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Technology Review

Japanische Atomindustrie in der Kritik

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Nicht nur in Deutschland steht die Kernkraft aktuell im Kreuzfeuer der Kritik. In Japan, dem hinter den USA und Frankreich drittgrößten AKW-Betreiber der Welt, wird derzeit hitzig darüber diskutiert, ob sich die großen Energiekonzerne ihrer Verantwortung tatsächlich bewusst sind, meldet das Technologiemagazin Technology Review in seiner Online-Ausgabe.

Auslöser der aktuellen Debatte ist ein Brand in der Trafo-Anlage im größten AKW der Welt, dem Kashiwazaki-Kariwa-Meiler, der 220 Kilometer von Tokio entfernt steht. Am Montag war es in der Region zu einem Erdbeben der Stärke 6,8 gekommen, das den Brand auslöste. Das Kraftwerk mit seinen sieben Reaktorblöcken und einer elektrischen Gesamtleistung von 8,21 Gigawatt ist aufgrund der falschen geologischen Untersuchungen im Planungsprozess nur für ein Beben der Stärke 6,5 ausgelegt, weil die Planer in mehreren Kilometern Entfernungen Bruchkanten festgestellt hatten. Zudem stehe es allerdings direkt auf einer Verwerfung, für die laut dem Kraftwerksbetreiber ein direktes Beben nicht mehr ausgeschlossen werden könne.

Fast zwei Stunden loderte das Feuer am Montag. Der Reaktor bleibt bis auf weiteres stillgelegt. "Wir haben den Betreiber aufgefordert, einen Bericht über die Ursachen abzugeben", sagte Akira Fukushima, stellvertretender General-Direktor für Sicherheitsüberwachungen der Behörde für nukleare und industrielle Sicherheit. "Auf der Grundlage des Berichts werden wir geeignete Maßnahmen beschließen."

Die erste Zwischenbilanz der Schäden fällt dennoch vergleichsweise milde aus. Man habe bisher keine Anomalien in den sicherheitsrelevanten Bereichen der Reaktoren entdeckt, erklärte Fukushima am Mittwoch. Allerdings ist entgegen ursprünglichen Beteuerungen des Betreibers doch Radioaktivität freigesetzt worden. Im Reaktorblock 6 wurden außerhalb der Sicherheitszone zwei Pfützen mit 0,6 und 0,9 Litern radioaktiv verseuchten Wassers entdeckt. 1200 Liter strahlendes Wasser flossen ins Meer.

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(bsc)