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Italienische Mobilfunker Wind und 3 fusionieren

Die chinesischen und respektive russischen Eigentümer von 3 Italia und Wind Telecomunicazioni haben sich auf eine Fusion der italienischen Firmen geeinigt. Dabei bringt Vimpelcom viele Kunden und wird Schulden los.

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Piazza del Duomo, Reggio Emilia

Italien hat, noch vor Russland, die viertgrößte Volkswirtschaft Europas.

(Bild: Paolo da Reggio (gemeinfrei))

Der italienische Mobilfunkmarkt soll von vier auf drei Netzbetreiber reduziert werden. Der chinesische Konzern CK Hutchison Holdings und die russische VimpelCom haben beschlossen, ihre italienischen Netze 3 Italia und Wind Telecommunicazioni zu fusionieren. Danach sollen die beiden Konzerne jeweils exakt 50 Prozent an der fusionierten Firma halten.

Welche Marken bestehen bleiben werden, ist noch offen.

(Bild: 3)

Sowohl 3 Italia als auch Wind Telecommunicazioni haben Milliardenschulden und schreiben Verluste. Bei 3 betrug der Abgang 2014 gut 103 Millionen Euro, Wind verlor sogar 898 Millionen. Die Fusion soll Kostensenkungen ermöglichen, die sich im Laufe der Zeit auf fünf Milliarden Euro summieren sollen.

Den Kunden wird ein beschleunigter Ausbau der LTE-Netzabdeckung sowie allgemein bessere Netzqualität in Aussicht gestellt. Konkrete Angaben zu einem Mitarbeiterabbau finden sich in den Unterlagen (PDF) nicht. Die erforderlichen wettbewerbsrechtlichen Genehmigungen stehen noch aus. Die Beteiligten erwarten das Closing binnen zwölf Monaten.

Zwischen den Eigentümern wird kein Geld fließen. CK Hutchison erlässt 3 Italia die konzerninternen Schulden von 5,1 Milliarden Euro und garantiert, dass die italienische Tochter mindestens 200 Millionen Euro Barvermögen in die Ehe einbringt. Wind bringt dafür den mehr als doppelt so großen Kundenstock, eigene 2G-Netzabdeckung sowie ein Festnetz mit, aber auch 10,1 Milliarden Euro Schulden.

Wind-Netze gibt es auch in Kanada und Griechenland, aber mit jeweils anderen Eigentümern.

(Bild: Wind)

Wind Telecommunicazioni besteht bereits seit 1997 und gehört seit 2011 der russischen Vimpelcom. Winds Mobilfunknetz (2G, 3G & 4G) zählt 21 Millionen Kunden, Winds Festnetz 2,8 Millionen. Damit es der drittgrößte Mobilfunker und der zweitgrößte Festnetzbetreiber Italiens.

3 ist seit 2003 auf dem italienischen Markt aktiv und betreibt für seine zehn Millionen Kunden ein 3G- und 4G-Netz. Es stand bisher zur Gänze im Eigentum von CK Hutchison. 2013 wollten die Chinesen die Kontrolle über Marktführer Telecom Italia übernehmen, was aber nicht geklappt hat. Jetzt geben sie es einige Nummern kleiner.

In den vergangenen Jahren hat 3 in Österreich (Orange), Großbritannien (O2) und Irland (O2) Konkurrenten gekauft. In Australien erfolgte bereits 2009 eine Fusion mit Vodafone, das dortige 3-Netz wurde 2013 abgeschaltet.

Gemessen an der Kundenzahl wären 3 und Wind gemeinsam der größte Mobilfunker Italiens, knapp vor Telecom Italia und Vodafone. Addiert man die Vorjahresumsätze der beiden Fusionsfirmen, kommt man auf einen Betrag von 6,4 Milliarden Euro. Damit soll es sich um die größte Übernahme oder Fusion in Italien seit 2007 handeln. (ds)

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