Jede zweite Rufnummer in den falschen Händen

Nach Bekanntwerden des beispiellosen Diebstahls von 17 Millionen Handynummern bei der Telekom gibt es eine neue Debatte um die Sicherheit persönlicher Daten in Deutschland.

Lesezeit: 1 Min.
In Pocket speichern
vorlesen Druckansicht Kommentare lesen 268 Beiträge
Von
  • dpa

Nach Bekanntwerden des beispiellosen Diebstahls von 17 Millionen Handynummern bei der Telekom gibt es eine neue Debatte um die Sicherheit persönlicher Daten in Deutschland. Schleswig-Holsteins Datenschutzbeauftragter Thilo Weichert sprach sich im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dafür aus, die Einhaltung der Bestimmungen in den Unternehmen schärfer zu überwachen. Der Datenschutz sei "finanziell und personell viel zu schlecht ausgestattet".

Am Samstag hatte die Deutsche Telekom einen Spiegel-Bericht bestätigt, wonach ihrer Mobilfunksparte T-Mobile vor gut zwei Jahren Daten zu jedem zweiten Kunden entwendet wurden, insgesamt mehr als 17 Millionen. Neben den Rufnummern wurden demnach auch alle Adressen kopiert.

Große Unternehmen wie Mobilfunk-Firmen seien für Datenklau besonders anfällig, sagte der Datenschutzbeauftragte weiter. Neben der Gefahr eines Diebstahls durch eigene Mitarbeiter gebe es eine weitere Möglichkeit: "Wir Datenschützer haben seit Jahren die Befürchtung, dass ein Leck in der Übermittlung von Daten an Sicherheitsbehörden auftreten kann." Es sei mit Hacker-Angriffen und Datenmissbrauch zu rechnen.

Gesetzliche Bestimmungen, die den Einsatz etwa von digitalen Markern für die Rückverfolgbarkeit von Daten vorsehen, gebe es schon längst. Wer sich an die Vorschriften halte, könne inzwischen auch bemerken, wenn ein Mitarbeiter sich Zugriff zu größeren Datensätzen verschaffe. Die Defizite lägen eher in der Umsetzung, kritisierte Weichert.

Der Grünen-Bundespolitiker Volker Beck forderte, die Vorratsspeicherung von Telefondaten sofort zu stoppen. Die Daten der Bürgerinnen und Bürger seien bei der Deutschen Telekom nicht sicher, sagte Beck, der als Parlamentarischer Geschäftsführer der Grünen im Bundestag sitzt. Wo Datenberge entstünden, drohe stets fahrlässiger oder krimineller Missbrauch, warnte der Politiker.

Die SPD bekräftigte ihre Forderung, dass die Weitergabe von Daten an Dritte gesetzlich von der Zustimmung der Betroffenen abhängig gemacht werden sollte. Gleichzeitig solle die Herkunft der Daten künftig festgehalten und nachvollziehbar werden, verlangte der Datenschutzexperte der Bundestagsfraktion, Jörg Tauss, in Berlin.

Dem Spiegel waren die Datensätze vor kurzem vorgelegt worden. Bundesweit hat T-Mobile aktuell mehr als 38 Millionen Kunden. Die Firma bot ihren Kunden den kostenlosen Wechsel der Rufnummer an. Für den Wechsel der Rufnummer und Fragen gibt es eine Gratis-Hotline für T-Mobile-Kunden: 0800/ 330 034505.

Zu prominenten Betroffenen wollte sich Konzernsprecher Stephan Broszio nicht äußern. Auf dem Datenträger finden sich laut Spiegel nicht nur viele TV-Prominente wie Hape Kerkeling oder Günther Jauch, sondern auch eine große Anzahl geheimer Nummern und Privatadressen von Politikern, Ministern, Ex- Bundespräsidenten, Wirtschaftsführern, Milliardären und Glaubensvertretern, für die eine Verbreitung ihrer Kontaktdaten in kriminellen Kreisen sicherheitsbedrohend wäre. (dpa)/ (cp)