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Iran blockiert VPN-Verbindungen

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Die iranischen Behörden erweitern offenbar ihre Zensurmaßnahmen im Internet und sperren den Nutzern den Netzzugang über Virtual Private Networks (VPN). Lediglich behördlich registrierte VPN-Zugänge sollen davon ausgenommen sein, wie der Informationsminister Mohammad Hassan Nami laut Bericht des Tehran Chronicle vergangenene Woche verlautete.

Zuvor hatten die Behörden dem Chronicle zufolge Ende Februar bekanntgegeben, mit dem Verkauf offizieller VPN-Dienste zu beginnen. Nutzer könnten sich dafür anmelden, wobei jeder Fall einzeln geprüft werde. Der Zugang soll in erster Linie wohl Unternehmen, öffentlichen Einrichtungen und Finanzinstitutionen zur Verfügung stehen. Ports für nicht-registrierte VPN-Verbindungen würden geschlossen. Ferner werde VPN-Nutzung zur Umgehung staatlicher Netzfilter verfolgt und strafrechtlich belangt, wie Nami laut Bericht betonte.

Damit dürfte der Iran, der als Musterbeispiel restriktiver Netzpolitik gilt, ein weiteres Schlupfloch geschlossen haben: Zahlreiche Dienste wie etwa Twitter, Facebook oder westliche News-Seiten werden seit längerem blockiert, was sich aber über die im Land offenbar beliebten VPN-Verbindungen umgehen ließ. Bereits im Februar 2012 wurde bekannt, dass auch verschlüsselte Internetverbindungen im Land systematisch gestört werden, vermutlich ebenfalls durch staatliche Zensurmaßnahmen.

Gleichzeitig bemüht sich die iranische Regierung der „westlichen Dominanz“ im Netz eigene Inhalte entgegenzusetzen. So ging das Videoportal mehr.ir im Dezember in Betrieb, mit dem wohl auch der Einfluss iranischer Kultur und des Islam gestärkt werden soll. Ebenso lassen Regierungskreise immer wieder den Plan verlauten, das Land komplett vom Netz abzukoppeln und ein nationales Internet zu schaffen. Zuletzt wurde das Vorhaben im August vergangenen Jahres bekräftigt, wobei in einem ersten Schritt alle iranischen Ministerien und Behörden vom Internet getrennt werden sollten. (axk)