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Invasoren im Ballastwasser

Dafür, dass sie mehrere tausend Kilometer von ihrer Heimat entfernt lebt, fühlt sich die chinesische Wollhandkrabbe hierzulande sehr wohl. Nach Europa gekommen ist der Eindringling vermutlich Anfang des 20. Jahrhunderts im Ballastwasser von Schiffen. Auf demselben Weg reisen Jahr für Jahr zahlreiche weitere Tierarten und Krankheitskeime um die Welt. Insgesamt werden an Bord von Schiffen jährlich rund 12 Milliarden Tonnen Wasser bewegt. Für die Vereinten Nationen sind die zwangsglobalisierten Organismen eine der vier größten Bedrohungen der marinen Umwelt. Nun sollen neue Technologien das Trittbrettfahren verhindern, berichtet [1] Technology Review in seiner aktuellen Ausgabe 02/11 [2] (seit Donnerstag am Kiosk oder online [3] portokostenfrei bestellbar).

Nötig ist der Ballast, damit bei unbeladenen Schiffen die Schraube nicht aus dem Wasser ragt. Auch wenn Schiffe auf einer langen Reise ihre Brennstoffvorräte aufbrauchen, müssen sie das verlorene Gewicht durch Ballastwasser ausgleichen, das sie aus dem Meer pumpen. Der 330 Meter lange Öltanker "Desh Vishal" etwa schleppt bei einer Leerfahrt an die 100.000 Kubikmeter mit. Wenn er im Hafen wieder beladen wird, pumpt er den Ballast ab – und mit ihm Wassertiere, die dort nichts zu suchen haben.

Um diesen Fauna-Transfer zu unterbinden, hat die International Maritime Organization in London 2004 den sogenannten D1-Standard verabschiedet. Er schreibt vor, das Ballastwasser auf offener See, weit weg von den Küsten, auszutauschen. "Doch inzwischen weiß man, dass diese Maßnahme relativ uneffektiv ist", so Meeresbiologe Onno Groß von der Meeresschutzorganisation Deepwave. "Die meisten Organismen befinden sich nämlich in den Sedimenten am Boden der Tanks und bleiben dort, auch wenn das Wasser getauscht wird." Daher gilt voraussichtlich ab 2012, spätestens aber ab 2016 der verschärfte D2-Standard. Eine der Auflagen darin: Ballastwasser darf nur noch abgepumpt werden, wenn es pro Kubikmeter höchstens 10 lebende Organismen mit einer Größe von maximal 50 Mikrometern enthält.

Mehr zum Thema in Technology Review online:

(bsc [5])


URL dieses Artikels:
http://www.heise.de/-1177821

Links in diesem Artikel:
[1] https://www.heise.de/tr/artikel/Das-verschleppte-Problem-1176068.html
[2] http://www.heise.de/tr/magazin/?ausgabe=2007
[3] http://www.heise.de/kiosk/einzelhefte/tr.shtml
[4] https://www.heise.de/tr/artikel/Das-verschleppte-Problem-1176068.html
[5] mailto:bsc@heise.de