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Jahresbericht der Bundesnetzagentur: Wenig Nachfrage nach FTTH

In ihrer Bestandsaufnahme des deutschen Telekommunikationsmarktes hält die Regulierungsbehörde fest, dass von den 2 Millionen möglichen Glasfaseranschlüssen in Deutschland nur ein Fünftel genutzt wird.

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Präsident Jochen Homann (l.) stellt den Jahresbericht der Bundesnetzagentur vor.

(Bild: Bundesnetzagentur)

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Die Bundesnetzagentur hat ihren Jahresbericht 2014/2015 vorgestellt. In ihrer Bestandsaufnahme des Telekommunikationsmarktes kommt die Behörde unter anderem zu dem Schluss, dass die Nachfrage nach Glasfaseranschlüssen (FTTH/FTTB) noch nicht sehr groß ist. Mitte des Jahres verzeichnete die Behörde rund 2 Millionen per Glasfaser anschlussfähige Haushalte, von denen nur rund ein Fünftel tatsächlich versorgt würden. Der Bundesnetzagentur zufolge gehen 258.000 Kunden über FTTB und knapp 132.000 über FTTH ins Internet.

Der Erfolg von Glasfaser werde wesentlich von neuen Diensten abhängen, die entsprechende Bandbreiten benötigen, schätzt die Behörde. "Erst wenn attraktive Dienste höhere Bandbreiten erfordern, wird die Zahlungsbereitschaft für sehr schnelle Anschlüsse ansteigen und entsprechende Investitionen rentabler machen”, erklärte Jochen Homann, Präsident der Bundesnetzagentur, bei der Vorstellung des Berichts in Bonn. "Angesichts der großen Bedeutung eines schnellen Internets für die digitale Zukunft reicht allerdings allein das Warten auf Kunden nicht aus. Deshalb müssen auch jetzt schon alle Anstrengungen unternommen werden, um die Infrastrukturen zukunftstauglich zu machen.”

Daten aus dem Jahresbericht 2014/2015 der Bundesnetzagentur (14 Bilder)

(Bild: Bundesnetzagentur)

Der Abstand zwischen Versorgung und Nachfrage gehe kontinuierlich zurück, heißt es bei der Bundesnetzagentur weiter. Die Nachfrage nach schnelleren Internetverbindungen nehme immer mehr zu. Etwa 60 Prozent der Breitbandkunden verlangten mittlerweile eine Anschlusskapazität von 10 MBit/s und mehr. Auch im Mobilfunk investieren die Netzbetreiber in Breitband. Zwischen 2013 und 2014 haben die Provider knapp 10.000 weitere Basisstationen mit LTE aufgerüstet.

Im Mobilfunk ist die Zeit der SMS als Cash Cow der Branche vorbei. Nach dem Höchststand von 60 Milliarden SMS im Jubiläums-Jahr 2012 gingen 2014 nur noch etwa 20 Milliarden Kurznachrichten durch die Netze. Der Erfolg von Instant Messengern wie Whatsapp hat die SMS zwar nicht vollständig verdrängt, aber für die Netzbetreiber deutlich weniger profitabel gemacht. Kaum zu glauben, dass man vor wenigen Jahren noch 20 Cent für eine Nachricht zahlen konnte.

Angesichts der Messenger stellt sich die Bundesnetzagentur “auch die Frage”, ob die sogenannte Over-the-Top-Dienste (OTT) nicht der Regulierung unterworfen werden sollten. Netzbetreiber fordern schon lange, das OTT-Anbieter wie Facebook oder YouTube, die ihre Geschäftsmodelle auf den Netzen Dritter realisieren, den gleichen Bedingungen unterworfen. "Aus Sicht der Bundesnetzagentur war diese Frage im Fall von Googles Emaildienst ‘Gmail‘ zu bejahen", sagte Homann.

Die Regulierungsbehörde will Google dazu zwingen, den Gmail als Telekommunikationsdienst anzumelden. Ende November hatte die Bundesnetzagentur damit Erfolg vor dem Kölner Verwaltungsgericht, das entschied, Google müsse seinen E-Mail-Service in Deutschland als Telekommunikationsdienst anmelden. Der Ansatz ist allerdings heftig umstritten und das Verwaltungsgericht Köln dürfte nicht das letzte Wort in dem Verfahren haben. Google will offenbar in Berufung gehen. (vbr)