Japans Musikindustrie fordert Abgaben auf mobile Musikplayer

Falls sich die japanischen Plattenlabel durchsetzen, würde künftig auf jedes mobile Abspielgerät mit Festplatte oder Flash-Speicher eine Abgabe von 2 bis 5 Prozent auf den Verkaufspreis fällig.

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Von
  • Andreas Wilkens

Die japanische Musikindustrie strebt eine Abgabe auf portable Musikabspielgeräte an und hat deshalb bereits bei der Regierung vorgefühlt. Das berichtet die New York Times. Ein Betrag, der etwa 2 bis 5 Prozent des Verkaufspreises ausmachen würde, ginge an die Plattenfirmen und Künstler als Ersatz für entgangene Einnahmen durch das Kopieren von Musikstücken.

Die japanischen Plattenfirmen hätten in der Vergangenheit beispielsweise dafür gesorgt, dass Apple mit seinem iTunes Music Store nur verzögert in Japan starten konnte, ohne mit großen lokalen Plattenlabels Verträge abschließen zu können. Apples Musikladen feierte trotz der widrigen Umstände kurz nach der Eröffnung Anfang August erste Erfolge und brachte so den Musikmarkt in Bewegung. Durch eine Abgabe auf portable Player wie den iPod könnten die japanischen Plattenfirmen am Erfolg des Online-Geschäfts teilhaben.

Auf CD-Player oder Minidisc-Recorder werden in Japan bereits Abgaben erhoben, doch diese gehen kontinuierlich zurück, da immer mehr Verbraucher auf digitale mobile Geräte setzen. Vergangenes Jahr hätten die Einnahmen durch Abgaben 2,2 Milliarden Yen (15,9 Millionen Euro) betragen, während es im Jahr 2000 noch 3,8 Milliarden gewesen seien. Die geforderte Abgabe würde portable Player mit Festplatten oder Flash-Speichern betreffen. Verbraucherschützer wie Hiroko Mizuhara von der Consumers Union of Japan kritisieren die Musikindustrie. Sie versuche, ihre Interessen bei der Regierung auf Kosten der Verbraucher durchzusetzen.

Die zuständigen Experten, die über eine Abgabe entscheiden sollen, sind sich noch nicht eins darüber, ob der Preis für ein online erworbenes Stück nicht nur das Laden auf einen Computer, sondern auch das Kopieren von dort auf einen MP3-Player abdeckt. Der japanische Rechtsexperte Naoki Koizumi, der dem Expertenkomitee angehört, meint, eine zusätzliche Abgabe sei so, als wenn Fahrgäste sowohl beim Betreten als auch beim Verlassen eines Busses zahlen müssten. (anw)