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Japan hat 2019 ein "Y2K-Problem"

Wenn nächstes Jahr der japanische Kaiser abdankt, führt das in der IT-Welt zu Problemen. Experten sprechen sogar von "Japans Y2K".

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Japan hat 2019 ein "2YK-Problem"

Am 30. April 2019 soll Akihito als Kaiser von Japan abdanken. Das Datum steht bereits seit Dezember 2017 fest, damit der Machtwechsel möglichst reibungslos verläuft und Akihitos Sohn Naruhito ordnungsgemäß den Thron besteigen kann. Doch seine Krönung könnte ausgerechnet in der IT-Welt zu Problemen führen, berichtet The Guardian.

Japan nutzt zwar auch den Gregorianischen Kalender, hat aber noch einen eignen. Dieser japanische Kalender hat so seine Eigenheiten: Er zählt die Jahre nach der Krönung des Kaisers und mit jedem neuen Kaiser beginnt auch eine neue Ära. Die Krönung von Akihito im Jahr 1989 läutete die jetzige Heisei-Ära ein, welche die vorherige Shōwa-Ära ablöste. Das Jahr 2018 ist nach japanischer Zeitrechnung also Heisei 30.

Die kommende Krönung von Naruhito wird ebenfalls eine weitere Ära einleiten – und genau hier beginnen die Probleme: Erstens saß Akihito fast das gesamte Informationszeitalter auf dem Thron. Soll heißen, dass die IT-Systeme bisher nicht mit dem Wechsel einer Ära umgehen mussten. Das zweite Problem: Der Name der kommenden Ära muss noch verkündet werden – eine Herausforderung für Hersteller von Kalendern und für Konsortien, die internationale Standards festlegen. Einige sprechen deshalb schon von "Japans Y2K-Problem".

Zum Beispiel Shawn Steele von Microsoft. Er meint, dass die Probleme für Computersysteme, die den japanischen Kalender verwenden, vergleichbar seien mit dem Y2K-Problem zur Jahrtausendwende. Steele warnt Entwickler, dass ihre Algorithmen fehlerhaft sein könnten, wenn sie ignorieren, dass es zwei japanische Ären in einem gregorianischen Jahr geben kann. Außerdem könnte Software abstürzen, wenn sie ein Datum parst, dass es nie geben wird – etwa Heisei 40, das eigentlich das Jahr 10 in der noch unbenannten Ära sein wird. "Gut, dass das ein seltener Vorfall ist. Das heißt aber auch, dass die meisten Programme nicht getestet wurden", erklärt Steele.

Vor größeren Schwierigkeiten steht das Unicode-Konsortium, das internationale Standards festlegt (und auch entscheidet, welche Emojis es gibt). Japanische Computer verwenden nur ein Zeichen für die Ära anstelle von zwei: ㍻ für Heisei, statt der beiden Kanji-Zeichen 平成. Unicode muss für die neue Ära auch ein neues Zeichen festlegen. Das geht aber nicht, weil deren Name ja noch nicht bekannt wurde.

Der Name wird wohl nicht vor dem späten Februar bekannt gegeben. Unicode 12 soll aber schon im frühen März erscheinen und muss noch viel früher fertig sein. Eine spätere Veröffentlichung ist nicht möglich, zudem kann sich Unicode keine Fehler erlauben. Es laufe deshalb wohl auf ein Unicode 12.1 hinaus, schreibt Ken Whistler, technischer Direktor bei Unicode. Das erhöhe auch den Druck auf Softwarehersteller.

Und zuletzt gibt es noch die alten Kisten, die in Japan hier und da herum stehen: Computer mit Software, die vor 1989 hergestellt wurden. Sie rechnen weiterhin stur in der Shōwa-Ära, derzeit ist das Jahr Shōwa 93, das es eigentlich gar nicht gibt. 2025 – im Jahr Shōwa 100 – wird es knifflig: Ein dreistelliges Jahr ist bei den alten Rechnern nicht vorgesehen. Spätestens jetzt werden Erinnerungen wach an Y2K beim Jahreswechsel von 1999 auf 2000.

Es ist also kompliziert mit dem japanischen Kalender, das findet auch die japanische Steuerbehörde. Laut Guardian überlegt sie, einfach in der Heisei-Ära zu bleiben, um Verwirrungen zu vermeiden. Neuer Kaiser hin oder her. (dbe)

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