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Intershop zieht Konsequenzen aus Krise

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Der Jenaer Internetsoftware-Spezialist Intershop zieht aus der Krise personelle Konsequenzen und ordnet seine Führungsstruktur neu. Firmengründer und Vorstandschef Stephan Schambach übergibt die Verantwortung für das operative Geschäft an seinen Kollegen Wilfried Beeck. Künftig kümmert sich Schambach verstärkt um "Strategie und Partnerschaften" des einstigen Anlegerlieblings am Neuen Markt der Börse. Für 2001 kündigte die Intershop Communications AG (Jena/Hamburg) am Donnerstag zudem erneut hohe Verluste an.

"Man darf hier keine Wunder erwarten. Vor allem in der ersten Jahreshälfte rechnen wir mit einem relativ hohen Verlust", sagte Beeck in Frankfurt. Frühestens im vierten Quartal hofft der Anbieter von Software für den elektronischen Handel via Internet nun auf den Sprung in die Gewinnzone. Unter dem Strich sei für 2001 ein ähnlich hohes Minus zu erwarten wie im Vorjahr (38,9 Millionen Euro). Der Umsatz werde lediglich um ein Fünftel auf 140 bis 160 Millionen Euro steigen. 2000 hatten die Erlöse noch von 46,3 Millionen auf 123 Millionen Euro zugelegt.

Von der einstigen Euphorie und dem Selbstbewusstsein in der Vorstandsetage bei Intershop scheint indes nicht mehr viel übrig zu sein. Zu Lizenzverkäufen in den ersten beiden Monaten dieses Jahres wollte Beeck keine Angaben machen. Alle Konzentration liege vorerst auf der eingeleiteten Restrukturierung, betonte er. Die Entlassung von rund 200 Beschäftigten habe aber negativ zu Buche geschlagen, da "zum Teil Abfindungen gezahlt werden mussten". Die Zahl der Angestellten wird bis auf weiteres auf 1.200 begrenzt.

Für die Aussichten im wichtigsten Software-Markt USA sieht das Management vorerst schwarz. "Das USA-Geschäft wird auf lange Zeit auf einem niedrigen Niveau bleiben." Dabei wollte Intershop gerade jenseits des Atlantiks groß auftrumpfen. Nun solle mit mehreren Partnerschaften die Position am US-Markt gestärkt werden. Schambach, der in den USA verweilte und sich auf der Bilanzpressekonferenz nicht persönlich den Fragen stellte, werde sich darum weiterhin verstärkt kümmern, so Beeck. Der Vorstand hofft zudem, dass mehrere potenzielle Kunden, die Ende 2000 ihre Aufträge kurzfristig storniert hatten, im Laufe der Zeit doch noch an Bord kommen.

Der Rückzug Schambachs sei nicht als schleichender Abschied aus der Firma zu verstehen, unterstrich Beeck. "Das Gegenteil ist der Fall." Der Anstoß für die Neuordnung der Verantwortung in der Führungsspitze sei zudem von Schambach selbst gekommen, erläuterte er. "Natürlich ist das auch immer eine gemeinschaftliche Entscheidung von Aufsichtsrat und Vorstand", sagte Beeck.

Die Intershop-Aktie reagierte auf die "strategische Neuorientierung" bis Donnerstagmittag mit einem Kursgewinn von rund fünf Prozent auf 7,10 Euro. Von ihrem Höchststand mit rund 140 Euro zu Beginn des vergangenen Jahres ist die Aktie aber noch meilenweit entfernt. (Olaf Zapke, dpa) (dal)