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Irischer Provider Eircom blockiert die Piratenbucht

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Eircom, der größte irische Provider, wird seinen Kunden vom 1. September an den Zugang zu The Pirate Bay versperren. Der Zugangsanbieter folgt damit den Bestimmungen einer außergerichtlichen Einigung in einem Rechtsstreit mit den großen Plattenfirmen EMI, Sony BMG, Universal und Warner. Dies berichtet die Irish Times. Andere irische Provider wie BT Ireland oder der Kabelnetzbetreiber UPC wollen den Blockadewünschen der Musikindustrie für den schwedischen Torrent-Tracker dagegen nicht nachkommen. Es gebe für ein entsprechendes Ansinnen keine Rechtsgrundlage, heißt es bei ihnen. UPC gelobte zudem, im Gegensatz zu Eircom die eigene Position gegen die rechtlichen Androhungen der Rechteinhaber gegebenenfalls entschieden vor Gericht zu verteidigen.

Der Platzhirsch unter den irischen Internet-Providern hatte sich Ende Januar zum einen bereit erklärt, ein "Three Strikes"-System zur abgestuften Erwiderung auf Urheberrechtsverstöße im Internet aufzusetzen. Details der entsprechenden Vereinbarung mit der Irish Recorded Music Association (IRMA) hat die Nachrichtenseite TorrentFreak vor Kurzem aufgedeckt. Der irische Verband der Musikwirtschaft wird demnach Eircom mit IP-Adressen von Rechtsverletzern und entsprechenden "Nachweisen" über getauschte Werke und die genutzte Filesharing-Anwendung versorgen. Nach zwei Warnhinweisen soll Eircom dann Netzzugang des angeblichen Wiederholungstäters kappen. Als Beschwerdeinstanz ist zunächst allein der Kundendienst des Providers vorgesehen. Wie die Call-Center-Mitarbeiter die Eingaben betroffener Nutzer handhaben sollen, ist dem Bericht nicht zu entnehmen.

Im Zuge des Vergleichs mit der IRMA willigte Eircom auch ein, keine von der Musikindustrie vor Gericht erreichte Sperrungsaufforderung abzulehnen. Die Lobbyvereinigung hat nun zunächst am 24. Juli eine Verfügung erwirkt, wonach der Zugangsanbieter die sich gerade in einem Umwandlungsprozess befindliche Pirate Bay zu blockieren hat. Der Richter merkte dabei an, dass die Torrent-Site sich in einer "verrückten ideologischen Sichtweise" dem Stehlen geschützter Werke verschrieben habe. Einige der betroffenen "hart arbeitenden Künstler" seien zwar "sehr reich". Viele würden aber mit ihrem Schaffen und der Liebe zur Musik allenfalls gerade so über die Runden kommen. Ein Vertreter Eircoms hatte laut der Irish Times gegenüber anderen Providerkollegen bei einer Anhörung im Januar davon gesprochen, dass Filesharing der Gesundheit "Kokain-schnüffelnder Rockstars" zuträglich sei, da es ihnen weniger Geld übrig lasse für "Sex und Drogen". (Stefan Krempl) / (jk)