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Jelbi: App von BVG und Trafi vereint Berliner Mobilitäts-Angebote

Jelbi: App von BVG und Trafi vereint Berliner Mobilitäts-Angebote

Auf Knopfdruck: Christof Schminke (Trafi), Henrik Haenecke & Sigrid Nikutta (BVG) und Philippe Op De Beeck (Apcoa) bringen Jelbi an den Start.

(Bild: BVG)

Die Berliner Verkehrsbetriebe und Trafi bringen die neue App Jelbi auf die Handys, mit der sich verschiedene Mobilitätsangebote der Stadt nutzen lassen.

Die Berliner Verkehrsbetriebe haben zusammen mit dem Startup Trafi die App "Jelbi" vorgestellt, mit der die verschiedenen Mobilitätsangebote in der Hauptstadt auf einer Plattform zusammengefasst werden sollen. Die App geht damit in die Pilotphase und ist für Android und iOS erhältlich. Von den gut 25 Mobilitätspartnern, die auf die Plattform wollen, sind am Anfang neben den öffentlichen Verkehrsmitteln der BVG die E-Roller von Emmy, Fahrräder von Deezer-Nextbike und Autos von Miles zum Mieten dabei.

Im Verlauf des Sommers soll auch Berlkönig, das Shuttle-Sharing-Projekt der BVG [1], integriert werden, etwas später dann Taxi Berlin, verspricht Henrik Haenecke, BVG-Vorstand für Finanzen, Digitalisierung und Vertrieb. Auf eine Integration warten derzeit etwa noch die Räder von DB Call a Bike, Donkey Republic, Jump, Lime und Mobike sowie fürs Carsharing Cambio, DB Flinkster, Greenwheels, Mobileeee, Stadtmobil Berlin und Ubeeqo. Auch Clever Shuttle, das andere Shuttle-Projekt in der Stadt, will künftig dabei sein.

Sehr bald soll mit der Marke Tier auch ein Verleiher von E-Scootern dabei sein, nachdem am kommenden Samstag die Verordnung für Elektrokleinstfahrzeuge [2] in Kraft treten wird. Für das Angebot der elektronisch angetriebenen Tretroller kooperiert die BVG zusätzlich mit dem Startup Swiftmile aus dem Silicon Valley, das Ladestationen entwickelt hat. Da könne man die Scooter reinstellen, "damit sie nicht im Straßenland rumstehen", erklärte Haenecke.

An so einer Jelbi-Station können Nutzer von und in den ÖPNV umsteigen.

(Bild: BVG)

Der Parkraumbewirtschafter Apcoa ist auch dabei und stellt auf einer Parkfläche am U- und S-Bahnhof Schönhauser Allee den Platz für eine Jelbi-Station zur Verfügung. Hier können Fahrräder, Roller oder Mietautos abgestellt werden. Dass soll Umstieg zwischen Nahverkehr und den Mobilitätsangeboten leichter machen.

Jelbi basiert auf der "White Label"-Lösung der IT-Firma Trafi [3], die unter anderem in ihrer Heimatstadt Vilnius bereits zeigt, wie moderne Navigation aussehen kann [4]. Die Basistechnik habe man "in neun Monaten für die Bürger von Berlin und die BVG angepasst", erklärt Christof Schminke, Geschäftsführer von Trafi Deutschland. Die App biete so ein "sehr ausgereiftes multimodales Routing" in Form einer sinnvollen Kette.

Jelbi die listet die verschiedenen Optionen und Kosten für die gewünschte Strecke auf.

Die App bietet eine übersichtliche Karte mit Standort und allen verfügbaren Mobilitätsangeboten. Jelbi zeigt die verschiedenen Möglichkeiten an, um von A nach B zu komme. "Ich sehe immer, was es mich kostet und welche Zeit ich brauche, um am Ziel zu sein", erklärt Schminke. Nach dem Bezahlen erhält der Anwender einen Code, um das gewählte Fahrzeug zu entriegeln, oder ein BVG-Ticket, das auf dem Mobiltelefon gespeichert wird und auch offline nutzbar ist. Wer schon ein Konto für eine der anderen BVG-Apps hat, kann die Zugangsdaten auch für Jelbi nutzen.

Noch können die verschiedenen Mobilitätsangebote nur einzeln gebucht werden. Künftig soll es aber auch möglich ein, wie in Vilnius verschiedene Angebote für eine geplante Strecke zusammen zu buchen: ein Stück mit dem E-Roller zur U-Bahn und vom Zielbahnhof dann mit dem Fahrrad zum Ziel. Das wollen Trafi und die BVG in nächster Zeit noch hinbekommen.

Langfristig sollen möglichst viele Mobilitätsanbieter auf die Plattform kommen. Jelbi hat den Vorteil, dass sich Nutzer nur einmal registrieren, ihre Bezahldaten eingeben und eine Führerscheinkontrolle durchführen lassen müssten. Danach stehen in die verschiedenen Anbieter zur Verfügung. Von einem "wichtigen Meilenstein" spricht BVG-Chefin Sigrid Nikutta. Über Jelbi sei nun tatsächlich aus einer Hand "alles anzeigbar, reservierbar, buchbar". Noch werde "im Hintergrund programmiert, was das Zeug hält".

Ein paar große Player fehlen aber: "Die großen Automobilkonzerne machen lieber ihr eigenes Ding", sagt Nikutta. Vor allem Share Now von BMW und Daimler [5], die in Berlin zusammen über 2500 Autos auf der Straße haben. Das Gemeinschaftsunternehmen betreibt mit Moovel alias Reach Now eine eigene übergreifende Mobilitätsplattform. Man habe daher die Gespräche über eine Kooperation vorerst vertagt, verrät Haenecke gegenüber heise online.

Zum heiklen Thema potenziell entstehender Bewegungsprofile betont Haenecke den "engen Austausch" mit der Datenschutzbehörde: "Es werden die Daten erfasst, die wir brauchen, um eine Rechnung zu erstellen." Diese schlössen ein, wo die Reise beginnt und wo sie endet. Im Rahmen des zunächst bis Ende 2021 laufenden Forschungsprojekts mit Trafi wollten beide Seiten auch verstehen lernen, wie sich die Berliner mit welchen Mitteln bewegten. Individuelle Nutzer sollen dafür aber nicht identifiziert werden. (vbr [6])


URL dieses Artikels:
http://www.heise.de/-4444131

Links in diesem Artikel:
[1] https://www.heise.de/meldung/Auto-gegen-Auto-Ridesharing-und-seine-Kritiker-4296837.html
[2] https://www.heise.de/meldung/E-Scooter-Bundesrat-gibt-Elektrorollern-entscheidenden-Schubs-4424380.html
[3] https://www.heise.de/meldung/Jelbi-BVG-will-uebergreifende-Mobilitaets-App-fuer-Berlin-im-Sommer-starten-4311779.html
[4] https://www.heise.de/hintergrund/Trafi-Selbsttest-der-litauischen-Mobilitaets-Plattform-in-Vilnius-4248678.html
[5] https://www.heise.de/meldung/Ziel-autonomes-Elektro-Auto-BMW-und-Daimler-schieben-Now-Mobilitaetsdienste-an-4316561.html
[6] mailto:vbr@ct.de