Israel schickt Microsoft in die Wüste

Israelische Behörden haben alle Regierungsverträge mit dem Software-Produzenten Microsoft bis Ende 2004 auf Eis gelegt.

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Von
  • Hans-Peter Schüler

Israelische Behörden haben alle Regierungsverträge mit dem Software-Produzenten Microsoft bis Ende 2004 auf Eis gelegt. Wie der News-Dienst The Register berichtet, wird die Maßnahme unter anderem alle Updates staatlicher Arbeitsplätze auf Microsofts Office System 2003 verhindern.

Den Anlass für die Beziehungskrise lieferte eine Petition der israelischen Lobbyistengruppe Hofesh Online, deren Vertreter Oded Lavi auf die Durchsetzung israelischer Antitrust-Regelungen pocht. Microsoft gilt in Israel aus zweierlei Gründen als Monopolist: Zum einen verzeichnen die Produkte aus Redmond rund um Jerusalem einen Marktanteil von mehr als 50 Prozent, zum anderen gibt es seit 1999 eine bis vor kurzem unveröffentlichte diesbezügliche Absprache zwischen Microsoft und dem damaligen israelischen Antitrust-Kommissar David Tatmor. In dieser Übereinkunft erkennt der Softwarehersteller an, dass alle US-amerikanischen Antitrust-Maßnahmen auch in Israel angewendet werden sollen.

Zusammen mit dem Bekanntwerden dieser Absprache ließ die Hofesh-Petition den Regierungsbehörden kaum eine andere Wahl, als die weitere amtliche Unterstützung von Microsoft abzubrechen. Wie The Register spekuliert, könnte eine Mitschuld an dem Handelshemmnis in Microsofts eigener Sturheit liegen: Israels Amtssprache Hebräisch wird nämlich von rechts nach links geschrieben -- in der Vergangenheit ein Problem für Mac-Anwender, das sich erst seit dem vorigen Jahr lösen lässt, seit Mac OS X 10.2 auch solche Schriften unterstützt. Diese Erweiterung zeitigt aber keinen Einfluss auf Microsofts Bürosuite Office v.X:mac oder die Apple-Variante des Internet Explorer.

Zwar hat Apples Israel-Vertretung Yeda angeboten, die Lokalisierung dieser Software auf eigene Rechnung zu übernehmen, sogar eine Million Schekel (etwa 200.000 Euro) zuzuzahlen und 2000 Lizenzen des lokalisierten Office abzunehmen, aber der Plan ist am Einspruch von Microsoft Israel gescheitert. Nun sondieren die Israelis, ob sich OpenOffice als alternative Bürosoftware eignet -- ein glücklicher Zufall für deren Entwickler, dass jüngst mit der Version 1.1 auch der Umgang mit Rechts-nach-links-Schriften wie Hebräisch Einzug in der Suite gehalten hat. (hps)