit der Whois-Daten. Bei dem Dauerthema drängen die europäischen Datenschützer darauf, persönliche Daten von Privatpersonen nicht zwangsweise zu veröffentlichen. Strafverfolger jedoch pochen auf schärfere Maßnahmen der ICANN gegen unrichtige Whois-Angaben.

Als historisches Relikt und inzwischen eigentlich entbehrlich bezeichnete Lutz Donnerhacke das klassische Whois. Er verwies darauf, dass die aktuellen Regeln und Neuregelungen der ICANN auch mit Länderdomains im Widerspruch zu den Datenschutzgesetzen verschiedener Länder stünden. Donnerhacke arbeitet als Vertreter der Nutzergemeinde in einer Arbeitsgruppe, die die Whois-Regeln der ICANN unter die Lupe nehmen soll und dafür auch noch Stellungnahmen von Interessierten (PDF-Datei) einsammelt. (anw)