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Jeff Bezos vs. National Enquirer: Saudische Regierung hatte Smartphone-Zugriff

Saudi-Arabien soll laut Medienberichten hinter einem Angriff auf das Smartphone von Jeff Bezos stecken. Der Kashoggi-Mord wird als Motiv vermutet.

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Jeff Bezos

Jeff Bezos

(Bild: dpa, Michael Nelson)

Nach Aussagen des Sicherheitsberaters von Amazon-Chef Jeff Bezos, Gavin De Becker, steckt die Regierung Saudi-Arabiens hinter der Weitergabe privater Textnachrichten zwischen dem Amazon-Chef und seiner Geliebten Anfang dieses Jahres, die das Boulevardblatt National Enquirer veröffentlicht hatte. Die saudische Regierung habe sich Zugriff auf Bezos' Smartphone verschafft und so private Daten in ihren Besitz gebracht, die sie an das Enquirer-Verlagsunternehmen American Media Inc. (AMI) weitergab.

In einem Artikel auf der Website The Daily Beast berichtet De Becker ausführlich von seinen Ermittlungen und den größeren Zusammenhängen dahinter. Nach Abschluss seiner Untersuchung sehen De Becker sowie seine Ermittler und weitere Experten es als sehr wahrscheinlich an, dass die Saudis Zugriff auf Bezos' Smartphone hatten und so an die vertraulichen Informationen gelangten. In welchem Maß – oder ob überhaupt – AMI sich dieser Quellenlage bewusst sei, könne De Becker nicht sagen.

Allerdings habe AMI De Becker vertraulich aufgefordert, er solle bestreiten, Anzeichen für elektronische Abhörtätigkeiten oder Hacking im Zuge der Nachrichtensammlung durch den National Enquirer gefunden zu haben. Die Nachrichtenagentur Reuters weist darauf hin, dass der saudische Staatsminister für Auswärtiges noch im Februar bestritten habe, Saudi-Arabien könne etwas mit der Berichterstattung des National Enquirer über die Bezos-Affäre zu tun haben.

Bereits bei Bekanntwerden der Auseinandersetzung zwischen der Zeitung und Bezos Anfang Februar hatte De Becker den Verdacht geäußert, eine Regierungseinrichtung stecke hinter der Beschaffung der privaten Bilder und Textnachrichten von Bezos' Smartphone. Anlässlich der Bekanntgabe der Trennung zwischen Bezos und seiner Ehefrau hatte der National Enquirer eine Affäre zwischen Bezos und einer ehemaligen Fernsehmoderatorin öffentlich gemacht und mit dem Material unterlegt.

Daraufhin beauftragte Bezos De Becker, die Herkunft des Materials zu erkunden, woraufhin Mittelsmänner des AMI-Chefs David Pecker Bezos per E-Mail aufforderten, die Untersuchung zu unterlassen. Bezos wiederum veröffentlichte diese E-Mail mit der Drohung und ging in die Offensive. Zwischenzeitlich wurde auch der Bruder von Bezos' Geliebter als Quelle der Textnachrichten und Bilder verdächtigt; er stritt die Vorwürfe jedoch ab.

Die Auseinandersetzung gewinnt politische Brisanz durch den Umstand, dass die renommierte US-Zeitung Washington Post (die Bezos 2013 kaufte) ausführlich über den Tod ihres Kolumnist Jamal Kashoggi 2018 im saudischen Konsulat in Istanbul berichtete. Kashoggi war mutmaßlich von Personen aus dem Umkreis des saudischen Geheimdienstes ermordet worden. Die Washington Post enthüllte auch, dass die CIA Verbindungen zwischen dem Mord und dem saudischen Botschafter in den USA sehe, der ein Bruder des Kronprinzen Mohammed Bin Salman ist.

De Becker beschuldigte in diesem Kontext die saudische Regierung, mit der Aktion Bezos auch wegen der Berichterstattung der Washington Post über den Kashoggi-Mord schaden zu wollen. De Becker habe seine Ermittlungsergebnisse den amerikanischen Behörden übergeben.

(tiw)