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Israel: Kritik an anonymer Messaging-App Blindspot

Die iOS- und Android-App Blindspot lässt ihre Nutzer anonyme Nachrichten an die eigenen Kontakte schicken. In Israel fürchten viele nun noch mehr Belästigungen und protestieren.

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(Bild: Screenshot)

In Israel hat eine neue Messaging-App heftige Kritik auf sich gezogen, weil sie Nutzern erlaubt, anonym Nachrichten zu versenden und damit zu Belästigungen ermuntere, berichtet der Guardian. Einmal installiert, importiert Blindspot alle Kontakte aus dem Adressbuch des Mobilgeräts. An die können dann anonyme Mitteilungen gesendet werden. Haben Empfänger Blindspot installiert, können sie die lesen, erfahren aber nicht, wer sie gesendet hat, verspricht Blindspot. Hat der Empfänger die App nicht, bekommt er eine SMS, die auf die eingegangene Nachricht hinweist: Um sie zu lesen, muss man Blindspot installieren. Nutzer müssen nie verraten, wer sie sind, können andere aber blockieren. Wer drei Mal blockiert wird, fliegt aus der App.

Wie die Times of Israel berichtet, kommt aus dem israelischen Parlament lautstarke Kritik an der App, die erst seit einigen Tagen erhältlich ist. Der Knesset-Abgeordnete Meirav Ben-Ari habe Google und Apple bereits aufgefordert, die Anwendung aus ihren App-Stores zu nehmen. Er sei besorgt, dass die App neue Möglichkeiten schaffe, Menschen zu beleidigen. Der Guardian verweist auf Berichte über sexuelle Belästigungen, die über Blindspot verschickt wurden. Auch habe es laut einer israelischen Journalistin bereits anonyme Todesdrohungen gegeben ("Ich töte dich").

Geht eine Nachricht an nicht angemeldete Nutzer, werden die neugierig gemacht.

(Bild: Screenshot)

Blindspot wird von der israelischen Firma Shellanoo entwickelt und in dem Land intensiv beworben. Zu den Entwicklern gehört unter anderem der Bruder des bekannten israelischen Top-Models Bar Rafaeli. Für ihre Anwendung haben sie unter anderem Geld von dem russischen Unternehmer Roman Abramowitsch, der Sängerin Nicki Minaj und dem Musiker David Guetta erhalten, womit weltweite Aufmerksamkeit verbunden war. Die Entwickler verteidigen Blindspot als Spaß. Die meisten Nutzer wollten doch nur flirten, jemandem einen Streich spielen oder geheime Neuigkeiten schreiben, die sie sonst nicht erzählen würden. "Wir wollen, dass die Leute Spaß miteinander haben und vor allem, dass sie ehrlich zueinander sind." (mho)