Iran sperrt den Zugang zu populären Websites

Iranische Internetprovider müssen populäre Websites wie Wikipedia, YouTube oder Amazon blockieren.

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Von
  • Florian Rötzer

Am Sonntag wurde im Iran angeordnet, den Zugang zu einigen der am meisten besuchten Websites zu blockieren, berichtet der Guardian. So sei es nicht mehr möglich auf Amazon.com, IMDB.com, YouTube.com und auch auf die Online-Enzyklopädie Wikipedia.org vom Iran aus zu gelangen. Wer die Websites öffnen will, erhält die Benachrichtigung, dass die verlangte Seite verboten sei.

Mitte Oktober hat die iranische Regierung bereits die Internetprovider dazu verdonnert, die Bandbreite auf 128 Kilobit pro Sekunde zu begrenzen. Damit sollte das Herunterladen von Musik, Videos oder Fernsehprogrammen aus dem Ausland erschwert werden. Die iranische Regierung sagt, dass der Einfluss der westlichen Kultur die eigene beschädige. Vor allem hat man aber auch Angst, dass die vorwiegend jungen Internetnutzer die Macht der Regierung untergraben könnten. Der Iran hat eine große Bloggerszene, zudem gibt es hier die meisten Internetnutzer im Nahen Osten.

Iran ist eines der Länder mit den schärfsten Zensurmaßnahmen. Man geht hart gegen Journalisten und Blogger vor, hat fast alle reformorientierten Zeitungen geschlossen, Satellitenschüsseln verboten und den Zugang zu Websites und Blogs von Oppositionellen, aber auch zu bestimmten Nachrichtenseiten gesperrt. Angeblich soll nun auch der Zugang zur New York Times blockiert werden. Wie ein Mitarbeiter des iranischen Providers Datak gegenüber dem Guardian erklärte, habe man um eine Erläuterung der Anordnung gebeten, bislang aber nur eine Bestätigung dafür erhalten, dass Wikipedia gesperrt werden müsse.

Mohammed Tourang, der Leiter der Informationsbehörde, hatte bereits vergangene Woche angekündigt, dass man schärfer gegen Websites mit "unmoralischen und illegalen" Inhalten vorgehen werde. Das betreffe vor allem alles, was die nationale Sicherheit bedrohe oder die Religion angreife. Auch die in den Iran importierten Zeitschriften werden zensiert, indem man "unzüchtige" Abbildungen einschwärzt.

Zur Umgehung der Internetzensur bietet das Citizen Lab am Munk Centre for International Studies der Universität Toronto auch mit Blick auf den Iran seit dem 1. Dezember das Programm psiphon an. (fr)