Jeff Bezos angeblich über WhatsApp-Nachricht von saudischem Kronprinzen gehackt

Forensiker meinen offenbar, dass das Smartphone von Jeff Bezos über eine WhatsApp-Nachricht gehackt wurde. Die sei von Saudi-Arabiens Kronprinz gekommen.

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Jeff Bezos ist nicht nur Amazon-Chef, sondern auch Eigentümer der Washington Post.

(Bild: Amazon)

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Von Jeff Bezos beauftragte Forensiker sind zu dem Ergebnis gekommen, dass das Smartphone des Amazon-Chefs über eine WhatsApp-Nachricht des saudischen Kronprinz Mohammed bin Salman höchstpersönlich gehackt worden ist. Das berichtet die Financial Times unter Berufung auf einen Bericht, der am heutigen Mittwoch öffentlich gemacht werden soll. Darin steht demnach, dass Bezos und bin Salman ihre Telefonnummern im Frühjahr 2018 bei einem Treffen in Los Angeles ausgetauscht hatten. Später sei dann ein "verschlüsseltes Video" vom WhatsApp-Account des Kronprinzen verschickt worden und kurz darauf seien jede Menge Daten abgeflossen.

Der Vorwurf des reichsten Manns der Welt gegen Saudi-Arabien ist nicht neu, aber inzwischen wurde er laut dem Zeitungsbericht "mit mittlerer bis hoher Sicherheit" bestätigt. Öffentlich geworden waren erste Details im Rahmen einer Auseinandersetzung zwischen Bezos und der US-Zeitung National Enquirer. Anfang 2019 hatte der Amazon-Gründer dem Boulevardblatt vorgeworfen, ihm mit der Veröffentlichung intimer Fotos gedroht zu haben. Dabei ging es um die Trennung Bezos' von seiner Ehefrau und sein Verhältnis mit einer anderen Frau. Bezos Sicherheitsberater erklärte schließlich, dass Saudi-Arabien die Inhalte direkt vom Smartphone des Amazon-Chefs abgegriffen hätten.

Dem nun erstellten, aber noch nicht öffentlichen Bericht zufolge flossen innerhalb von Stunden nach dem Empfang des verschickten Videos jede Menge Daten von Bezos' Smartphone ab. Das habe sich über Monate hingezogen und sei immer heftiger geworden, zitiert die Financial Times. Insgesamt gehe es um Dutzende von Gigabyte. Dem palästinensischen Aktivisten İyad el-Baghdadi zufolge, der nach eigenen Angaben an der Analyse beteiligt war, handelt es sich bei der benutzten Malware um Pegasus.

Einen abschließenden Beweis, dass Saudi-Arabien dahinter steckt, präsentieren die Forensiker laut Financial Times aber nicht. Zweimal habe bin Salman dann aber noch einmal über WhatsApp Kontakt aufgenommen und angedeutet, dass er Kenntnis von privaten Gesprächen des Amazon-Chefs hatte. Die US-Botschaft des Königreichs hat die Berichte zurückgewiesen und eine unabhängige Untersuchung verlangt.

El-Baghdadi versichert auf Twitter auch noch, dass Bezos als Eigentümer der Washington Post attackiert wurde, nicht als Amazon-Chef. Damit liegt es nahe, das Schicksal des saudi-arabischen Journalisten Jamal Kashoggi als einen Hintergrund der Auseinandersetzung zu sehen. Der war als Kritiker der Führung von Saudi-Arabien Kolumnist der Washington Post. Im Oktober 2018 war Kashoggi in der Botschaft des Königreichs in Istanbul ermordet worden. Zwar erfolgte der angebliche Hack von Bezos' Smartphones Monate vorher, aber Kashoggi dürfte da längst im Visier der Verantwortlichen in Riad gewesen sein. Nach Kashoggis Verschwinden hatte die US-Zeitung ausführlich berichtet, bis immer mehr Details zur Verwicklung Saudi-Arabiens bekannt wurden. (mho)